Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
1992
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_30/7/
Liecht. Umweltbericht, November. 1992 Seite 7 Biologischer Landbau - Landwirtschaft der Zukunft? Während im Allgäu schon bald die erste Kuh mit 15 000 kg Jahres- milchleistung prämiert wird, die holländischen Tomaten in einer Nähr- lösung ohne Boden (hors sol) gefertigt werden und die ersten genmani- pulierten Produkte im Sortiment der Supermärkte auftauchen und viel- leicht ein neues landwirtschaftliches Zeitalter einläuten; reden wir über den biologischen Landbau. Unzeitgemäss? Nostalgisch? Oder zu- kunftsversprechend? Mit Nostalgie hat der biologische Landbau wohl nichts zu tun. Es sind falsche Värstel-lungen, wenn man sich beim Biolandbau den Bauern und dessen Produktionsmethoden aus dem letzten Jahrhundert 'vorstellt. Auch der Biobauer arbeitet mit modernsten Pro-  duktionsmitteln 
— aber er setzt sie umwelt- schonend ein.   Der biologische Landbau geht von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise aus. Le- bensprozesse sollen optimal gefördert und natürliche Regulationsprozesse in Gang ge- setzt werden. Der biologisch arbeitende Landwirt sucht in seinem Betrieb ein stand- ortgerechtes Verhältnis von Futterbau, Ackerbau und Tierhaltung zu finden.   Um diese Ziele zu erreichen, unterstellen • sich die Betriebe sämtlicher Produzenten- Organisationen des biologischen Landbaus seit vielen Jahren strengen Produktionsvor- schriften, deren Einhaltung überwacht wird. Dies ermöglicht eine glaubwürdige Kenn- zeichnung der nach den Richtlinien der VS- BLO (Vereinigung Schweizerischer biologi- scher Landbau-Organisationen) erzeugten Nahrungsmittel mit der Bio-Knospen- Schutzmarke sowie den Markenzeichen ihrer jeweiligen Mitglied-Organisation, welche diese Kontrollen durchführt (unter Beizug neutraler Stellen). Diese Produktionsricht- linien werden laufend den neuesten wissen- schaftlichen Erkenntnissen und Praxis-Er- fahrungen angepasst. Wichtige Massnahmen im biologischen Landbau — Der artgerecht gehaltene Tierbestand wird an die betriebseigene Futtergrundlage an- gepasst. Der Tierbesatz darf 2,5 Dünger- Grossvieh-Einheiten pro Hektar nicht übersteigen (im Berggebiet entsprechend weniger). Dies gilt auch für den Dünger- Zukauf. — Der Futtermittel-Zukauf ist stark einge- schränkt. Chemisch- synthetische Futter- Zusätze sind nicht erlaubt. — Die Düngung ist auf die Ernährung der Bodenlebewesen ausgerichtet. Die häufige Zufuhr speziell aufbereiteter organischer Substanz steigert die biologische Boden- aktivität als Voraussetzung für ein gesun- des Pflanzenwachstum. — Der hofeigene Mist- und Gülleanfall si- chert in Verbindung mit ausreichend Le- guminosen in der Fruchtfolge die Nähr- stoffversorgung des Gesamtbetriebes. Dies erlaubt es, vollständig auf leichtlös- liche chemisch-synthetische Dünger zu verzichten. 
— Schonende oberflächliche Bodenbearbei- tung erhält die Bodenstruktur, den Hu- musgehalt und die Bodenfruchtbarkeit. — Mehrjährige Kleegraswiesen und tiefwur- zelnde Zwischenfrüchte (Gründüngung) schützen vor Strukturschäden und vermin- dern die Nährstoff-Auswaschung sowie das Auftreten verschiedener Schadorga- nismen an den Kulturen. — Da keine chemisch-synthetischen Pflan- zenschutzmittel angewendet werden dür- fen, müssen die vorbeugenden Massnah- men (Sortenwahl usw.) optimal kombi- niert werden. Nützlinge und ihre Lebens- räume werden gezielt gefördert. Einige wenige toxikologisch •gut bekannte Regu- lierungsmittel natürlichen Ursprungs kön- nen für Notfälle gezielt angewendet wer- den. — Zur Regulierung von Unkräutern ohne Herbizide sind neben mechanischen und thermischen Massnahmen eine ausgewo- gene vielseitige Fruchtfolge und die Art der Bodenbearbeitung besonders wichtig. 
Gratisleistungen des Biolandbaus Selbstverständlich produziert bei isolierter Betrachtungsweise der konventionelle Land- wirt preisgünstigere Nahrungsmittel. Erst recht trifft dies auf die neuesten Auswüchse in der Landwirtschaft zu, die mit den Stich- worten Hors-Sol-Produktion und Genmani- pulation umschrieben werden können (siehe Beitrag in diesem Umweltbericht). Umge- kehrt erbringt aber der biologische Landbau Leistungen, die heute noch zu wenig erkannt werden, weil sie in die Kostenrechnung nicht einfliessen. Die Erhaltung und Förderung von Naturwerten, die Schonung des Bodens, die Erhaltung eines unverseuchten Trinkwas- serspeichers in unserem Grundwasser sind auf lange Sicht gesehen wertvolle Leistun- gen, die finanzielle Anerkennung verdienen. Unter diesen .Voraussetzungen kann der bio- logische Landbau nicht nur erschwingliche Nahrungmittel produzieren, sondern stellt eine unverzichtbare Landwirtschaftsmetho- de dar, die durch die Kreislaufwirtschaft auch langfristig gesehen unsere Ressourcen - den Boden und das Wasser — schont und nen Landschaftsraum fördert, der vielseitig gegliedert ist und durch seine Naturnähe eine hohe Lebensqualität gleichermassen für die Menschen, Tiere und Pflanzen aufweist. Dem biologischen Landbau gehört daher die Zukunft.  
        

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