Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
1992
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_30/5/
Liecht. Umweltbericht, November 1992 
Seite 5 Umdenken in der Landwirtschaftspolitik 460 Hektaren der 3400 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche sind in Liechtenstein mit Silomais bedeckt. Silomais ist eine wichtige Futter- planze, er stellt aber eine Belastung für den Boden dar, wenn er zu häu- fig angepflanzt wird. Vor allem auf Moorböden sind die negativen Aus- wirkungen längst bekannt. Trotzdem wird der Silomais bis anhin stark subventioniert. Ein neues Gesetz über Bodenbewirtschaftunsgbeiträge soll jetzt alte Fehler korrigieren. 
Kunst- und Dauerwiesen Neu prämienberechtigt sind Kunst- und Dauerwiesen, wenn sie sich auf Moor- oder Mischböden befinden. Dies soll einen Anreiz für die Landwirte schaffen, die Moorböden möglichst mit dauerdeckenden Wiesen zu bewirtschaften, um Schäden am Boden (Torfsackung, Abbau von Torfsubstanz) zu vermeiden. Die Subvention des Silomaisanbaus — 1990 machte er die Hälfte aller prämienberechtig- ten Anbaukulturen aus - würde einer Um- weltverträglichkeitsprüfung nicht standhal- ten. Der Maisanbau lässt den Boden lange Zeit unbedeckt und schutzlos, wenn keine Bodenbedeckung vorgenommen wird. Der Boden wird ausgelaugt, erodiert und ver- dichtet. Die Prämienausschüttung wird bis- lang weder von einer Bodenbedeckung noch von einer Fruchtfolge abhängig gemacht. Der Bauer darf munter Jahr für Jahr auf der- selben Parzelle Silomais anbauen — bis der Boden nichts mehr hergibt. Im Landtag ist ein neues Gesetz verabschie- det worden, das nicht nur einige Auflagen für die Ausschüttung von Anbauprämien bringt, sondern ausserdem zusätzliche Kulturen, ins- besondere auch ökologische Ausgleichs- flächen, subventioniert. Die wesentlichen Neuerungen sind folgende: 
Fruchtfolge Nach dem neuen Gesetz werden Beiträge nur ausgerichtet, wenn eine Fruchtfolge ein- gehalten wird, d.h. ein Anbauwechsel ver- schiedener Kulturarten auf der gleichen Fläche in unmittelbarer Folge. Wer also bei- spielsweise zwei Jahre hintereinander. Silo- mais anbaut, verliert die Prämienberechti- gung. Das gilt für ökologische Ausgleichs- flächen selbstverständlich nicht. Schutz der Moorböden Moorböden sind organische Grundwasser- böden mit mehr als 30% organischer Sub- stanz über 30 cm mächtigem Humushorizont und Torf als Humus-Form. Moorböden rea- gieren besonders empfindlich auf die acker- bauliche Nutzung, weshalb für solche Böden ein Grünlandanteil von mindestens zwei Dritteln im Rahmen einer Fruchtfolge vorge- schrieben ist. 
Grünbrache Eine attraktive Prämie wird für die Grünbra- che, d.h. eine für ein oder mehrere Jahre still- gelegte Ackerfläche, die mit einer artenrei- chen Mischung angesät werden muss und nicht gedüngt werden darf, ausgerichtet. Auch diese Prämie verfolgt das Ziel, den Bo- den weniger stark zu beanspruchen. Bodenbedeckung Um die Bodenerosion zu verhindern, sieht das neue Gesetz Prämien für die Bodenbe- deckung vor. Die Prämie ist so bemessen, dass für die Winterbegrünung oder die Bo- denbedeckung beim Maisanbau und anderen Kulturen ungefähr das Saatgut bezahlt wer- den kann. Diese Prämie wird zusätzlich zur Prämie für die Hauptkultur ausgerichtet. 50-70 Prozent Naturdefizit im Liechtensteiner Talraum Eine Untersuchung im Rahmen des Eidgenössischen Nationalen For- schungsprogramms Boden hat ergeben, dass in landwirtschaftlich genutzten Gebieten mindestens ein Flächenanteil von 10 bis 15 Prozent natürlich oder na- turnah sein muss, damit der Naturhaus- halt richtig funktioniert. Fallen die Na- turvorrangflächen — Hecken, Mager- wiesen, Bäche und ähnliches — unter den angegebenen Wert, sterben ge- bietstypische Pflanzen- und Tierarten aus, der Naturhaushalt ist nachhaltig gestört. Liechtenstein weist in den Tal- lagen noch naturnahe Strukturen in der Grössenordnung von etwa 5 Prozent auf. Der kritische Wert ist somit bereits um 50 bis 70 Prozent unterschritten. Es ist daher unerlässlich, dass die vorhan- denen Naturwerte sofort und wirksam geschützt werden und zusätzliche Mass- nahmen für mehr Naturnähe im Tal- raum getroffen werden. (Literatur: M. E Broggi/H. Schlegel — Min- destbedarf an naturnahen Flächen in der Kulturlandschaft. NFP Boden, Band 31, Bern-Liebefeld, 1989)
        

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