Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
37
Erscheinungsjahr:
1997
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_37/6/
Elemente für ein Konzept der nachhaltigen Entwicklung, I nterdepartementaler Ausschuss Rio (IDARIO) 
Biodiversität ist ein Aspekt der nachhaltigen Entwicklung. "Die Natur ist in ihrer ganzen Vielfalt zu erhalten."' Das ist ein Postulat der nachhaltigen Entwicklung. Es liege im Interesse der Menschheit, die Artenvielfalt zu erhalten, denn deren Verlust bedrohe langfristig und indi- rekt die Menschen selber. "Gerade für die Bio- und Gentechnologie ist die Erhaltung der gene- tischen Ressourcen wichtig als Kapitalstock für die zukünftige Forschung, auch im Dienste nachhaltiger Entwicklung." ' Die Erhaltung der Artenvielfalt von Ökosystemen soll aber auch dann möglich sein, wenn dies keinen wirtschaft- lichen Nutzen für die Menschen bringt. Biodiversität ist Grundlage für die Gentechno- logie — die Gentechnologie kann die Biodiversität gefährden. Eine nachhaltige Entwicklung ist davon abhän- gig, dass genügend differenziertes genetisches Material existiert, so dass immer wieder neue Kombinationen von Erbgut möglich sind und durch die Neukombination wieder Optionen für die Evolution entstehen. Mit den Möglichkeiten der Gentechnologie wird viel stärker in den Evolutionsprozess eingegriffen, als dies bisher beispielsweise durch die Zucht von Nutztieren oder -pflanzen geschah. Dadurch, dass wir mit der Gentechnologie Artengrenzen sprengen können, also Arten so verändern, wie dies in der Natur nie geschehen würde, ermöglichen wir im Bereich der Biodiversität eine Entwicklung, von der wir nicht wissen, ob sie den Bemühungen der Nachhaltigkeit entgegenlaufen kann. Die 
Wechselwirkungen in der Natur suchen sich andauernd ein Gleichgewicht, verlieren dieses wieder, pendeln sich wieder ein und bewegen sich derart in eine Richtung. Die Gentechnolo- gie stört diese Pendelbewegungen mit der "unnatürlichen" Überschreitung von Artengren- zen einerseits und mit dem "unnatürlichen" Tempo der eingeführten Änderungen anderer- seits. Sie bringt die Natur aus dem Gleich-   gewicht und kann damit unter anderem die Bio- diversität gefährden. In der Entwicklung von Kulturpflanzen besteht zudem die Tendenz zu Monokulturen. Die angebotenen Pakete von Kulturpflanzen, wie ein herbizidresistenter Mais kombiniert mit einem Herbizid, das nicht den Mais, aber alles andere vernichtet, lässt für Mischkulturen keine Türe offen. Erst in den letzten Jahren schafft   sich aber die Meinung breite Akzeptanz, dass Monokulturen viele negative Auswirkungen haben auf das Ökosystem. Diese neue Gesinnung zeigt sich darin, dass sich immer mehr Bauern Programmen (Integrierte Produktion oder Biologischer Landbau) anschliessen. Die Gen- technologie läuft der Ökologisierung in der Landwirtschaft entgegen und trägt zum Ver- schwinden der angepassten Kulturpflanzenarten bei, die über Jahrzehnte für eine Gegend oder einen Standort durch züchterische Eingriffe entstanden sind. Die Gentechnologie ist auf die natürlichen Genressourcen angewiesen. Niemand kann aber voraussehen, in welche Richtung die Gen- technologie die Biodiversität beeinflusst. Nachhaltigkeit, Biodiversität - und die Gentechnologie?
        

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