Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
9
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_9/12/
Seit 50 Jahren sind die liechtensteinischen Jäger in einem Verein zusammengeschlos- sen, 'heute rund 240 an -der Zahl. Der Verein bezweckt nach den Statuten «die Weidmannschaft in Liechtenstein enger zusammenzuschliessen, um in kamerad- schaftlichem Einvernehmen zum Nutzen und Schutze des Weidwerkes 
innerhalb und ausserhalb der Weidmannschaft zu wirken». Die Statuten wollen, dass die Bestrebun- gen «der Liebe zum heimischen Weidwerk und der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt gefördert werden». Diese Aussage stellt die Brücke zu den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes dar, sind doch die Erhaltung einer vielfältigen einheimischen Tier- und Pflanzenwelt unser gemeinsames Anliegen: 
Seite 12 Jagd und Naturschutz November 1981 Jagd und Naturschutz – einige Gedanken aus Anlass des 50. Geburtstages der Liechtensteiner Jägerschaft - von Mario F. Broggi, Geschäftsführer der Liecht. Gesellschaft für Umweltschutz War die Jagd in vorgeschichtlicher Zeit Exi- stenzgrundlage, im Altertum und in der Feu- dalzeit mehr «lustbetontes Hetzen einer als eher unbeseelt geltenden Kreatur» mit noch gegenwärtigen Ausläufern, etwa in der engli- schen Fuchsjagd, so erhält sie heute ihre Legi- timation allein durch die ethische Verpflich- tung der Jägerschaft gegenüber einer schutz- bedürftigen Tierwelt. Die Zeit des «fröhli- chen» Jagens ist vorbei — aber andererseits auch die Zeit des rührseligen Bambikultes. In unserer eng gewordenen Kulturlandschaft, in der es kein Grossraubwild mehr gibt, müssen die verbliebenen Tierarten ebenso gehegt, ge- pflegt und allenfalls geerntet werden, wie in der Produktion der Land- und Forstwirt- schaft. Der Jäger von heute bekommt vorge- schrieben, auch die schwachen, schlecht ver- anlagten und überalterten Tiere zu erlegen und entspricht damit, wenn auch nur in be- scheidenem Masse, der biologischen Funktion grösserer Raubtiere. Horst Stern sagt es in «seiner» Sprache: «Wenn die Jägerschaft nicht das Stigma des Tötens, des Wolfes, an- nimmt, wird sie unglaubwürdig.» Der Jager hat es zugegebener Massen nicht leicht und ist häufig der Kritik ausgesetzt. Von Seiten eines falsch verstandenen Tier- 
schutzes gerät er in den Geruch zu intensiver Jagdausübung mit dem häufigen Vorwurf: Man sieht kein Wild mehr! Von Seiten der Land- und Forstwirtschaft wird ihm vorge- worfen, er treibe bewusst eine Überhege, konzentriere sich aus Trophäensucht auf die attraktiven Stücke . . . Die Skepsis mag auch durch die «eigene» Sprache — einem Ritual für den Aussenstehenden — und weiteren Tradi- tionen genährt werden. Die Ausübung der Jagd wird im Volke mit einem Privilegium verbunden, an dem nicht jeder teilhaben kann. Die Jäger werden damit zur besonderen «Kaste» in unserer Gesellschaft. Jagd scheint zudem in verschiedenen Ausübungsformen (zumindest in Teilbereichen, wenn wir an die Fasanenjagd denken) mehr als Hobby und Sport, denn höheren Ansprüchen zu genügen. Dies insbesonders dann, wenn man weiss, dass diese Tiere sich in der freien Wildbahn ungenügend anpassen und laufend für die Jagd eingesetzt werden müssen. Der häufig auf Autos zu sehende Kleber «Oh- ne Jäger kein Wild» ist genauso richtig oder falsch wie der Slogan «Landwirtschaft nützt allen». Versteht man die Jagd auf einer um- fassenden ökologischen Grundlage, so ist er richtig. Zu lange haben zwischen zu vielen Fronten Schlagworte und Emotionen ge- 
herrscht. Diese Zeiten scheinen zwischen Na- turschutz und Jagd vorbei zu sein. Die Jagd- wissenschaft und die Ökologieforschung brin- gen viele neue Erkenntnisse, die im Rahmen der Jägerschaft durch Vorträge, durch Kon- takte mit den ausländischen zielverwandten Organisationen Breitenwirkung erhalten und zunehmend im Dialog einen emotionsfreieren Weg mit dieser wissenschaftlichen Absiche- rung erlauben. Der beobachtende Jäger und der Naturschützer sehen gemeinsam wie unse- re Kulturlandschaft verarmt, zusehends auf- getrennt wird, die meisten Entscheidungen nur von ökonomischen Erwägungen geprägt sind. Damit werden die Naturschützer und Jäger durch das gemeinsame Anliegen zu Verbündeten, denn ohne intakte Naturräume kein Wild. Der «sehende» Jäger erkennt so die zuneh- mende Einengung der Lebensräume durch Zersiedelung, Rationalisierung in der Land- wirtschaft, die Probleme des Massentouris- mus, die zunehmende Vergiftung unserer Umwelt und zieht daräus in seiner Einstellung und seinem Wirken seine Schlüsse. So wird Jagd zum angewandten Naturschutz. Blickt man auf die bisherigen gemeinsamen Berührungspunkte von Naturschutz und Jagd in Liechtenstein zurück, so ist ein Ereignis von hervorragender Bedeutung. Es ist die im Jahre 1977 getroffene neue Regelung der jagdlich nutzbaren Arten.. Wenn auch bei manchen Arten die Bejagung nicht der ent- scheidende Faktor des starken Rückganges ist — etwa im Vergleich zur Vernichtung der Le- bensräume —, muss eine Verschonung von der Jagd als selbstverständliche Forderung des Naturschutzes für gefährdete Arten, vor al- lem aus ethischen Beweggründen, aufgestellt werden. Dieser Forderung hat sich denn auch die• liechtensteinische Jägerschaft nicht entzo- gen. Seit 1962 sind beispielsweise bereits sämtliche Greifvogelarten geschont, neu hin- zugekommen sind das Stein- und Haselhuhn, alle Schnepfenarten, die Wildgänse sowie alle Entenarien, ausser der Stockente. Es sind somit, mit Ausnahme der Stockente, sämtli- che Wasservogelarten in Liechtenstein ge- schützt. Auch wenn mit solchen Massnahmen auf die globalen Tierpopulationen infolge der Kleinheit des Landes kein Einfluss genom- men werden kann, sind solche Schritte inter- national von Bedeutung. Sie können vor al- lem die Forderungen nach international gel- tenden Bestimmungen verstärken. 50 Jahre Bestehen sind eines Rückblickes wert. Dieser findet sich im jägereigenen Pe- riodica «Jagd und Hege» und in einer hervor- ragend präsentierten Schrift «Jagd und Jäger in Liechtenstein». Wir hoffen, inskünftig mehr als bisher in Fragen des Natur- und Umweltschutzes wann und wo immer möglich mit der Jägerschaft zu gehen, um so verstärkt unsere Anliegen für unsere Umwelt zu ver- treten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.