Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
7
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_7/5/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Reptilien / Insekten 
Seite 5 Strassentod. Höchste Schutzpriorität kommt deshalb den Lebensstätten der Arten zu. Ver- landungszonen flachauslaufender Gewässer und ausgedehnte Nasswiesen sind deshalb für die Ringelnattern die gewünschten und zu schützenden Biotoptypen. Die Einrichtung entsprechender Schutzgebiete kann deshalb auch für ihr inselförmiges Überleben sorgen. Paarungskampf zweier männlicher Hirschkäfer. Im Mittelalter gab es in Liechtenstein noch ausgedehnte Eichenwälder, deren Frucht - die Eichel — für die Schweinemast von gros- ser Bedeutung war. Viele Flurnamen wie Eichholz (Triesen), Eichenbödele (bei Bal- zers) oder Melcheisenwiesen (Ruggell) wei- sen auf die frühere Verbreitung der Eiche hin. Heute ist zwar der Baum noch da, aber auf die ungünstigsten Standorte verdrängt. Vor allem die Forstwirtschaft des vergangenen 
Jahrhunderts hat auf vielen ehemaligen Eichenlagen bis ca. 800 m Meereshöhe Fich- ten in Reinbeständen nachgezogen. Grosse, alte Eichen, knorrig mit einigen Faul- stellen, oder womöglich innen hohl, die gibt es im Wald der Niederungen kaum noch. Das trifft nicht nur viele höhlenbrütende Vögel und Siebenschläfer, es trifft vor allem auch den Hirschkäfer. Gibt es überhaupt noch wel- che  dieser Urwelttiere? Derzeit sind zwei Stellen im Lande, bei Vaduz und Balzers be- kannt. An beiden Orten wachsen noch einige Eichen. Bis zu 8 cm lang werden diese prächtigen Tiere. Das ist für Insekten schon eine stattliche  Grösse. Weibchen sind kleiner, sie tragen auch keine mächtigen Geweihe. Es sind dies die Oberkiefer, die beim männlichen Hirsch- käfer verlängert und an der Innenseite ge- zackt sind. Die Larven leben vom Holz ver- schiedener Laubbäume, am liebsten auf Ei- che. Tot und morsch muss es sein, damit es verdaubar ist. Oft erst nach vielen Jahren verpuppt sich die Larve, um nach etwa 5 Jahren zum geschlechtsreifen Käfer zu wer- den. An warmen Juni- oder Juliabenden flie- gen die Hirschkäfer mit dumpfem Brummen und suchen einen Partner. So kann es vor- kommen, dass sich ein Hirschkäfer in eine beleuchtete Wohnung verirrt. Der Hirschkä- fer steht unter Naturschutz. Was aber einzig und allein ihm helfen könnte, wäre die Siche- rung seines Lebensraumes, mittels Ausschei- dung von nicht genutzten Waldparzellen in einer Laubwaldmischung, die natürlich nicht nur dem Hirschkäfer zugute kommen würde. Die Ausscheidung von liechtensteinischen Waldreservaten wäre deshalb ein dringendes Anliegen des Naturschutzes.
        

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