Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_29/5/
  
Liecht. Umweltbericht, Juni 1991 Seite 5 serversorgungen drastisch verringerte. Bei Fischarten wie z.B. der Äsche, die bei den erwähnten Fischvergiftungen im Binnenkanal ganz verschwunden war, verliefen Besatz- massnahmen erfolgreich. Mit der Sauberhaltung des Wassers ist der Gewässerschutz jedoch noch nicht abge- schlossen. Trotz der relativ guten Wasserqua- lität sind bei uns praktisch alle • derzeit noch natürlich vorkommenden Fisch- und Krebsar- ten mehr oder weniger gefährdet. Der Haupt- grund liegt im eingangs erwähnten Verlust an Lebensräumen bzw. an natürlichen Gewäs- sern infolge der vorangegangenen und nach wie vor fortschreitenden Kultivierung und Be- siedlung des Landes bzw. der damit verbun- denen Gewässereingriffe. Schaffung neuer Gewässer und Feuchtgebiete / Wiederbewässerung Um dem gefährlichen und oft unbemerkt ver-  laufenden Verlust an Naturwerten entgegen- zuwirken, sind neben der Gewässerreinigung Naturnah erhalten, naturnah gestalten Die massiven Eingriffe in das Gewässer- system, sei dies durch Hochwasser- schutzbauten, Kraftwerke oder andere naturfeindliche Massnahmen, haben die Lebensbedingungen der einheimischen Fischarten drastisch verschlechtert. Die Fische zählen daher heute zu den ge- fährdetsten Artengruppen. Die Methoden des naturnahen Wasser- baus, die heute wieder verstärkt zur An- wendung gelangen, können diesen Trend zum Teil umkehren. In Liechten- stein wurden beispielsweise am Binnen- kanal Revitalisierungsmassnahmen ge- troffen, die sich auf den Fischbestand positiv auswirken, Unabdingbar ist selbstverständlich, dass die freie Fisch- wanderung sichergestellt ist.. Optimal konstruierte Fischtreppen erlauben zu- mindest einem Teil der Fische den Auf- stieg in ihre Laichgewässer. Die Seeforelle steigt beispielsweise vom Bodensee hoch., Sie schwimmt im Rhein aufwärts und gelangt über die Fischtrep- pe im Kanalauslauf in den •Liechtenstei- ner Binnenkanal. Von dort sucht sie noch kleinere Seitengewässer mit Kies- grund zur Laichablage. Sie findet solche beispielsweise in den Giessen in Balzers, die seit der Wiederbewässerung der Äu- lehäg wieder genügend Wasser führen. Fischtreppen, Bewässerungen, Beseiti- gung von Wanderhindernissen, Gewäs- serreinhaltung sind notwendig, um' das Überleben der Seeforelle zu sichern. Es wird ein erheblicher Aufwand betrie- ben, um die Sünden der Vergangenheit auszumerzen. Die Aktionen müssen in ternational koordiniert werden, da die Seeforelle vier Staaten und noch mehr Kantone bzw. Bundesländer durchwan- dert. Diese Anstrengungen könnten durch den Bau der Rheinkraftwerke zu- nichte gemacht werden. Die Laufkraft- werke am Hochrhein haben den dorti- gen Fischbestand um 80 Prozent dezi- miert und einige Fischarten ausge- rottet... 
bereits einige weitere Massnahmen getroffen worden: -- Schaffung von Naturschutzgebieten mit Feuchtgebieten und Weihern (Heilos Trie- sen, St. Katharina-Brunnen Balzers, Gam- priner See, Schwabbrünnen Schaan, Rug- geller Ried, Birka Mauren etc.). – Nachstehende trockengefallene Bäche wur- den wiederbewässert: Mühlbach, Parallelgraben und Wührlegra- ben in Ruggell Waschgraben und Kleiner Kanal in Schaan Naturschutzgebiet Äule Häg, Balzner Gies- sen und Oberlauf Binnenkanal. Diese begonnenen Arbeiten zur Wiederbe- wässerung trockengefallener bzw. nur noch zeitweise wasserführenden Fliessgewässer oder die Schaffung neuer stehender Gewässer {Weiher, Tümpel, Feuchtgebiete), sind von Land, Gemeinden und Besitzern von Wasser- kraftanlagen weiterzuführen. Im Vorder- grund stehen derzeit Massnahmen an folgen- den Gewässern: Fliessgewässer Wiederbewässerung: – 
alter Bachlauf im Bereich Gemeindegrenze, Balzers/Triesen – Irkalesbach Vaduz – Tentschagraben Schaan/Eschen Verbesserung der Wasserführung: – 
Kleiner Kanal und Wäschgraben Schaan – Unterlauf Lawenabach, Triesen – Giessen Vaduz – Samina unterhalb Stausee Steg / Unterlauf Malbunbach – Mühlbach, Parallelgraben und kleinere Gräben Ruggell Stehende Gewässer / Feuchtgebiete Um den Verlust auch an stehenden Gewäs- sern und Feuchtgebieten teilweise zu kom- pensieren, können im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz an Bächen, im Unter- lauf von Rüfen sowie bei der Siedlungsent- wässerung, Hochwasserrückhalte- und Ab- setzweiher von einigen Hektaren Fläche ge- schaffen werden. Das gleiche gilt für Aus- 
gleichsbecken unterhalb bestehender Turbi- nenanlagen zum Ausgleich des störenden Schwallbetriebes, der bei der Produktion von Spitzenenergie entsteht. An noch geeigneten Stellen können entlang von Gewässern, den Rhein inbegriffen, zeitweise überschwemmte Auwaldstrukturen geschaffen werden. Positi- ve Beispiele die bereits realisiert worden sind: Absetzweiher bei der Lawenarüfe, Rückhalt- weiher Haldenmähder Ruggell oder die Re- naturierungsstrecke am Binnenkanal unter- halb Ruggell. Wichtig ist, dass neben der technischen Funktion für die Entwässerung auch die Einpassung in Natur und Landschaft sowie der Unterhalt (Entschlammung) fach- männisch geplant werden. Eine wichtige Massnahme, wenn nicht die wichtigste, wird aber die mittel- bis langfristige Anhebung der Rheinsohle auf das vom Hochwasserschutz noch tolerierbare Mass sein. Dies würde die Grundwasserneubildung und damit dessen Qualität sowie die Wasserführung, vor allem der rheinnahen Bäche inklusive Binnenkanal, wesentlich verbessern. Möglichkeiten zur Er- höhung der Sohle bei Beibehaltung der Durchlässigkeit sind Dammaufweitungen und/oder Sohlschwellen. Die Entnahme von Kies aus dem Rhein und seinen Zuflüssen, ist von allen Staaten im Einzugsgebiet des Rheines gemeinsam neu zu regeln. 
  Renaturierung bestehender Gewässer Durchwanderbarkeit für Fische Durch technische Eingriffe in die Gewässer entstanden Wanderungshindernisse für Fische und Makro-Organismen. Derzeit existieren in unserem Gewässernetz meistens in Mün- dungsbereichen noch 15 Hindernisse, die je- doch mit vergleichbar geringen Kosten saniert werden können. Aufgrund der grossen Be- deutung, die die freie Durchwanderbarkeit insbesonders für das Erreichen geeigneter Laichplätze zur Fortpflanzung verschiedener Fischarten hat, ist die Sanierung dieser Hin- dernisse im ganzen Gewässerschutzprogramm vorrangig zu realisieren.
        

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