Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
30
Erscheinungsjahr:
1992
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_30/10/
Seite 10 Liecht: Umweltbericht, November 1992 Biolandbau bedingt konkurrenzfähig Auch der biologische Landbau kann konkurrenzfähig sein. Im Ver- gleich zum konventionell geführten Bauernbetrieb wirft der Biobetrieb zwar weniger Rohertrag ab, muss aber auch weniger Geld für Pflanzen- schutzmittel, Kraftfutter und Dünger aufwenden. Unterm Strich ist das Einkommen vergleichbar, falls die Mehrabeit des Biobauern nicht berücksichtigt wird. Unter den heutigen wirtschaftlichen Bedin- gungen, so folgert eine Studie der Eidg. For- schungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik im thurgauischen Tänikon, können Biobetriebe mit ähnlich strukturier- ten konventionellen Betrieben konkurrie- ren. In der Studie wurden 29 Biobetriebe mit konventionell arbeitenden Betrieben vergli- chen. Laut Untersuchung liegt die Arbeitsinten- sität in den Biobetrieben rund 14 Prozent höher als in den konventionell geführten Be- trieben. Die Mehrarbeit resultiere in erster Linie aus der Anwendung arbeitsaufwendi- ger Produktionsverfahren und aus der Ver- marktung. Die Forscher bestätigen auch die Tatsache, dass die Naturalerträge im Pflan- zenbau beim Bio-Landbau zum Teil deutlich geringer sind als in konventionellen Betrie- ben. Die Milchleistungen lagen im Mittel 7 Prozent tiefer als in den Vergleichsbetrieben.   Rohertrag niedriger Im Vergleich zu den konventionellen Betrie- ben erreichten die biologisch geführten Be- triebe im Schnitt einen niedrigeren Roher- trag je Hektare landwirschaftliche Nutz- fläche. Da gleichzeitig auch die Sachkosten, speziell etwa die Aufwendungen für Pflan- zenschutzmittel, Dünger und Kraftfutter im Bio-Landbau geringer sind, resultierte unter dem Strich ein vergleichbares Betriebsein- kommen. Des höheren Arbeitsaufwandes wegen sei aber das Betriebseinkommen pro Arbeitstag in den Biobetrieben signifikant niedriger. So liegt das landwirtschaftliche Einkommen der Biobetriebe je Hektare knapp 11 Prozent un- ter dem Niveau von konventionellen Betrie- ben. Dank zum Teil bedeutsamen Nebenein- kommen und niedrigerem Familienver- brauch hätten die biologisch geführten Be- triebe aber eine Eigenkapitalbildung erzielt, die jene der Vergleichsbetriebe um gut 15 Prozent übertraf. Die arbeitswirtschaftlichen Erhebungen ergaben zudem, dass für die Bio-Produktion mit rund 12 Prozent Mehrar- beit gerechnet werden muss. 
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Biolandbau in Liechtenstein In Liechtenstein ist Richard Schier- scher schon als Demeterbetrieb aner- kannt. Seine Produkte dürfen das Knospe-Zeichen tragen (vgl. Beitrag «Wer konsumiert trägt Verantwor- tung»). Richard Schierscher führt schwerpunktmässig einen Rindermast- betrieb. Das benötigte Futter wird in ei- ner Kreislaufwirtschaft ohne Zukauf und ohne chemische Hilfsmittel produ- ziert. Daneben produziert er aber auch in geringerem Umfang Getreide, Kar- toffeln und andere Nahrungsmittel für den Markt. Als KAG-Betrieb anerkannt ist die Eierproduktion von Siegfried Wanger in Schaan. Er bietet gesunde Eier von glücklichen Hühnern an. Einige Land- wirte, die dem Projekt «Ökobauer» an- geschlossen sind, beweisen Interesse am biologischen Landbau. Wieviele dereinst als Biobetriebe anerkannt sein werden, lässt sich momentan noch nicht sagen (vgl. das Interview mit dem Pro- jektleiter Klaus Büchel und Hans Frick). 
Biolandbau: Keine Kosten für zerstörte Böden und überdüngte Gewässer Im Durchschnitt verbrauchen konven- tionelle Betriebe mehr als das Doppelte an Fremdenergie als Biobetriebe. Fast die Hälfte davon entfällt allein auf die energie-intensive Herstellung der mi- neralischen Düngemittel. Indem die konventionelle Landwirt- schaft ihre eigenen Lebensgrundlagen zusehends gefährdet, verursacht sie von der Allgemeinheit zu tragende Folge- kosten. Diese sind zwar schwer quanti- fizierbar, denn eine ausgestorbene Art, zerstörte Böden und Landschaften  sind finanziell kaum zu bewerten. Die volks- wirtschaftlichen Kosten werden aber spätestens sichtbar, wenn wir die ent- standenen Schäden zu beheben ge- zwungen sind — falls dies überhaupt noch möglich ist. Im Kanton Zug wurde vor einigen Jah- ren eine Studie erarbeitet, die nach- wies, dass alle Landwirtschaftsbetriebe ohne schwerwiegende Probleme auf den biologischen Landbau umstellen könnten. Diese Umstellung würde sich sogar volkswirtschaftlich lohnen, weil auf diese Weise die Überdüngung des Zugersees und damit einhergehende Sanierungsmassnahmen wegfallen könnten.
        

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