Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
1992
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_30/14/
Seite 14 Liecht. Umweltbericht, November 1992 Gourmet mit Herz ist auf Initiative der Stif- tung Mensch, Umwelt und Tier (MUT) des Schweizer Tierschutzes entstanden. Die Stif- tung entwickelte  Minimalforderungen für die Haltung der Nutztiere, die über das ge- setzliche Minimum hinausgehen. Kälber werden nicht in Einzelboxen angebunden, sondern in Gruppenställen gemästet, Rinder leben in Laufställen oder sie haben — wenn sie im Stall angebunden werden - Anrecht auf Auslauf und Weidegang. Schweine haben im 
Stall ein bisschen mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben, zudem sind Vollspaltenbö- den verboten. Auslauf oder gar Weidegang ist weder bei Kälbern, Rindern noch Schweinen zwingend vorgeschrieben. Natura Beef ist Fleisch von Kälbern oder Jungrindern, die von der Mutter oder einer Amme gesaugt wurden. Mit ihr zusammen leben die Jungtiere ab Frühling auf der Wei- de. Natura Beef ist nur ab Ende September bis zum März/April erhältlich, denn es stammt ausschliesslich von Kälbern, die zwi- schen Frühling und Herbst geboren wurden. 
Agri Natura, ein Programm der Vereinigung landwirtschaftlicher Genossenschaftsverbän- de der Schweiz vertreibt Kartoffeln,. Brot und Mehl. Vertragsproduzenten — im Pflanzenbau rund 100 Höfe — müssen. gesamtbetriebliche Min- destanforderungen erfüllen. Zu diesen zäh- len Minimalvorschriften bezüglich Fruchtfol- ge, regelmässige Bodenproben, keine Über- schüsse in der Nährstöffbilanz, keine Halm- verkürzer im Getreidebau, reduziertes Pesti- zidsortiment. Für die unter der Schutzmarke vertriebenen Produkte gelten zusätzliche Vorschriften. Agri Natura-Kartoffeln dürfen zum Beispiel nicht mit Keimhemmern be- handelt werden. Chemische Staudenvernich- tung ist verboten, Unkräuter sind mecha- nisch zu bekämpfen, gegen den Kartoffelkä- fer dürfen nur mit Bewilligung des Beraters Insektizide versprüht werden, und der An- bau kartoffelfäuleanfälliger Sorten ist limi- tiert. Unter dem IP-Signet des Schweizerischen Obstverbandes werden in der ganzen Schweiz — vorab über die Grossverteiler Coop und Migros — Äpfel verkauft, neuer-   dings auch Birnen. Rund 540 Obstbauern, die zusammen ein gutes Viertel der Tafel- obst-Anbaufläche bewirtschaften, produzie- ren gegenwärtig (Sommer 1991) IP-Äpfel des Obstverbandes, mehr als doppelt soviel sind für Verträge angemeldet. Vorgeschrieben sind regelmässige Boden- proben und bedarfsgerechte Düngung. Nur ein schmaler Baumstreifen wird unkrautfrei gehalten, das Gras wird gemulcht. Die Spritzmittelauswahl ist beschränkt, mechani- schen und biologischen Methoden der Schädlingsbekämpfung wird der Vorzug ge- geben.   Unter demselben Signet wird demnächst auch IP-Gemüse in den Handel kommen. Auch dort gibt es Minimalvorschriften be- züglich Fruchtfolge, Bodenproben, Boden- bedeckung im Winter, Sortenwahl — mög- lichst schädlingsresistente und unkrauttole- 
Wo finde ich Bioprodukte? Erzeugnisse  aus dem biologischen Landbau finden immer grössere Ver- breitung, auch in den normalen Lebens- mittel- und Gemüseläden. Es ist jedoch empfehlenswert, nur biologische Pro- dukte zu kaufen, die bestimmte Min- destanforderungen erfüllen. Solche Waren sind mit Signeten gekennzeich- net. Es gibt jedoch auch spezialisierte Ge- schäfte, die Bioprodukte führen. In Liechtenstein hat sich beispielsweise der «Naturlada» in der Herrengasse in Vaduz einen Namen gemacht. Aber auch Reformhäuser bieten Bioproduk- te an. rante Sorten — Bodenbearbeitung usw. Auch hier ist das Sortiment zugelassener Spritz- mittel beschränkt. Es gibt keine gesamtbe- trieblichen Richtlinien: IP-Obstbauern dür-. fen ausserhalb der Obstanlagen konventio- nell wirtschaften. Migros-S-Produkte werden nach eigenen IP- Richtlinien erzeugt. Kernstück ist ein eigens entwickeltes Normensystem für Böden und Pflanzen. Von Migros-S festgelegte Limiten für Nährstoffgehalte und Pestizidrückstände dürfen nicht überschritten werden. Das zwingt zu ausgewogener Fruchtfolge, stan- dortgerechten Kulturen, düngen nach Be- darf, zurückhaltendem Einsatz von Spritz- mitteln. Migros-S macht kostenlos Boden- proben, gibt Beraterservice und unterstützt die Forschung. Zwei Drittel des. Inlandgemüses in den Mi- gros-Regalen stammt aus Migros-S-Produk- tion (Inlandanteil beim Gemüse: rund 50%), ebenso rund 
2/3 des Obstes und 20% der Speisekartoffeln. Im Obstbau sind die Anforderungen prak- tisch identisch mit denen für den IP-Label des Obstverbandes, bei Getreide und Kartof- feln sind sie ähnlich wie bei Agri Natura. Es gibt keine für den ganzen Betrieb gültigen Richtlinien. Das Gratisfaltblatt mit Informationen, wo welche Produkte erhältlich sind, kann beim WWF Schweiz, Postfach, 8037 Zürich (Tel.   01 / 272 20 44) angefordert werden. Das Falt- blatt enthält auch eine «Öko-Kreditkarte» im Kreditkartenformat, auf welcher die meistverbreiteten Signete, welche gewissen Mindestanforderungen bezüglich Umwelt- und Tierschutz genügen, abgebildet sind. Motto: Geben Sie Kredit — der Natur! 
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