Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
8
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_8/8/
Seite 8 Sonderbeilage: Landwirtschaft und Umweltschutz Juli 1981 Fortsetzung von Seite 7 dernen Landbau wohl nicht nötig ist. Aus ökologischer Sicht wächst die Skepsis, dass die von der modernen Landwirtschaft ge- schaffenen Ökosysteme sich von den natür- lichen immer weiter entfernen, dass diese Agro-Ökosysteme zunehmend instabiler wer- den, dass sich hier Fehler addieren und viel- leicht potenzieren können. Die Sorge um unsere Umwelt wächst. Es ist offensichtlich, dass freilebende Tiere und wildwachsende Pflanzen auf Restflächen zu- rückgedrängt wurden. Rund die Hälfte dieser Tiere und Pflanzen ist heute in ihrer Existenz bedroht, ein nicht zu übersehendes Alarm- signal. Heute überzieht ein Einheitsgrün Mitteleuropa. Der Schnitt grosser Flächen, mehrmals im Jahr und dicht über dem Boden, führt zum Totalausfall aller Nahrungspflanzen für Insekten, bewirkt den Tod vieler weiterer Glieder in dieser einst so vielfältigen Natur. Nicht nur, dass es diesen zum Teil noch vor- handenen «ökologischen Nischen», den Feld- gehölzen, Trocken- und Feuchtgebieten, Rai- nen, Lesesteinhaufen, Steinmauern und son- stigen Restflächen, weiterhin an den Kragen geht. Weg der Landwirtschaft in eine Sackgasse? Innerhalb der landwirtschaftlichen Intensiv- kulturen sind besorgniserregende Prozesse im Gang. Die Fruchtfolgen werden enger, die Arten weniger, der Silomais hat seinen Sie- geszug angetreten. Nicht mehr die Fruchtfol- ge wird wie einst geändert, da hilft die Che- mie, nicht mehr dem Standort angepasste Ar- ten- und Sortenwahl oder Tierarten und Ras- senwahl, sondern Erzwingung von Standorts- konformität mittels hoher Mineraldüngerga- ben. Die Abhängigkeit von der Chemie kann zum Teufelskreis führen, wie er beispielswei- se beim Getreidebau offensichtlich wird: Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden im Getreidebau überhaupt keine Pflanzenschutz- mittel eingesetzt. Mit steigenden Erträgen durch Dünger haben die Fusskrankheiten am Halm zugenommen. Es wurden Mittel zu ih- rer Bekämpfung entwickelt. Als die Dünger- mengen stiegen, haben sich Halmbruch- und Blattkrankheiten eingestellt. Mehltau und Rost haben zugenommen. Auch dagegen hat man entsprechende Mittel entwickelt. Bald folgte der Einsatz von Halmverkürzungsmit- teln, um Lagerfrucht und Ertragsminderun- gen vorzubeugen. Die Halmverkürzung hatte zur Folge, dass die Ähre mehr an das Blatt heranrückte, dass die Blattkrankheiten auch auf die Ähre übergriffen. Inzwischen kommt der intensive Weizenanbau auch ohne die Be- kämpfung der Ährenkrankheiten nicht mehr aus. So sehr man differenzieren und vor Pauschal- urteilen warnen muss, so sehr muss man auch 
Der Silomais hat seinen Siegeszug angetreten. befürchten, dass der Einsatz von Pflanzen- schutzmitteln Konsequenzen nach sich zieht, die wir bis ins einzelne noch nicht übersehen. Mit dem Übergang von Hochstamm- zu Mit- tel- und Niederstammkulturen ging die Be- schränkung auf die Erzeugung nur noch eini- ger weniger Sorten einher (z. B. auf Golden Delicious, Idared, Jonathan, Maigold bei den Apfelsorten) und das Verschwinden der zahl- reichen herkömmlichen Obstsorten. Heute sieht man selbst in Agrarkreisen ein, dass dabei nicht nur geschmacklich wertvollere Sorten verloren gingen, sondern auch klima- tisch und gegenüber Infektionen resistente. Die überzüchtete Kuh — der Milchathlet 
Analoges geschieht auf dem Tierzuchtsektor. Die Tierhaltung droht sich mehr und mehr von der Fläche zu lösen, sie wird vielerorts fabrikmässig auf der Basis zugekaufter Futter- mittel betrieben. Viele Rassen, an ihren je- weiligen Standort einst speziell angepasst, ge- hen verloren. Natürlich konnte mit den mo- dernen Zuchtmethoden die Leistungen der Tiere in ungewöhnlichem Masse gesteigert werden. Die Vorteile sind über günstige Prei- se dem Konsumenten auch zugute gekom- men. Kritisch ist aber anzumerken, dass die sehr einseitigen Produktionsziele auch sehr negative Erscheinungen zur Folge haben. Die Hochleistungstiere sind weniger robust, sind krankheitsanfälliger geworden. Das Verlustri- siko in der Tierproduktion hat zugenommen. Der steigende Einsatz von Arzneimitteln ist die zwangsläufige Folge. Die überzüchtete Kuh — der Milch-Athlet — ist für die Tiermedi- zin ein lukrativer Fall. Die moderne Stalltech- nologie macht aggressiv, Fruchtbarkeitsstö- rungen und Erkrankungen der Milchdrüsen häufen sich. Die Kühe werden dann soge- nannt ausgemerzt, d. h. viele Kühe scheiden bereits wieder aus, ehe sie ihre Leistungsei- genschaften allenfalls überhaupt entwickeln konnten. Die Schweine von heute sind auch nur noch Fleischpakete, mehr Fleisch — aber mindere Qualität, die Metzger könnten ein Liedlein davon singen (schwammig, blass, wässrig), hochgezüchtet, aber derartig sensi- bel, dass die überzüchteten Tiere bei Stress, z. B. bei Transporten, leicht an Herzschlag sterben. Genetik — die Lehre der Züchtung ist auch Teil, der Biologie, biologisch wird der Weg der Tierzüchtung jedoch recht fragwürdig. Biologischer Landbau als Alternative? Der biologische Landbau lehnt den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngern ab. Dem Boden Sor- ge tragen, steht im Mittepunkt dieser Anbau- richtung. Dies will zwar auch der sog. konven- tionelle Landbau. Unterschiede zeigen sich hier in bezug auf die Bearbeitungstiefe, indem im 
ökologischen Landbau auf flaches Wenden und tiefes Lockern des Boden geachtet wird,
        

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