Anforderungen an die Landschaft von morgen. In der Schweizer Nationalfonds- 
studie wird für das Mittelland ein durchschnittlicher Bedarf an naturnahen Flächen von 
rund 12 Prozent ermittelt, um den weiteren Artenschwund zu bremsen. Die Verwirkli- 
chung derartiger Forderungen muss auf drei Wegen in Angriff genommen werden. Es ist 
offensichtlich, dass die Intensivierungen in der Landwirtschaft bei zunehmendem Hilfs- 
mitteleinsatz mit Düngern und Pestiziden Formen angenommen haben, die unsere 
Lebensgrundlagen gefährden. Insbesondere rund die Hälfte des derzeitigen Trinkwasser- 
bedarfes wird aus dem Grundwasser geschöpft. Hier tickt bei den gegebenen Verhältnis- 
sen eine Zeitbombe, die entschärft gehört. Hierfür ist auch einiges an Produktionsrück- 
gang in Kauf zu nehmen. Die effektiven Naturschutzziele können ihrerseits durch das 
Ausweisen grósserer naturnaher Schutzgebiete sowie durch das Prinzip der Vernetzung 
zwischen Produktion und ökologischem Ausgleich erreicht werden. Das Stichwort «Bio- 
topverbund» ist in vieler Munde. Im Falle ausgeräumter Agrarlandschaften ist es durch- 
aus sinnvoll, über die Erhöhung des Strukturreichtums den Pflanzen und Tieren ins- 
künftig wieder bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. Derartige strukturelle Ver- 
besserungen können durch die Anlage von Hecken, die Gestaltung abgestufter Waldrän- 
der wie auch durch Revitalisierung von Bächen und ungenutzter Raine erreicht werden. 
Auch hierfür liegt neu im Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzgesetz ein 
Gesetzesauftrag vor. Die Umsetzung dieser Forderung ist eine anspruchsvolle Aufgabe 
für die kommenden Jahre und Jahrzehnte. Im Fürstentum Liechtenstein wurde die land- 
schaftliche Ausräumung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg leidvoll erfahren. Mit 
der Entfernung von Baum und Strauch aus dem Talraum wurde die Bodenkrume dem 
Wind offengelegt. Die Trockenheit der späten vierziger Jahre liess den Humus durch den 
Wind verfrachten. Die Zusammenhänge zwischen Gehölz als Windschutz und Klimaver- 
besserer und der Nutzen für die Kultur wurden hier zu spät erkannt. Mit einem grossen 
Aufwand wurden seit 1947 wieder über 1,5 Millionen Bäume und Sträucher im liechten- 
steinischen Rheintalraum gesetzt. Auch bei manchen Meliorationen im Kanton St.Gal- 
len wurden Windschutzstreifen berücksichtigt. Sie könnten das Rückgrat für diesen öko- 
logischen Ausgleich bilden, planmässig erweitert und vor allem durch andere Biotop- 
strukturen ergänzt werden. Eine derart vielfältig ausgestattete Landschaft als Zielvorstel- 
lung verspricht auch eine Steigerung der Lebensqualität. Es bleibt noch viel zu tun, eine 
notwendige, wichtige, aber auch fesselnde Aufgabenstellung für die nächste Generation. 
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