Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
29
Erscheinungsjahr:
1991
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_29/17/
Liecht. Umweltbericht, Juni 1991 
Seite 17 Trennen, Versickern, Retention - Leitlinien des Generellen Entwässerungsplanes Extreme Abflussspitzen, die fallweise Überlastung der Kläranlagen, die reduzierte Grundwasserneubildung stellen die bestehenden Kanalisa- tionsprojekte in Frage. Gefragt sind Entwässerungskonzepte, die einen möglichst geringen Eingriff in den natürlichen Wasserkreislauf bedeu- ten. Ein Schritt auf diesem Weg ist der Generelle Entwässerungsplan, der die Trennung von belastetem und unbelastetem Wasser, die ver- stärkte Versickerung und die Wasserrückhaltung bei starken Regenfäl- len vorsieht. Werner Steiner, Schaan Die meisten Gemeinden Liechtensteins verfü- gen heute über ein Generelles Kanalisations- projekt (GKP). Die Kanalisationen sind in den überbauten Gebieten weitgehend erstellt. Die bisherige Entwässerung beruht auf dem Konzept, das Abwasser aus Haushalt, Gewer- be und Industrie sowie das Regen-, Schmelz- und Sickerwasser nach einer allfälligen Be- handlung möglichst rasch, wirtschaftlich und betriebssicher einem nahen Oberflächenge- wässer zuzuführen. Mit zunehmender Überbauung der Bauzonen zeigen sich die negativen Folgen der heutigen Entwässerung immer deutlicher. Die Versie- gelung der Oberflächen führt bei Starkregen zu extremen Abflussspitzen, vor allem in den kleineren Gewässern. Gleichzeitig wird die Infiltration ins Grund- wasser vermindert. Daneben wird unbehan- deltes Mischwasser vermehrt in die Oberflä- chengewässer eingeleitet. Das in nicht zwin- genden Fällen in die Kanalisation geleitete Fremdwasser belastet die Kläranlagen und beansprucht die Kapazität der Kanalisation und der Sonderbauwerke (die ersten vor ca. 50 Jahren erstellten Leitungen waren Bach  eindolungen). Im weiteren nimmt die Sied- lungsfläche jährlich um ca. 2 % zu. Diese negativen Erscheinungen wurden schon vor Jahren erkannt und es wurden lokal ge- wisse Modifikationen am Entwässerungskon- zept vorgenommen. Die Entwässerungskon- zepte sind deshalb umfassender und differen- zierter als bisher zu betrachten. Vielerorts drängt sich deswegen eine Ergänzung oder Überarbeitung der Entwässerungsplanung auf. Obwohl die Kanalisation nach wie vor ein zentrales Element der Entwässerung darstellt, gewinnen auch andere Elemente, wie z. B. die Rückhaltung oder die Versickerung von Re- genwasser und die Kanalnetzbewirtschaftung an Bedeutung. Daneben sind der Zustand der Vorfluter und die Auswirkungen der Abflüsse von befestigten Oberflächen auf die Gewässer in quantitativer und qualitativer Hinsicht bei der Entwässerungsplanung einzubeziehen. Aus diesem Grund wird neu vom Generellen Entwässerungsplan (GEP) gesprochen, der auf den guten Erfahrungen mit dem bisheri- gen GKP aufbaut und es erweitert. Für das öffentliche Gemeinwesen ist der Ge- nerelle Entwässerungsplan die Richtlinie, die bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb der örtlichen Siedlungsentwässerung zu befol- gen ist. Deswegen ist es wichtig, dass der GEP periodisch überprüft, ergänzt und überarbei- tet wird. 
Wie sollen Siedlungen entwässert werden? Bei der differenzierten Entwässerung sollen nur diejenigen Abwässer abgeleitet werden, die im Einzugsgebiet selbst nicht schadlos ver- sickern können. Daneben sollen die Reten- tionsmöglichkeiten genutzt werden, um die Abflussspitzen zu verringern. Die beiden ge- gensätzlichen Ziele (Sicherheit und Komfort versus Gewässerschutz) sind dabei sorgfältig abzuwägen. Die wichtigsten Elemente der modernen Sied- lungsentwässerung; Abwasseranfall - Transport - Behandlung - Ma- nifestation im Vorfluter und im Grundwasser. Eine ausgewogene Lösung kann aber nur dann gefunden werden, wenn das ganze Sy- stem (Niederschlag und Abwasseranfall, Ab- leitungen aus den Siedlungen, Kläranlagen, Oberflächengewässer und Grundwasser) bei der Untersuchung des Entwässerungskonzep- tes betrachtet wird. Dadurch entwickelt sich der wichtigste Plan der Siedlungsentwässe- rung vom traditionellen Generellen Kanalisa- tionsprojekt (GKP) zum umfassenden Gene- rellen Entwässerungsplan (GEP). Ein Teil dieser Ideen wurde seit Jahren beim Bau unserer Kanalisationen berücksichtigt, insbesondere die gesonderte Ableitung von Bach- und Sickerwasser, aber auch Versik- kern von Dachwasser. 
Werner Steiner ist Mitinhaber des Inge- nieurbüros Sprenger und Steiner AG, Triesen und Eschen. Sein Büro ist spe- zialisiert auf den Bereich Wasserbau. Unter anderem wurden die Wiederbe- wässerung Äulehäg in Balzers, der   Rückhalteweiher Haldenmähderbach in Ruggell sowie eine Viehlzahl weiterer Projekte des allgemeinen und des Sied- lungswasserbaus unter seiner Leitung durchgeführt. Warum versickern? Je ein Drittel des Niederschlags fliesst ober- flächlich ab, versickert, verdunstet oder wird durch die Vegetation aufgenommen. Die An- gaben schwanken entsprechend den örtlichen Verhältnissen ziemlich stark. Die Urbanisie- rung verändert den natürlichen Wasserkreis- lauf. Bei einer Zunahme des Urbanisierungs- grades gegen das Maximum hin erhöht sich der oberflächliche Abfluss bis auf das Doppel- te, die Verdunstung sinkt auf die Hälfte und die Versickerungsrate verringert sich drama- tisch gegen ein Zehntel. Die Auswirkung der durchschnittlichen Niederschlagsverteilung bei einer mittleren Durchlässigkeit des Bo- dens, je nach Überbauungsgrad, ist aus fol- genden Abbildungen ersichtlich. Was versickern? Die berechtigten Bedenken gegen Schadstoff- einträge ins Grundwasser und die damit ver- bundene Gefahr einer grossangelegten Grundwasserverschmutzung haben bisher die Zurückhaltung bei der Erstellung von Versik- kerungsanlagen begründet. Die Zusammen- stellung der prozentualen Schmutzstoffbela- stung auf verschiedene Oberflächen zeigt, dass bei allen Parametern das Dachwasser die geringste Verschmutzung aufweist und sich am ehesten zur Versickerung eignet. Strassen- und Platzwasser soll deshalb nur oberflächlich versickert werden. Wo versickern? Grundlage für die Projektierung ist die Festle- gung der Gebiete, in welchen die Versicke- rung von Regenwasser möglich ist: — Beurteilung des Untergrundes im Hinblick auf die Versickerung von unverschmutztem Meteorwasser (Geologie, Boden) — Ausscheidung von Zonen, in denen Regen- wasser versickert werden kann, unter Be- rücksichtigung der Grundwasser-Schutz- zonen — Gesamtbeurteilung
        

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