Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_29/21/
Liecht. Umweltbericht, Juni 1991 
Seite 21 Wasserqualität in liechtensteinischen Fliessgewässern Für die wassergebundene Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere auch die Fische, ist nicht nur die naturnahe Gestaltung der Gewässer und eine genügend starke und gleichmässige Wasserführung, sondern ebenso eine ausreichend gute Wasserqualität eine entscheidende Vor- aussetzung. Fischarten wie die Äsche und die Bachforelle können in belasteten Gewässern kaum überleben. In der Vergangenheit wurden denn auch grosse Anstrengungen unternommen, um die Wasserqualität zu verbessern und es wurden bedeutende Erfolge erzielt. Helmuth Matt, Schaan Viele Tätigkeiten des Menschen belasten die Umwelt und somit die Gewässer. Die Gefähr- dung der Gewässer wird um so grösser, je mehr der Mensch seine Tätigkeiten ausweitet und neue materielle Ansprüche und Aktivitä- ten entwickelt. Bei den Gewässerbelastungen kann nach zwei Hauptgruppen unterschieden werden: Die chemischen und die physikali- schen Belastungen. Stoffeinträge Die chemischen Verunreinigungen gelangen auf mannigfachen Wegen in die Gewässer: Abwässer aus Siedlungen und Industriegebie- ten wird über Kanalisationen und Kläranla- gen in die Gewässer geleitet; auf Strassen und Dächern lagern sich Rückstände aus Verbren- nungsmotoren, Hausfeuerungen und Indu- strieprozessen ab und werden durch Regen- wasser abgeschwemmt; beträchtliche Mengen an Schadstoffen gelangen auf dem Luftweg direkt in die Gewässer; ebenso können bei der landwirtschaftlichen Bodenbewirtschaf- tung schädliche Stoffe in unsere Gewässer eingebracht werden. Helmuth Matt ist Inhaber und Leiter eines chemisch-analytischen Laborato- riums in Schaan, welches unter anderem Wasser-, Boden- und Nahrungsmittel- proben nach ihrem Schadstoffgehalt un- tersucht. Daneben ist er auch Mitglied des liechtensteinischen Landtages. Physikalische Belastungen sind Eingriffe in den- Wasserhaushalt, die Gewässerbette und die Umgebung der Gewässer. Derartige Ein- griffe ergeben sich bei der Nutzung der Was- serkräfte, der Korrektion von Fliessgewäs- sern, der Entwässerung von Feuchtgebieten und der Versiegelung der Böden. Die chemischen und physikalischen Belastun- gen führen zu einer Verschlechterung des Ge- wässerzustandes. Die Zeichen der Ver- schlechterung sind vielgestaltig: Auftreten gif- tiger Substanzen, Verschwinden bestimmter Pflanzen und Tiere, Massenwachstum von Algen und Pilzen, Sauerstoffschwund und wasserlose Bachgerinne — um nur einige die- ser Zeichen zu nennen. 
 Gewässergüteklassen 
Um diese Gewässerbelastungen umschreiben zu können, arbeiten Wasserwirtschaftler und Fischereibiologen mit vier chemischen und biologischen Güteklassen, wobei auch Zwi- schenstufen möglich sind. Die folgenden Gü- teklassen sind gebräuchlich: I unbelastet, gering belastet, II mässig belastet, II-III kri- tisch belastet, III stark belastet, III-IV sehr stark belastet, IV übermässig belastet. Biologische Methoden Bei der Gewässeruntersuchung mit biologi- schen Methoden macht man sich heute die Tatsache zunutze: Findet man Organismen, von denen man weiss, dass sie nur in saube- rem Wasser leben können, kann man aus ihrem Vorhandensein ableiten, dass das Was- ser tatsächlich sauber sein muss, findet man aber in grosser Zahl Arten, die sich an bela- stetes Wasser angepasst haben und sich des- halb darin wohlfühlen, kann man daraus schliessen, dass das Wasser tatsächlich bela- stet sein muss. So wurden viele Pflanzen und Tiere zu Bio-Indikatoren und dies heisst nichts anderes als lebende Anzeiger der Ge- wässergüte. Chemische Methoden Bei den chemischen Methoden der Gewässer- untersuchung handelt es sich um die Bestim- mung von Inhaltsstoffen wie beispielsweise der Säuregrad, der Kohlenstoffgehalt und die Ammoniakkonzentration, Parameter, welche die Qualität der Gewässer im negativen Sinn beeinflussen können.. 
  Gewichtung der beiden Methoden In einem Punkt sind die biologischen Metho- den zur Untersuchung von Gewässern den chemischen weit überlegen. Besonderes Ge- wicht erhalten sie vor allem durch die Lang- zeitaussage (Rückblick), die wir anhand der biologischen Gütebestimmung machen kön- nen. Chemische Methoden erlauben eine sol- che nicht, sondern sie entsprechen eher einer Blitzlichtaufnahme, die zwar den augenblick- lichen Zustand exakt abbildet, jedoch keiner- lei Schlüsse über vergangene Ereignisse zu- lässt. Somit müssen biologische und chemi- sche Gewässergütekarten nicht immer in allen Punkten übereinstimmen, weisen aber gene- rell in dieselbe Richtung. Bei der Auflistung der Gewässergüte der liechtensteinischen Fliessgewässer wurden die chemischen und biologischen Faktoren be- rücksichtigt und in eine Gesamtbeurteilung einbezogen (siehe Tabellen). 
Landwirtschaft im Einklang - mit der Natur Nachdem die meisten Abwässer Liech- tensteins den Kläranlagen zugeführt werden, hat sich die Wasserqualität in den Fliessgewässern stark verbessert. Die grösste Gefahr geht jetzt zuneh- mend von der Landwirtschaft aus, die in den vergangenen Jahrzehnten den Dün- gemittel- und Pestizideinsatz massiv er- höht hat. Regelmässige Bodenanalysen und ent- sprechend abgestimmte Düngung soll- ten künftig die Gefahr der Grundwas- ser- und Oberflächenwasserverschmut- zung vermindern. Diese Forderungen sind im Bodenschutzgesetz vom Mai 1990 verankert, werden aber erst wirk- sam, wenn die 'notwendigen Verordnun- gen erlassen sind. Ebenso zentral ist jedoch auch die For- derung, bei intensiver landwirtschaft- licher Nutzung einen genügend grossen Abstand von den Oberflächengewässern zu halten. Ab Böschungsoberkante soll- te mindestens ein Uferrandstreifen von 5 Metern Breite ausgeschieden werden, auf welchem weder gedüngt, noch Pesti- zide aufgebracht, noch geweidet wird. Auf diese Weise wären wir einen Schritt näher bei einer «Landwirtschaft im Ein- klang mit der Natur», wie sie die Natur- schutzabteilung des Europarates in der Euro-Kampagne für den ländlichen Raum postuliert hat. Diese Naturschutzleistungen der Land- wirte müssen jedoch finanziell' abgegol- ten werden, da hieraus ein Ertrags- und Einkommensausfall resultiert. Ange- sichts der europaweiten Überproduk- tion von Agrargütern stellt diese Form der Extensivierung der Landwirtschaft jedoch eine sinnvolle Alternative dar. Der Gesellschaft sollte die Erhaltung der Artenvielfalt und intakter Fliessge- wässer mehr wert sein als die aufwendi- e Verwaltung und Verwertung der Uberschussproduktion . Massnahmen zur Qualitäts- verbesserung der Fliessgewässer — Ableitung des Abwassers in die Kläranla- gen (ARA's) muss erste Priorität erhalten. — Weiterer Ausbau der Kläranlagen. — Fernhalten des Sauberwassers aus den Ka- nalisationen. — Überleitung des gereinigten Abwassers der ARA's in den Rhein als starken Vorfluter. — Massnahmen in der Landwirtschaft: Aus- scheidung von Gewässerrandstreifen, rich- tige Düngung, Förderung des ökologischen Landbaus und das Gewährleisten dichter Silo- und Güllebehälter. — Sparsamer Umgang mit Wasser. — Verbesserung der Wasserzuführung der rheinnahen Fliessgewässer durch Grund- wasseranhebung. — Wiederbewässerungs- und Renaturierungs- massnahmen. 
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