Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_29/20/
Die Ufervegetation am Binnenkanal variiert sehr stark. Häufig wird 
bis an die Böschung intensiv bewirtschaftet und gedüngt. Es sollte ein Uferstreifen von mindestens 5 Metern Breite extensiv genutzt werden, um Gewässerverschmutzungen zu vermeiden. 
Seite 20 Liecht. Umweltbericht, Juni 1991 Binnenkanal Durch die starke Absenkung des rheinbeglei- tenden Grundwasserspiegels infolge der Soh- lenabsenkung im Rhein hat der Binnenkanal seine Funktion als Flächenentwässerer für die Landwirtschaft verloren. So ist seine primäre Aufgabe, als Vorflut den zahlreichen Zulauf- gewässern zu dienen. Aus diesem Grunde ist auch die Dimension des Gerinnequerschnittes mit Reserven meist ausreichend, so dass eine Einschränkung der Durchflussleistung durch Uferbewuchs dort vertretbar ist. Die Umsetzung eines Gestaltungsplanes mit standortgerechtem Ufergehölz ist seit einigen Jahren in schrittweisem Gange. Die dazu not- wendigen Massnahmen erfolgen in fachübergreifender  Zusammenarbeit zwischen Tief- bauamt und Forstamt. Auf weiten Bereichen hat sich in den letzten Jahren ein artenreicher Wildwuchs eingestellt, der dann nach Jahren etwas gelichtet werden muss. Die nichtbe- stockten Flächen werden wie am Rhein durch einen Herbstschnitt als Magerwiese gehalten. Dabei wird ein wassernaher Streifen unbe- handelt gelassen, um dem Ufergetier den Un- terschlupf zu erhalten. Jährlich muss auch die Bachsohle gemäht werden. Dafür steht der Unterhaltsgruppe des Tiefbauamtes ein spe- zielles Mähboot zur Verfügung. Diese Arbei- ten werden in den Sommermonaten durchge- führt, damit die Laichgruben der Fische nicht gestört werden. Revitalisierungen angestrebt In den letzten Jahren wurden bauliche Unter- haltsmassnahmen des naturorientierten Was- serbaues eingeleitet. An einer ersten Ver- suchsstrecke in Bendern konnten auf einer Länge von etwa 400 m durch Einbauten und Sohlengestaltungen belebende Fliesswechsel erreicht werden. Die Massnahmen können selbstverständlich keine spektakulären For- men des Erscheinungsbildes annehmen, da die Bachparzelle an der Oberkante der Bö-. 
  schung seine rechtliche Grenze hat. Der san- dig-siltige Boden behindert auch eine Ausge- staltung des Ufers. Trotzdem konnten dort mehrere Fischunterstände, zum Teil unter Einsatz ingenieurbiologischer Mittel, gebaut werden. Dem Menschlichen Betrachter wird an dieser Strecke wenig auffallen, liegen doch die meisten Gestaltungselemente unsichtbar unter dem Wasser. Es darf aber auch ange- merkt werden, dass die Natur dem Betrachter auch lieber unerkannt bleibt. Im Unterlauf des Binnenkanals am Lettasteg in Ruggell bieten sich für eine naturorientier- te Gestaltung weit mehr Möglichkeiten. So konnten dort mit wenig Massenverlagerungen Wasserhaltungen im angrenzenden Auwald angelegt werden. Auch die Gradlinigkeit des rheinseitigen Ufers konnte aufgelöst werden, so dass das Wasser- und Ufergetier unter- schiedliche Wasserströmungen am Ufer auf- suchen und sich so auch die Vielfalt an Arten bereichern kann. Die Wasserhaltung ist so reguliert, dass bei Hochwasser der ganze Au- waldboden überschwemmt wird und dem Waldboden Initialbedingungen zugeführt werden. Da der Bereich Lettasteg für derarti- ge Eingriffe am geeignetsten ist, werden die Arbeiten dort künftig auch noch weiterent- wickelt. Esche Die Esche ist auf ihrer ganzen Länge durch Bodenschwund infolge der Rietentwässerung 
unterdimensioniert. Sie tritt  bei ergiebigen Schlagwettern regelmässig über die Ufer. Pri- märe Aufgabe des Gewässerunterhaltes ist es, für eine maximale Abflussleistung zu sorgen. Dies kann nur durch mehrmaliges Mähen während der Vegetationsperiode auf allen Flächen des Querschnittes erreicht werden. Die Bachborde werden daher jährlich dreimal gemäht und die Bachsohle jährlich bis viermal. Eine Änderung dieses Zustandes zur Be- reicherung der Natur kann nur durch bauliche Massnahmen, wie Querschnittserweiterung oder Anlegen von Retentionsbecken und der- gleichen erreicht werden. Spiersbach, Scheidgraben Auch der Spiersbach leidet besonders im Oberlauf unter zu schwacher Abflussleistung. Im unterliegenden, österreichischen Bereich wurde mit den dortigen Naturschutzstellen eine Unterhaltsregelung getroffen, bei der zwei Räumungen jährlich vorgesehen sind. Die erste Mahd kann erst ab Mitte Juli erfol- gen, die zweite im Oktober. Auf dem liech- tensteinischen Abschnitt wurde diese Rege- lung ebenfalls angestrebt, konnte aber nicht vollumfänglich eingehalten werden. Über- schwemmungen nach Frühsommergewittern haben es notwendig gemacht, dass fallweise halbseitig bereits im Juni gemäht wird.   Der hohe Schlammanteil in den Einzugswäs- sern stellt ein weiteres Problem dar. Bis jetzt konnte eine mit viel Innovation der Unter- 
haltsgruppe hergestellte Absaugvorrichtung für Abfluss sorgen, doch wird dadurch immer auch die Lebewelt der Grabensohle beein- trächtigt. Eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung der Verhältnisse sind seit länge- rem im Gange. Am Oberlauf wurde 1987 ein Schlammabsetzbecken gebaut. Zur Zeit ist ein Retentionsbecken am Grabenanfang beim Limseneck im Bau, das einen entscheidenden Beitrag auch zur Entschlammung leisten wird. Der Scheidgraben wird mit einer Sommer- und einer Herbstmahd gepflegt und stellt wei- ters keine besonderen Probleme dar. Grenzgraben und Parallelgraben Die bescheidene Funktion dieser Gräben er- laubt eine einmalige spätherbstliche Mahd. Dabei muss besonders beim Grenzgraben be- achtet werden, dass die Mahd erledigt wird bevor die Frösche ihre Winterquartiere bezo- gen haben. Schlussbemerkung Ganz. allgemein darf erwähnt werden, dass der Umgang mit Geräten und Werkzeugen entscheidend für Erhalt oder Zerstörung der Naturwerte ist. Die ständig abbestellte und fachlich gut geführte Unterhaltsgruppe im Tiefbauamt gewährleistet eine sorgfältige und naturbewusste Pflege der Gewässer. Bedenkt man, dass allein die Einstellung der Schnitt- höhe eines Mähers für das Überleben von Arten entscheidet, erkennt man den Wert dieser oft bescheiden bewerteten Arbeiten. ■
        

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