Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
7
Erscheinungsjahr:
1981
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_7/4/
Seite 4 Europäische Kampagne zum Schutze der Tier- und Pflanzenarten in ihren Lebensräumen 
März 1981 Ringelnatter mit Eiern in einem Komposthaufen 
  Nur sechs Reptilienarten sind in Liechtenstein heimisch, vier von ihnen müssen als gefährdet gelten. Damit zählt diese Wirbeltierklasse in unserem Lande zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen überhaupt. Viele von Ihnen sind wenig beliebt, aber auch wenig bekannt. Alles, was ohne Beine kriecht, gilt als «Oottara» und ist dementsprechend giftig. Insbesondere den Schlangen sagt man wunderliche Eigen- schaften nach: ihr bannender Blick sei nicht zu ertragen, sie sollen Milch ab dem Euter der Kühe trinken und manch Abenteuerliches und Schauerliches mehr. Eine Serie von Beiträgen über unsere einheimischen Kriechtiere will mithelfen, diese Vorurteile abzubauen. Die Ringelnatter gilt in unseren Breiten als die Schlange schlechthin. Wir beginnen deshalb die Vorstellungsreihe mit ihr. Die Ringelnatter Warum Vorurteile gegen Schlangen? Sind Sie schon einer Schlange in der freien Natur begegnet? Oder war diese «Schlange» vielleicht ein anderes, auch beinloses Reptil, nämlich die Blindschleiche? Wahrscheinlich war Ihnen diese Begegnung unheimlich. War- um eigentlich? Warum muss denn eine Schlange ein Schreckgespenst sein, wie uns von Kindheit an eingetrimmt wurde? Der ein- 
zige logische Grund wäre die Giftigkeit einer einheimischen Art — der Kreuzotter — die für den Menschen gefährlich werden könnte. Seltsamerweise gibt es aber noch unzählige andere Tiere und sogar leblose Gegenstände, die uns gefährden oder gar umbringen kön- nen. Zum Beispiel wildgewordenes Vieh, Hunde und vor allem Autos. Niemandem ist eingefallen, dagegen einen Vernichtungskrieg zu predigen oder sie zu fürchten, wie man Schlangen fürchtet: Wir alle kennen die vielen Schauermärchen, die in der Regel biologisch gesehen gar nicht mög- lich sind, wir kennen die verfilmten riesigen 
Seeschlangen oder die Riesenschlangen im Kampfe gegen weiss nicht was alles. Und dann noch unsere einheimischen «Vipern» oder die extrem giftigen «Kupferschlängli», die sich meist als harmlose Schlangenarten oder als beinlose Echsen, nämlich Blind- schleichen, entpuppen. Ist es vielleicht diese Fortbewegung ohne Beine, das Schlängeln, das uns irritiert? Ist es das Züngeln mit dem unentbehrli- chen Tastorgan — 
dem Vermittler chemi- scher Reize — 
oder das starre Auge ohne 
  Lid, das uns ängstigt und die Vorurteile wachsen lässt?' Schlangen sind auch Geschöpfe der Natur und selbst, 
 aus der egoistischen Betrachtungsweise von uns Menschen nützlich. Darum hat der Gesetzgeber in Liechtenstein die Nattern schon 1933 unter Naturschutz gestellt. Mit solchen Rechtsvorschriften ist es aber noch nicht getan. Ihr Erfolg hängt davon ab, wie sie von der breiten Bevölkerung getragen wer- den. Hierfür braucht es Informations- und Aufklärungsarbeit, um die Abneigung abzu- bauen. Wir wissen noch recht wenig über die Ver- breitung 
unserer drei einheimischen Schlangenarten, nämlich der Ringelnatter, der Schling- oder Glattnatter und der Kreuz- otter. Mit einigem Aufwand versuchen wir allmählich unsere Kenntnisse zu verdichten. Nur auf diese Weise ist es möglich, ein Bild über  die Biologie und die Lebensraumansprü- che der Arten zu gewinnen. Eines ist aber schon heute sicher: sämtliche unserer Schlan- genarten befinden sich auf den sogenannten Roten Listen, sind, also vom Aussterben be- droht. Auch ihnen wird wie vielen anderen Tieren der Verlust und die Minderung der Lebensräume zum Verhängnis. Die Einen- gung der Kontaktbiotope «Wasser—Land» im Zuge von Gewässerbaumassnahmen, die Ent- wässerungen und die Verschmutzung und Vergiftung der Gewässer "lassen die Ringel- nattervorkommen auch in Liechtenstein schwinden und sie zum seltenen Tier werden. Hierzu kommt die direkte Verfolgung durch Totschlag oder etwa die indirekte durch den  
        

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