Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000041654/108/
Gerard Baüiner Abgesichert? Der Rechtsschutz des formellen Rechtsstaates und der In- dividualschutz der Grundrechte sind maximal. Mehr an gerichtlichem Schutz kann nicht geboten werden. Eine letzte mögliche Lücke bleibt: Wenn nämlich die Rechte, die geschützt werden sollen, selbst prekär sind oder gar fehlen, dann muss sich dies auf den Gerichtsschutz übertragen. 1921 wurden die politischen Rechte stark ausgebaut. Die staatsbürgerli­ chen Rechte (und Pflichten) der Landesangehörigen dagegen sind teils - wie wir im nächsten Kapitel näher erläutern werden - nicht genügend ausfor­ muliert. War im deutschen Frühkonstitutionalismus und Spätabsolutismus des 19. Jahrhunderts aus machtmässigen Gründen und dem Widerstand der Fürsten gegenüber dem Ideengut der Französischen Revolution nicht von Menschenrechten, sondern von «Rechten und Pflichten der Landesan­ gehörigen» die Rede, so wird 1920/1921 ideengeschichtlich aus ideologi­ schen Gründen nicht von Menschenrechten, sondern von «verfassungs­ mässig gewährleisteten Rechten» gesprochen. Die Ringvorlesung steht unter dem Thema «Kleinheit und Interdepen- denz». Schon im Lichte der bisherigen Betrachtung ist sichtbar geworden, wie sehr die liechtensteinische Grundrechts- und Verfassungsgeschichte in diejenige des Deutschen Bundes (Paulskirche) und des Frühkonstitutiona­ lismus und in diesem Jahrhundert in das positivistisch gefärbte Grund­ rechts- und Verfassungsverständnis des österreichischen Bundes-Verfas- sungsgesetzes eingewoben ist. Die politischen Rechte von 1921 knüpfen an die eigene vorabsolutistische, hernach unterbrochene, demokratische Tra­ dition und an schweizerische Vorbilder an. Im Bereich des gerichtlichen Grundrechtsschutzes hat Liechtenstein über Entwicklungen in der Pauls­ kirche (1849), solchen in Österreich (1867 und 1920) und in Bayern (1919) hinausgehend ein eigenständiges Modell geschaffen. Wir sind nun vorbereitet, um über die EMRK zu sprechen und darüber, was sie unserer Rechtsordnung Neues bringt. 2. Die EMRK und ihr nationaler und internationaler Schutz a) Die EMRK steht in der Tradition vorstaatlich und universell verstande­ ner Rechte des Menschen. Voraufgegangen war - die EMRK beruft sich in der Präambel darauf - die Universelle Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1948. Diese wiederum war aus der Unrechtserfahrung des Zweiten Weltkrieges hervorgegangen, und Denker verschiedener Geistesrichtun­ gen und Weltreligionen wie Rene Cassin, Pierre Teilhard de Chardin, 114
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.