Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
9
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_9/8/
Interview Wolf J. Reith, in Bregenz aufgewach- sen,- studierte an der TU .Wien und an der ETH Zürich Architektur und arbei- tete als Praktikant am ORL-Institut un- ter Prof. Custer bereits an Problemen der Talplanung Liechtensteins. Diplom ETH 1968, Praxis in verschiedenen Planungsbüros, Oberassistent und Lehrbe- auftragter für Städtebau an der ETH Zürich, seit Juli 1981 ordentlicher Uni- versitätsprofessor für Raumplanung an der Universität für Bodenkultur in  Wien. W. J. Reith arbeitet mit einem hiesigen Planungsbüro 'in verschiedenen Umweltfragen zusammen. Red.: Herr Reith, wie ist als Aussenste- hender Ihr Eindruck über das Siedlungs- bild in Liechtenstein? Reith: Der erste Eindruck ist von - 
starker  Zersiedelung geprägt. Dies, muss man auch auf die besondere•  Lage des Landes und 'auf den wirtschaftlichen Aufschwung zurückführen. Heute wür- de man sich -- ohne einer- planerischen Sturheit das Wort zu reden - eine besser re Ablesbarkeit und Begrenzung der ausufernden Siedlungsränder wünschen. Red.: Wie beurteilen Sie die neuen Versu- che einer, stärkeren Betonung der zentra- le» Ortsbereiche, mit dem Stichwort Er- haltung alter Dorfteile oder den überall entstehenden Ortszentren angedeutet? Reith: Im Gegensatz • zu heute war Liechtenstein früher ein armes Land. Dies zeigt sich an der im wesentlichen schmucklosen älteren Bausubstanz. Die- se vermeintlich wertlose Substanz wurde in den raschen Wachstumsjahren allzu- rasch einem pseudostädtischen Moder- nismus geopfert. Heute sind allerdings Ansätze für ein verändertes Verhalten zu sehen, wobei die grosse Gefahr be- steht, dieses Bemühen nur auf ausge- wählte Ortsteile zu beschränken. 
Seite 8 Ortsbildschutz 
November 1981 Red.:. Was halten Sie davon, dass auch in der kleinsten Gemeinde. ein baulich grosszügiges Gemeindezentrum .entste- hen muss?   Reith: Man hat als Aussenstehender den Eindruck, dass,  hier in der Erfüllung der funktionellen Bedürfnisse manchmal et- was zuviel des Guten getan wird. Positiv an der Entwicklung ist neben der Schaf- fung vielleicht zu voluminöser Hochbau- ten (mit übrigens entsprechenden Un- • terhaltskosten) die meist ergänzende   fussgängerfreundliche Umgebung, die wohl auch zu Kontakten und Gesprä- chen anregen kann. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich nur tun eine be- scheidene Ersatzvornahme für die verlo- rengegangenen vielschichtigen Kontakte auf den einstigen Dorfgassen handelt. Ich 'persönlich würde, wenn immer es geht, 'lieber einer dezentralisierten Lö- sung das Wort reden. Red.: Was hat man Ihrer Ansicht nach unter einer dezentralisierten Lösung zu verstehen? Reith: Die bekannten Versuche der Wohnwertverbesserung in den Sied- lungsaussenräumen, die wir aus den skandinavischen Städten und neuerdings auch in der Schweiz und in Deutschland kennen, lassen sich in angepasster Form auch auf eher dörfliche Situationen - übertragen. Ich denke dabei an, durch- mischte, mit Dienstleistungen ausgestat- tete Dorfbereiche anstelle von Zentren und auch an Verkehrsverdünnte Be- reiche. -   Red.: Neuerdings' ist festzustellen, dass   vor allem bei Fassadenrenovationen, aber auch bei Neubauten, vermehrt eine neue Farbigkeit entsteht. Wie deuten Sie diesen Mut zur Farbe? Reith: Diese zum Teil grelle Farbigkeit ist sicher' nichts hier typisch historisch Gewachsenes. Fast scheint es mir, dass es sich – als Folge der Werbung der   Farbenindustrie – um einen modischen • Import-handelt. Ich bin auch für Farbig- keit, sie sollte nur weniger plakativ und möglichst auch unter Verwendung na- türlicher und auch atmungsfähiger An-   striche erreicht werden. Red.:. Ich höre daraus eine leichte Kritik an der derzeit- herrschenden Farbenaus- wahl. Wer soll demgemäs diese Ent- wicklung bestimmen? Reith: Kritik natürlich, Kritik als Ansatz zur hoffentlich fruchtbaren Diskussion. Es braucht den Fachmann in formalen Fragen, er sollte seinen Gestaltungswil- len 
  aber immer dem gesamten Anliegen unterordnen. -Dieses besteht in einem Zusammenwirken von Siedlung, Häu- sern, 'Aussenräumen, Bäumen und Landschaft,. Wenn ich auf ein durchaus wünschenswertes Farbkonzept. zurückkomme  , so sollte der Bevölkerung und den einzelnen Berührten im Rahmen einer gemeinsamen möglichen Farben- palette noch die freie Auswahl offen stehen. Das Prinzip wäre: Freiheit des einzelnen in der Ordnung des Ganzen.  
        

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