ZUR GESCHICHTE 
DER TIER- UND PFLANZENWELT 
Die nacheiszeitliche Waldgeschichte. Über die nacheiszeitliche Vegetationsge- 
schichte sind wir dank der Untersuchungen der Moor-Torfkörper recht gut informiert. 
Dort hat sich der Blütenstaub über all die Jahrtausende erhalten können. Heutige pflanz- 
liche Relikte können aber noch weitaus länger in unserer Region angesiedelt sein. Von 
einigen Pflanzenarten nimmt man an, dass sie aus der jüngsten Tertiärzeit stammen. Sie 
vermochten sich an den lokalklimatisch günstigen Stellen — in Felsritzen, auf Schutt- 
bändern und steilen, südexponierten Standorten — zu halten und damit die unwirtlichen 
Kaltzeiten zu überdauern. Hierzu zählen etwa die herzblättrige Kugelblume, die niedli- 
che Glockenblume, der safrangelbe Steinbrech, der punktierte sowie der bekanntere 
gelbe Enzian oder der Alpen-Silbermantel. 
In den Zwischeneiszeiten und nach dem Rückzug der letzten eiszeitlichen Verglet- 
scherung beherrschte eine grasreiche Kaltsteppe das Gletschervorfeld, wobei in den 
feuchten Mulden eine arktisch-alpine Zwergstrauchtundra anzutreffen war. Im Laufe 
der Zeit und in Abhängigkeit vom jeweiligen Klima entwickelte sich hieraus über ver- 
schiedene Abfolgen von Lebensgemeinschaften die heutige Vegetation. Die Verbreitung 
der krautigen Pflanzen wurde mit der Einwanderung der Bäume und Sträucher aus 
ihren Rückzugsgebieten allmählich eingeschränkt. Als erste Baumart dürfte die Birke 
das Terrain wieder erobert haben. Ihr folgte die Föhre, die in Form von lichten Föhren- 
waldheiden die Vorherrschaft über die unvergletscherten Flächen übernahm. Die in die- 
ser Zeit eingewanderten, trockenresistenten und weniger kälteempfindlichen Pflanzen 
stammen vor allem aus dem Südosten Europas und aus den kalten Steppen Asiens. Dazu 
zählt etwa die Sibirische Schwertlilie, in unserer Region blaue Ilge genannt. In den 
Alpen entwickelte sich ein Lärchen-Arvengürtel, wobei die damalige Waldgrenze um 
rund 200 m über der aktuellen lag. Waldfreie Gebiete dürften damals aber immer in 
Form von Grasheiden verbreitet gewesen sein. In unseren Bergen verzahnte sich in der 
Folge das Areal der ostalpinen Legföhre mit jenem der westalpinen aufrechten Berg- 
föhre. Die auch Spirke genannte aufrechte Form finden wir heute noch in grösserer Zahl 
konzentriert auf dem Wanderweg von Malbun FL zum Sasser Seelein sowie auf dem 
weniger begangenen Wanderweg vom Stachler zum Bergle oberhalb von Steg. 
Zunehmend wärmeres Klima liess nacheinander die Hasel und den Eichenmisch- 
wald dominieren. Es ist dies der Zeitpunkt der Einwanderung der wärmeliebenden medi- 
terranen Arten mit u. a. vielen Orchideenarten. Man nimmt an, dass hier die wichtigste 
Einwanderung nicht über die Bündner Pässe, sondern über das Inntal und über den Arl- 
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