Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1980
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_6/2/
Seite 2 
Schutz des Alpenraumes 
Oktober 1980 18.-20. September 1980: Internationale Alpenschutzkommission tagte in Liechtenstein Die internationale Alpenschutzkommission (CIPRA) ist ein Zusammenschluss von Organisationen und Institutionen, welche sich in den Alpenländern mit Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes, der Landschaftspflege oder der Raumordnung beschäftigen. Die CIPRA wurde 1952 gegründet und ihr Tätigkeitsbereich erstreckt sich von Jugoslawien bis Frankreich über den ganzen Alpenbogen. Die 28. Jahresta- gung wurde vom 18.-20. September 1980 gemeinsam vom Schweizerischen Bund für Naturschutz und der LGU im Motel in Triesen durchgeführt. Die Tagung stand unter dem Generalthema: Integrale Planungen im alpinen Raum - Mög- lichkeiten eines Interessenausgleiches zwi- schen Land- und Forstwirtschaft, Wasser- und Energiewirtschaft, Fremdenverkehr, Natur- und Landschaftsschutz. 
Anhand von Fallbei- spielen aus verschiedenen Teilen der Alpen sind Konzeption, praktische Durchführung und erzielte Ergebnisse vorgestellt und disku- tiert worden. Die CIPRA richtet wegen der weiter wachsenden Bedrohung des alpinen Naturhaushaltes und Erlebnispotentials an al- le Entscheidungsträger den dringenden Ap- pell, die noch unversehrten Teile der Alpen als «Freiräume» und ökologische Reservate zu erhalten. Die nachfolgende «Vaduzer Re- solution» ist an alle Regierungen und Behör- den des Alpenraumes gerichtet: Resolution von Vaduz zur integralen Planung im alpinen Raum — Die 
integralen Planungen 
dienen der Exi- stenzsicherung der ortsansässigen Bevölke- rung, die im Alpenraum häufig nur unter be- sonders erschwerten Bedingungen möglich ist. Dabei geht es in erster Linie um — 
die Sicherung des Lebensraumes vor Natur- gefahren 
  — 
die Ordnung der traditionellen Land- und forstwirtschaftlichen Nutzung — 
gegebenfalls um den Einbezug touristischer Nutzungen im Hinblick auf eine Verbreite- rung der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen — 
um die Erhaltung bzw. Rückgewinnung ei- nes möglichst naturnahen Zustandes — 
um die Sicherung schutzwürdiger Bereiche, mitunter auch um die Schaffung ökologisch wertvoller Biotope. • Die 
Sicherung vor Naturgefahren gewinnt infolge der stark gestiegenen Nutzungsanfor- derungen, besonders auch an die Hochlagen, zunehmend Bedeutung. Hierbei sind neben den technischen Schutzbauten (z. B. der Wildbach- und Lawinenerbauung) vorrangig die ökologisch orientierten Massnahmen (z. B. Hochlagenaufforstung) zu fördern. • Bei der 
Ordnung der land- und forstwirt- schaftlichen Nutzung kommt folgenden Mass- nahmen besondere Bedeutung zu: — 
Trennung von Wald und Weide. Bei der Intensivierung der Weidewirtschaft ist den unterschiedlichen Standortgegebenheiten hinreichend Rechnung zu tragen. Insbe- sondere sind schutzwürdige Biotope im Almbereich naturnah zu erhalten. 
— Wirtschaftswegebau: Trassierung und Di- mensionierung sind auf die notwendigen Bedürfnisse der Land- und Forstwirtschaft abzustellen. Im Interesse der Erhaltung von Ruhezonen sollen die Wirtschaftswege ausserhalb des Dauersiedlungsraumes nicht dem öffentlichen Verkehr geöffnet werden. Bei der Gewährung öffentlicher Förderungsmittel sind entsprechende Auf- lagen zu erteilen. • Die weitere 
Erschliessung des Alpenrau- mes für den Tourismus 
ist auf die sehr unter- schiedliche ökologische Belastbarkeit der ein- zelnen Teilräume abzustimmen. Die Siche- rung möglichst grosser, von technischer Er- schliessung frei zu haltender Ruhezonen mit grossem Erlebniswert ist eine vorrangige Auf- gabe der Raumordnung (Beispiel: Teilab- schnitt «Erholungslandschaft Alpen» des Landesentwicklungsprogrammes Bayern). Solche Ruhezonen wie auch Naturschutzge- biete und Nationalparke haben insbesondere in der Nachbarschaft, bzw. im Ausstrahlungs- bereich hoch entwickelter Täler und gross- städtischer Zentren ausserordentliche Bedeu-   tung. Weitere Eingriffe oberhalb der Baumgrenze sind in Anbetracht der grossen ökologischen Empfindlichkeit dieser Zone zu unterlassen, daher ist im besonderen auch von zusätzlichen Gletschererschliessungen abzusehen. Wo die Sicherung von Ruhezonen und Schutzgebieten mit ökonomischen Einschrän- kungen bzw. Erschliessungsverzichten ver- bunden ist, muss für einen angemessenen Ausgleich (z.B. in Form zweckgebundener Zuschüsse eines regionalen Ausgleichsfonds oder von Transferzahlungen der Fremdenver- kehrs- an die Berglandwirtschaft) vorgesorgt werden. • Der 
Beurteilung von Erschliessungsmass- nahmen aller Art 
(Kraftwerke und Leitungs- trassen, Seilbahnen und Skipisten, Strassen, Siedlungsprojekte, usw.) sind einer systemati- schen Eignungsuntersuchung, Bedarfs- und Belastbarkeitsprüfung sowie Kosten- Nutzen- Abwägung zupunde zu legen. Im Sinne eines integralen Planungsprozesses und Interessen- ausgleiches ist die Zusammenarbeit der Fach- ressorts zu verbessern. Die betroffene Bevöl- kerung ist über die zu erwartenden Auswir- kungen der Erschliessungsvorhaben umfas- send aufzuklären und dadurch in die Lage zu versetzen, am Entscheidungsprozess mass- geblich mitzuwirken. • Unter veränderten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen gewinnt die 
Wasser- kraftnutzung im Alpenraum erhöhte Bedeu- tung für die Energieversorgung auch über den Alpenraum hinaus. Dabei sind die Eingriffe in den Naturhaushalt und in das Landschafts- bild so gering wie möglich zu halten, auch wenn dies höhere Kosten verursacht. Land- schaftsteile bzw. Naturdenkmäler, die wegen ihrer Besonderheit «Sanktuarien» sind, müs- sen von der Nutzung ausgenommen werden. Die Möglichkeiten alternativer Energiegewin- nung sollten unter alpenspezifischen Gesichts-. punkten durch Studien und Modellvorhaben intensiver als bisher geprüft werden. Im Hin- blick auf die Energieproblematik im Alpen- raum und deren Vielschichtigkeit hat die CIPRA beschlossen, sich mit diesem Fragen- kreis in Zukunft eingehender zu befassen.
        

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