Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
9
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_9/6/
Seite 6 
Ortsbildschutz November 1981 Unsere Ortsbilder - Zerstörung, Reparatur, Gestaltung? Von Wolf J. Reith tes, besonders Wertvolles an sich — histo- risch betrachtet eigentlich nur verständ- lich,, weil Kleinbauern sich nicht das glei- che wie der wohlhabende Bürger in den nahen Städtchen Werdenberg oder Feld- kirch leisten konnten. Und trotzdem ist es Nostalgie, war es die Beschränktheit der damaligen Mittel, händisch ausge- führt, die uns Objekte im Triesner Ober- dorf, in Pralawisch oder Iradug in Bal- zers und Mäls heimeliger, proportionier- ter anmuten lassen, als die fast gleich verdichteten neuen Siedlungen im Mäls- ner Brühl, auf der Balzner Allmeind oder im Triesner Sand, Sicher, vieles würde heute schon nicht mehr geschehen. Die alte Vaduzer Realschule, nahe dem heu- 
tigen Landesmuseum, wäre zehn Jahre später nicht mehr der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Die Bemühungen um alte Dorfteile sind offensichtlich, manchmal in der Art der Renovation fast zuviel des Guten. Die Entwicklung der Siedlungs- landschaft kann trotz dieser löblichen Ansätze, da immer nur Stückwerk, bei 40 Prozent Bauzone vom ganzen Talgebiet nicht genügen. Es müsste mehr in der Gesamtschau geschehen. Wir baten Pro- fessor Wolf J. Reith, einen Experten für Orts- und Stadtplanung, uns einige Ge- danken hierzu zu formulieren. In einem Interview doppelten wir für einige spezi- fisch liechtensteinische. Phänomene mit einigen Fragen nach. Redaktion Unordnung trotz zahlreicher Ordnungsbemühungen Aus der Kulturgeschichte haben wir gelernt, die Siedlung mit ihren, verschiedenen histori- schen Erscheinungsformen als Abbild einer Gesellschaft- und Lebensform anzusehen. Wenn dieser Zusammenhang stimmt, lassen sich aus der Analyse unserer.  Ortsbilder wohl keine allzu positiven Schlüsse auf unsere Ge- sellschafts- und Lebensform ableiten. Heute — in einer oft als «nachmodern». be- zeichneten Zeit — wird uns die erschreckende Unordnung im Ineinandergreifen unserer Siedlungs- und Landschaftsbilder eher be- wusst. Es wird heute vermehrt der Verlust unserer Ortsbilder beklagt und es ertönt der Ruf nach einer angemessenen Ordnung, einer 
Der Europarat setzt sich in Kampagnen für die Zukunft unserer Vergangenheit ein. (Sym- 
  bol des Europäischen Denkmalschutzjahres) 
Ordnung des Planens und des Bauens, einer Ordnung zwischen Neu und Alt. Der Romancier Robert Musil hat.  dieses ord- nende Bemühen schon vor einigen Jahrzehn- ten wie folgt disqualifiziert: «Wir haben in diesen hundert Jahren uns und die Natur und alles sehr viel besser kennengelernt, aber der Erfolg war sozusagen, dass man alles, was man an Ordnung im einzelnen gewinnt, am Ganzen wieder verliert, so dass wir immer mehr Ordnungen und immer weniger Ord- nung haben.» Unsere «Ordnung» ist vielfach Stückwerk, ge- schichts-.und gestaltungsfeindlich. Wir haben die Ordnung des Planes, die Ordnung des Lesen Sie bitte weiter auf Seite 7
        

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