Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1980
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_6/6/
Seite 6 
Lebensraum Wasser 
Oktober 1980 Aus der Arbeit des Europarates: Europäische Studie   über gefährdete   Süsswasserfische Allzuoft wird vergessen, dass einst die Fisch- fauna nicht nur aus der Bach- und der einge- führten Regenbogenforelle bestand. Man muss schon in der Vergangenheitsform schrei- ben, denn es ist schon lange her, dass die Basler Herrschaft den Dienstleuten, gesetz- lich geregelt, nicht mehr als dreimal in der Woche Lachs aufstellen durfte, weil dieser Speisefisch damals im Rhein noch so häufig war. In unserer Region dürften noch im 20. Jahr- hundert um die 40 bis 50 Fischarten heimisch gewesen sein, die Studie des Europarates spricht gar von 220 Süsswasserfischarten und Unterarten in ganz Europa. Die Ursachen für den katastrophalen Rück- gang liegen offen zutage. Es ist die totale Nutzung der Gewässer als Müll- und Abwas- serabfuhr, als Energielieferant, als Verkehrs- weg, als Vorfluter zur Beseitigung tatsächlich oder vermeintlich schädlicher Wassermengen und als Brauchwasserlieferant. Gewässer wurden vergiftet, gründlich umgestaltet, zer- stückelt und teilweise beerdigt, sprich verdolt. Alleine durch die Grundwasserabsenkung im Rheineinflussgebiet trockneten 28 km Bäche innert den vergangenen 20 Jahren im Liech- tensteiner Talraum aus..   Unzweifelhaft hat sich in den letzten Jahren einiges zum besseren gewendet. Sollen aber tatsächlich gesunde gewässerökologische Ver- Rechts: 28 Kilometer Bäche, Zonen einst reichen Lebens, trockneten, 
in den vergangenen 20 Jahren infolge Grundwassersenkung aus. 
hältnisse erreicht werden, ist vielerorts noch ein gründliches Umdenken notwendig. Der alte Disput um die nachteiligen Auswirkun- gen des Wasserbaues und vor allem des Ge- wässerunterhaltes soll hier nicht vertieft wer- den. Fluss- und Bachausbauten haben aber unzweifelhaft zu einer Monotonisierung und zu einer Verringerung an ökologischen Ni- schen geführt. Neuerdings diskutiert man Be- strebungen, mit naturnaheren Bauformen zu arbeiten. Noch fliesst aber wohl viel Wasser den Rhein herunter, bis sich die Waage zu Gunsten der Biologie verändert. Dies ist auch der Tenor in den Aussagen der europäischen Studie. Es kann deshalb nicht überraschen, dass in der Arbeit von Anton Lelek, Frankfurt, 111 von 220 aufgeführten Fischarten und Unterarten auf der Gefähr- dungsskala aufscheinen. Kennen Sie beispielsweise noch den Bitter- ling, den Steinpitzger, den Gründling, die Ka- rausche, das Bach-Neunauge, den Lauben- alet, den Hasel oder den Strömer? Vielleicht erinnern Sie sich noch aus der Jugendzeit an die dickköpfige Groppe unter den Steinen, an die Elritze, im Liechtensteiner Unterland auch «Bammele» genannt. Es ist höchste Zeit, dass wir uns auch in Liechtenstein mit diesen Wirbeltieren befas- sen und abklären, wie wir ihnen helfen kön- nen. Als erster Schritt hierzu kann die Erstel- lung der Fischtreppe an der Kanalmündung in den Rhein gelten. Die Überwindung dieser rund fünf Meter hohen Sperre, lässt wieder einen Fischaustausch mit dem Rhein zu.
        

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