Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
3
Erscheinungsjahr:
1979
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_3/11/
Juni 1979 
Umweltbericht Seite 11 Landschaftspflege Seit Beginn der siebziger Jahre wurde das quantitative Wirtschaftsdenken mehr und mehr durch eine qualitative Betrach- tungsweise ergänzt, die den Begriff der Lebensqualität ins Zentrum rückt. Die Schutz- und Pflegemassnahmen der Land- wirte für die Landschaftsgestaltung, den Wasserhaushalt und die Bodenqualität müssen heute als eine wichtige Aufgabe der Landwirtschaft betrachtet werden. Durch die Landschaftspflege sollen einer- seits soziale Kosten infolge der Nichtbe- wirtschaftung des Kulturlandes vermie- den und andererseits soziale Nutzen ge- schaffen werden, indem -Dritten in der Form einer gepflegten Landschaft unent- geltlich Nutzen zufällt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Wohlfahrtsfunktion der Landwirtschaft. Ausdehnung der Siedlungsflächen Im Zusammenhang mit der Landschafts- pflege steht der dringende Appell nach der Erhaltung organisch gewachsener Siedlungsstrukturen. Wir stehen heute vor der Tatsache, dass die noch übrig- gebliebene landwirtschaftliche Nutzflä- che durch extreme Streubauweise zer- schnitten und unterteilt ist. Dadurch wird eine betriebs- und arbeitswirtschaftliche Kultivierung des Bodens äusserst er- schwert. Ausserdem kommt hinzu, dass durch das Fehlen von verbindlichen Zo- nenplänen der Expansion der Gemeinden kaum Hindernisse im Weg stehen. Die durchschnittliche Nettosiedlungsflä- che (NSF) pro Einwohner liegt in der Regel bei 210 m2. Darin inbegriffen sind Flächen für Wohngrundstücke, für pri- vate Arbeitsplätze, für öffentliche Bauten und Anlagen, für Verkehrsanlagen inner- halb und ausserhalb der Siedlung. Die benötigte Bauzonenfläche für das gesam- te Land auf der Basis von 210 m2  NSF pro 'Einwohner müsste heute bei 25 000 Ein- wohner 525 Hektaren betragen. Im Jahr 2000, wenn das Land nach Schätzung des Statistischen Amtes über 33 000 Einwoh- ner verfügen könnte, wird eine NSF von 693 Hektaren benötigt. Bereits 1968, als Liechtenstein noch 20 000 Einwohner be- sass, war gemäss einem Gutachten des Institutes für Orts-, Regional- und Lan- desplanung der ETH Zürich eine NSF von 1648 Hektaren vorhanden. Diese müsste für 78 000 Einwohner ausreichen. Somit besteht ein Verhältnis der vorhan- denen Baugebiete zu den benötigten Bau- flächen von 4 : 1. Die grossen Nachteile der Streusiedlung Die viel zu grossen Baugebiete bedingen eine Streusiedlung mit all ihren Nach- teilen: — ungünstige Beeinflussung des Grund- stückmarktes: die Baulanderwartung erstreckt sich auf ein zu grosses Ge- biet und damit verbunden — horrende Kosten für die Infrastruktur (Strassen, Wasser, Abwasser, Strom) — Behinderung der Landwirtschaft bei der Bewirtschaftung und deren Sanie- rung, 
-- Schwierigkeiten beim Schutz land- schaftlicher Schönheiten etc. Würde die Siedlungsfläche entsprechend den Einwohnerprognosen, d. h. eine jähr- liche Zunahme von 400 Personen, weiter ausgedehnt, müsste daraus ein jährlicher direkter Verlust von 8,4 Hektaren. Kul- turland resultieren. Es sind dabei sehr oft beste Böden, die der Landwirtschaft durch die Besiedlung verlorengehen. Landwirtschaftsgebiete sind auch Erholungsgebiete Je dichter unser Land besiedelt wird, desto deutlicher meldet sich das Bedürf- nis nach Erholung. Auch für die Erholung braucht es Raum, vorwiegend ausserhalb der Siedlungen. Landwirtschaftsgebiete können auch der Erholung dienen. Wäh- rend wir landwirtschaftliche Produkte zur Not in vermehrtem Masse noch aus dem Ausland beziehen können, ist die Erholung -- besonders die tägliche und wöchentliche Naherholung — an ver- hältnismässig kleine Distanzen gebun- den. Dieser Raum, der oft auch Komple- 
mentärraum genannt wird, ist geradezu lebenswichtig für die Siedlung, wie dies in der redaktionellen Einleitung erläutert wird. Die kritische Grenze ist erreicht Nach den Richtlinien des Institutes für Orts-, Regional- und Landesplanung an der ETH gilt eine Region dann an der kritischen Grenze der Besiedlung ange- langt, wenn letztere 40 
0/0 des offenen Gesamtareales ausmacht. Bei einer Tal- fläche von ca. 5000 Hektaren und einer Siedlungsfläche von heute rund 1700 Hektaren sind wir dieser kritischen Grenze sehr nahe. Wir eilen mit grossen Schritten einer Zeit entgegen, in der tüchtige Landwirte und eine gut funktionierende Landwirt- schaft weit wichtiger als vieles andere zum Ueberleben sind. Um die 
in Zukunft geforderten Leistun- gen vollbringen zu können, müssen die Betriebsflächen 
unserer Landwirtschaft erhalten und entsprechend rechtlich ge- schützt werden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.