Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
8
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_8/5/
von Dr. Felix Näscher, Eschen Mit der Unterzeichnung des Überein- kommens über die Erhaltung wildwach- sender Pflanzen und wildlebender Tiere und natürlicher Lebensstätten in Europa haben die Mitgliedstaaten des Europara- tes im September 1979 in Bern einen bedeutungsvollen Wegweiser für die zu- künftige Naturschutztätigkeit aufgestellt. Für das Europäische Komitee für die Er- haltung der Natur und der natürlichen Hilfsquellen geht es jetzt darum, unver- züglich umfassende Grundlagendaten über den Status der europäischen Pflan- zen- und Tierwelt und ihrer Lebensräu- me zu beschaffen, um schliesslich wir- kungsvolle und den naturgegebenen Not- wendigkeiten entsprechende Schutz- und Erhaltungsmassnahmen ergreifen zu können. Bereits im letzten Jahr konnten die Studien über die europäischen Süss. wasserfische, über die Amphibien- und Reptilienarten sowie über die Heide- und Moorlandschaften abgeschlossen wer- 
  den. Im Gange befinden sich zurzeit un- ter anderen Arbeiten über bedrohte Ge- fässpflanzen, gefährdete Vogel- und Schmetterlingsarten, über Kalk-Mager. wiesen und Auenwälder sowie über be- drohte Amphibien- und Reptilien. biotope. Die Ergebnisse dieser und nachfolgender Stu- dien bilden die Grundlage für die Einrichtung des, biogenetischen Reservatsnetzes in Euro- pa, wie es anlässlich der Umweltministerkon- ferenz des Jahres 1973 in Wien beschlosser wurde. Nach den Empfehlungen dieser Kon- ferenz soll nämlich im europäischen Raum 
  zum Schutz der für Europa repräsentativer Pflanzen- und Tierwelt und der natürlicher Lebensräume, insbesondere aber auch zum Schutz der Zugvögel und der wandernder Tierarten, deren Jahresstreifgebiet Staats- 
  grenzen überschreitet, ein Netz von Natur- 
  schutzgebieten eingerichtet werden. Von aus- 
  schlaggebender Bedeutung für den Arten- 
  Schutz erweist sich die Einrichtung eines sol- chen europaweiten Netzes von Naturschutz gebieten insbesondere deshalb, weil es sick schon nach den Ergebnissen der bisher vorlie 
genden Studien über lediglich eine beschränk- te Zahl von Tierartengruppen deutlich gezeigt hat, dass beispielsweise 30 % der Amphi- bien-, 45 % der Reptilien-, 12 % der Vogel- und ebenfalls 12 % der Säugetierarten in ho- hem Mass gefährdet sind. Ein Überleben von Europas Tier- und Pflanzenwelt Durch die Gewährleistung des Schutzes für besonders typische, einzigartige, seltene oder gefährdete Lebensgemeinschaften wie auch für Pflanzen- oder Tierpopulationen, die von der Ausrottung bedroht sind oder ganz ein- fach für einen bestimmten Lebensraum reprä- sentativ sind, vermag das biogenetische Re- servatsnetz das europäische Naturerbe in sei- ner Vielfalt auch für nachfolgende Generatio- nen zu erhalten. Bis heute liegt im wesentlichen lediglich eine Liste von Heidelandschaften nord- und nord- westeuropäischer Länder vor, aus denen im Verlauf des Jahres diejenigen ausgewählt werden, die schliesslich Bestandteil des euro- päischen biogenetischen Netzes bilden. Eben- falls noch in diesem Jahr sollen von den Mit- gliedsländern des Europarates zuhanden des europäischen Naturschutzkomitees Moor- landschaften und Kalkmagerwiesenbiotope sowie Lebensräume von in ihrem Bestand bedrohten Vogelarten, Süsswasserfischen und Tagfaltern für die Aufnahme in dieses Reser- vatsnetz vorgeschlagen werden. Wesentlich für die Aufnahme in das europäische Reser- vatsnetz ist dabei die Tatsache, dass nicht das Flächenausmass eines Naturschutzgebietes den Ausschlag gibt, sondern seine regionale, nationale und internationale Bedeutung ent- weder für das Überleben dieser oder jener Pflanzen- und Tierart oder das nachhaltige Erhalten dieses oder jenes Ökosystems. 
Das biogenetische Reservatsnetz des Europarates 
Liechtensteiner Umweltbericht 
Reservate in Europa 
Seite 5 Frauenschuh (Cypripedium calceolus). Der Artenschutz für Pflanzen und Tiere hat ver- mehrt grenzüberschreitend stattzufinden. Schutz der Tier- und Pflanzenwelt Aktualität hat die Mitarbeit bei der Schaffung der Europäischen Konvention zum Schutze wildlebender Tiere und Pflanzen. Sie bewirk- te eine gestärkte Mitarbeit in der Kommis- sion, Umweltkonferenz und Fachgesprächen. Liechtenstein gehört zu den ersten Staaten, die diese wichtige Konvention zusammen mit dem Washingtoner Abkommen ratifiziert ha- ben. Diese Tatsache findet gemeinsam mit der erwähnten Mitarbeit Beachtung in inter- nationalen Bereichen. Impulse zur Lösung eigener Umweltprobleme Beim Europarat wie auch in Liechtenstein selbst ist vor allem die personelle Situation und der enge Kontakt zwischen Bürger, Orga- nisationen und Fachleuten eine wichtige Vor- aussetzung. Die Zusammenarbeit in diesen Bereichen im derzeitigen Umfang ist gerade- zu beispielhaft. Das Zusammenwirken ist wechselseitig. Die europäische Arbeit ermög- licht zugleich eine intensive Bearbeitung von speziellen Fragen bei Ratifizierungen von Konventionen und Beurteilung von Fachpro- blemen. Konkrete Beispiele sind die Postula- te für eine Landwirtschaftszonierung, Wasser- recht und Gewässerschutz, Luftverschmut- zung und Lärmbelastungen. Die Besonder- heit der sogenannten «liechtensteinischen Lö- sung» liegt im wesentlichen in einer differen- zierten Abstimmung gegebener Bedingungen, Interessenlagen, Ursachen und Auswir- kungen. 
Ausblick Probleme und Arbeiten im Natur- und Um- weltschutz sind damit keineswegs erschöpft. Verbetonierung und Zerstörung der Land- schaft gehen ständig weiter. Unser Lebens- raum wird immer anfälliger und gegenüber Eingriffen jeder Art empfindlicher. Ausser- dem nimmt die Umweltgefährdung ständig zu. Umwelt- und Naturschutz erhalten für Gegenwart und Zukunft nicht zuletzt bei der Verbesserung der Lebensqualität besondere Bedeutung. Das gilt für Bedrohungen von 
aussen wie etwa durch Projekte wie der Bau einer Ölkaverne in Haldenstein (Chur) im Bereich des Grundwassers oder die Proble- me, die der Bau von Rheinkraftwerken stellt. Es gilt aber auch für Luftverschmutzung und vermehrte Anwendung chemischer Mittel, Abgase und Lärmbelästigungen. Der Schutz und die Erhaltung eines gesunden Lebensrau- mes ist eine vordringliche Aufgabe unserer Zeit. Sie werden uns künftig innerhalb und ausserhalb unserer Landesgrenze vermehrt beschäftigen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.