Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
4
Erscheinungsjahr:
1979
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_4/5/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Lebensraum Seite 5 Europäische Kampagne zum Schutz bedrohten Lebens in der Natur und der natürlichen Lebensräume Liechtensteinische Verlustbilanz Feuchtgebiete Anlässlich der «Dritten europäischen Ministerkonferenz für Umweltschutz» Mitte Sep- tember 1979 in Bem wurde eine europaweite Informationskampagne zum Schutze der natürlichen Lebensräume gestartet. Wir beginnen in dieser Ausgabe mit der Vorstellung eines besonders stark bedrohten Lebensraumes: des Feuchtgebietes, das sind Riede, Sümpfe, Gräben, Weiher und Tümpel. Also Lebensräume, die einst das ganze Rheintal bedeckten. Noch um 1900 gab es 2'000 ha Streue- und Moorwiesen im Liechtensteiner Talraum. Heute sind hiervon noch ganze 160 ha, also knapp 8 Prozent verblieben. Für diese bescheidenen Restflächen setzen wir uns ein. Druck auf die letzten Oasen vielfältigen Tier- und Pflanzenlebens Während einem Jahrtausend stellte die Streuenutzung die traditionelle landwirtschaftli- che Nutzung der Riede dar. Diese mit wenig Mitteln betriebene Landwirtschaft ist mit dem Abbau der selbstversorgerischen Vielfalt im Schwinden. Es ist absehbar, dass die Streuenutzung bald der Vergangenheit angehört. Zeichen dieses mangelnden Interesses sind verbuschende Riedparzellen oder aber es wird durch Düngung intensiviert. 
Mit nur einer Düngung verschwindet in zwei bis drei Jahren die riedtypische, einzigartige Pflanzenwelt für immer. Der Intensivierungsprozess ist im Liechtensteiner Talraum schon weit gediehen. Durch Entwässerungen konnte einst entscheidend mitgeholfen werden, den Hunger aus Europa zu verbannen. Heute gilt es, die letzten Restflächen an Feuchtgebieten um ihrer selbst willen zu erhalten. Allzuviel ist schon verschwunden. Die Liste der Verluste ist dementsprechend lang: 42 Planzenarten der Feuchtgebiete sind im 20. Jahrhundert in Liechtenstein ausgestor- ben, acht einstige Brutvögel der Riedwiesen nicht mehr nachgewiesen. Die Bilanz der «Wasseraustreibung» muss erschüttern! Aktion für mehr Natur in Liechtenstein 1977 führte die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) gemeinsam mit dem World Wildlife Fund (WWF) eine Aktion zur Schaffung und Erhaltung von Naturge- bieten durch. 
Dank zahlreicher Spenden war es uns möglich, aus diesen Geldmitteln 32'966 Quadratmeter Riedfläche im bedeutendsten Objekt an der nördlichen Landes- grenze zu erwerben. Sämtliche Mittel sind zu 100 Prozent, d. h. ohne administrativen Abzweigungen, direkt dem gespendeten Zweck zugeführt worden. Es braucht auch Unterhalt und Pflege Unsere Naturschutzgebiete sind allerdings keine Inseln unberührter Natur. Frühere Nut- zungsformen haben sie geprägt. Auch ein Feuchtgebiet braucht deshalb Pflege. Der Grosse Brachvogel beispielsweise braucht offene, d. h. nicht verbuschte Riedflächen, der Frosch kann sich nicht vermehren, wenn er keinen Weiher als Laichplatz findet. Wasser- flächen verlanden mit der Zeit. Hier helfen nur gezielte Pflegeeingriffe, so etwa das Ro- den der Verbuschung oder die Neuerstellung von Wasserflächen. Noch stossen wir auf Widerstände. Nicht jedermann unterstützt den Schutz und die Erhaltung von scheinbar nutzlosem Land. Noch gelten viele, die sich für den Erhalt der Feuchtgebiete einsetzen, als «Spinner». Soll die Zerstörung weitergehen? 
NEIN! Darum «Feuchtgebiete schützen, Leben erhalten!» Das umstehende Kleinposter von Louis Jäger will einen kleinen Einblick in die Reichhaltigkeit die- ser Lebensräume vermitteln. 
Weisse 
Seerose Zwischen Wasserpflanzen und Röh- richt findet eine Fülle von Klein- tieren ihren Lebensraum. Bergmolch Libellen sind mit ihren stabilen Flü- geln wahre Meister der Flugkunst. Von den über 80 in Mitteleuropa nachgewiesenen Arten sind bis an- hin erst ein Drittel in Liechtenstein festgestellt. Die Larven der Libellen leben im 
Wasser. Vierfleckige Libelle Die Zukunft dieser Lebensräume darf nicht dem Zufall überlassen werden!
        

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