Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1979
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_3/15/
Juni 1979 
Umwelt-Bericht 
Seite 15 Lurchenbestände sind in Liechtenstein stark gefährdet In den letzten Jahren ist für den Schutz der Lurche in Liechtenstein viel getan worden. Mit Plastikzäunen, Abfang- behältern und Unterführungen konnten tausende von Fröschen und Kröten auf ihrem Frühlingszug nach den Laichge- wässern vor dem Strassentod bewahrt werden. Viele Freiwillige, vor allem Schüler des Liechtensteiner Gymna- siums und der Naturwacht, halfen bei diesen Rettungsaktionen mit. Leider hat man nach den inzwischen ge- machten Erfahrungen feststellen müs- sen, dass trotzdem — fast unbemerkt - die Bestände drastisch zurückgehen. Warum diese enttäuschende Entwick- lung? 'Strassentod kaum zu verhindern! Die Lurche ziehen im Liechtensteiner Talraum von Ende Februar bis Ende März in wenigen Tagen zum Laichge- wässer. Vor allem in warmen Nächten, nach 
einem Föhnzusammenbruch, wechseln tausende von Exemplaren auch über unsere Landstrassen, viel- mehr versuchen es. Dieser Zuzug ist relativ leicht zu erfassen und auch zu retten. Nun kommt aber schon die erste Komplikation. Während die letzten noch zum Wasser ziehen, wandern die ersten schon zurück. Diese Rückkehr er- folgt verzögert und lässt sich nicht mehr in diesem Masse schützen. Im Juni und Juli, oft mitten am Tag, versuchen die inzwischen entwickelten Jungtiere ebenfalls die Strasse zu überqueren. Mit sehr geringer Ueberlebenschance! So gab es jedes Jahr trotz der Ret- tungsaktionen eine Menge Verkehrs- opfer und entsprechend nimmt die Zahl der Fortpflanzungsfähigen ab. Zudem stirbt jedes Jahr ein Jahrgang den natürlichen Alterstod. Dieser Verlust kann nicht mehr ohne weiteres durch Jungtiere ersetzt werden. Doch der Strassentod ist nur ein Gefährdungs- faktor! 
Darum wird von Seiten des Naturschut- zes die Anlage von Ersatzweihern und -tümpeln angeregt. 
Nicht in allen Fällen bietet sich diese Lösungsmöglichkeit zur Entfernung der Tiere aus der Ge- fahrenzone an. Im Raume des Natur- schutzgebietes Schwabbrünnen-Aescher und beim Gampriner Seelein müssen die Tiere vor dem Betreten der Strasse abgehalten werden. Hier sind nur Unterführungen mit Einfallschächten als Notlösung wirksam. Im Falle von Schwabbrünnen sind diese Massnahmen in den vergangenen Jahren weitgehend realisiert worden. Als eine der ersten in Europa haben wir Amphibientunnels gebaut und entsprechende Erfahrungen in den vergangenen Jahren gesammelt. Sie sollen künftigen Massnahmen beim Gampriner Seelein zugute kommen. Trockene Gräben, durch Grundwasser-Absen- kungen im Rheineinflussgebiet entstanden, brachten einen grossen Verlust an einheimi- schen, freilebenden Tieren und Pflanzen der Feuchtgebiete (Bild links). In den letzten Jahren wurde zum Schutze der Lurche vor dem Verkehrstod einiges ver- sucht, so u. a. die Erstellung von Amphibien- tunnels unter der Landstrasse Schaan—Nen- deln (Bild links unten). Wanderzüge des Grasfrosches und der Erd- kröte innerhalb eines Jahres, dargestellt am Beispiel des Gampriner Seeleins (Bild unten). Weitere Gefährdungen... Wo sind die Weiher, Tümpel und Grä- ben, die Laichplätze der Lurche geblie- ben? Der Verlust der Laichgewässer durch die Grundwasserabsenkungen (heute trockene Gräben), durch Zu- schüttungen, durch Ueberdüngung der Gewässer im Landwirtschaftsbereich wie auch der Pestizideinfluss bedrohen unsere letzten Lurchen-Vorkommen. Das Einsetzen von Raubfischen, vor al- lem Forellen, auch in kleinste Tümpel und Weiher, lässt den Kaulquappen keine Ueberlebenschance. Was tun? Als erstes müssen die Laichgewässer gesichert sein. Dort wo das Laichgewäs- ser vom Lebensraum im Sommer durch eine Landstrasse getrennt ist, ist wenn möglich eine Umsiedlung anzustreben.
        

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