Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1980
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_6/3/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Seite 3 
Landwirtschaft Am 3. Mai 80 wurde in Vaduz eine Produzenten-Konsumen- ten-Gemeinschaft für Bio-Gemüse ins Leben gerufen. Über 50 Abnehmer, die teils aktiv im Garten mitarbeiten, beteili- gen sich an dieser Neugründung. Ihr Hauptanliegen ist die weitestgehende Anpassung der Landbewirtschaftung an die ökologischen Gesetze. Der Kreis möchte dies durch Nicht- Verwendung von Bioziden und Kunstdüngern und durch Anwendung von Mischkulturen erreichen. Nebenbei soll auch ein Beitrag zur Energieeinsparung geleistet werden, nämlich durch die Minimierung des Verpackungsmaterials 
und der Abkürzung der Transportwege. Die Liechtensteini- sche Gesellschaft für Umweltschutz unterstützt die Bestre- bungen, den ökologischen Landbau vermehrt bekannt zu machen. Sie ist der Überzeugung, dass diese Bewirtschaf- tungsform eine durchführbare landwirtschaftliche Alternative darstellt, die wie der konventionelle Landbau von Staates wegen förderungswürdig wäre. Die LGU entsandte ihren Geschäftsführer zur Eröffnung der neuen Gemeinschaft für Biogemüse. Er konnte die nachfolgende Ansprache zum Thema halten. Die landwirtschaftliche Revolution Um 1900 versorgte ein Bauer vier Menschen mit Nahrungsmitteln, 1950 waren es 10, heute können 40 Menschen von der Nahrungspro- duktion eines Landwirtes leben. Im gleichen Zeitraum sank die für die Ernährung eines Menschen notwendige Fläche von einem hal- ben Hektar auf 0,25 ha, das sind 700 Klafter oder drei schöne Hausplätze, um es in liech- tensteinischen 
Wertmassstäben 
auszu- drücken. Diese rasante Produktionssteigerung verdan- ken wir den Verbesserungen der Produktions- methoden, den Züchtungen, aber vor allem auch der Rationalisierung und Mechanisie- rung. In der Landwirtschaft werden Rationalisie- rungs- und Produktionsreserven ausge- schöpft, die sich u. a. durch folgende Punkte auszeichnen: — Sprunghafter Einsatz ertragssteigernder und -sichernder Hilfsstoffe, z. B. innert 20 
Jahren eine zwanzigfache Wertzunahme für Pestizidmittel — 
Verbesserung durch eine arbeitssparende Bodennutzung, z. B. eine Verdoppelung des Siloraumes oder Verzehnfachung der selbst- fahrenden Ladewagen innert 10 Jahren. — 
Erhöhung des Energieeinsatzes, wobei in vielen Fällen in einer Energiebilanz mehr hin- eingesteckt wird, als geerntet werden kann, wenn man bedenkt, dass z. B. für 
die Herstel- lung einer Tonne Stickstoffdünger ein bis zwei Tonnen Erdöl gebraucht werden. Der 
Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte versucht mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln — dem Boden, dem Klima, seiner Ausbildung — ein Optimum an Quantität und Qualität zu produzieren und in maximalen Gewinn umzumünzen, er handelt damit marktwirtschaftlich, konform seiner gesell- schaftlichen Umwelt. Die Ernährung hat zweifellos eine Schlüsselstelle. Nebst der Si- cherstellung der Ernährung hat der Landwirt unsere Kulturlandschaft geschaffen, das äus- 
sere Erscheinungsbild unserer Umwelt ent- wickelt. Die uns vertraute Umgebung ist also erst durch sein Wirken überhaupt möglich geworden. Der stete Wechsel von Feld, Wald und Wiese ist demnach das Nebenprodukt unserer Landwirtschaft und durch ihre Nut- zung haben sich die Naturgüter wohl immer verändert. Dem Industriezeitalter blieb es vorbehalten, in diese stete Dynamik ein Düsenflugzeug- tempo einzuführen. Zwar im Vergleich zur Industrialisierung recht spät, eigentlich erst in den 1950er Jahren, hat sich im ländlichen Raum eine massive Änderung der Anbaume- thoden ergeben. Augenscheinlich war der Wechsel von tierischer zu motorischer Kraft und vor allem die starke Umgestaltung des ländlichen Raumes, z. B. durch Trockenle- gung von Flächen, Begradigung von Bächen, das Einlegen in Röhren, das Aufkommen von Monokulturen, der Einsatz von Hilfsstoffen wie Düngern und Pestiziden, das Verschwin-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.