Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
28
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_28/12/
Seite 12 Liecht. Umweltbericht, Dezember 1990 tig angewandt, ihre Aufgaben voll erfüllen können. Es gibt Spezialprodukte wie Wachs- balsame, z.B., zur offenporigen Parkettbe- handlung, deren Verarbeitung in: heutigen Handwerkschulen normalerweise nicht ge- lernt wird. Andere Materialien aus dem Be- reich der Naturfarben werden trotz ihrer ganz andersartigen Zusammensetzung eher kon- ventionell verarbeitet und stellen für gute Facharbeiter keine besondere  Schwierigkeit dar. Wer heute noch die Tauglichkeit solcher Pro- dukte in Frage stellt, die praktische Anwend- barkeit für nicht gegeben hält, muss sich sa- gen lassen, das ist ein alter Kaffee. Denn wenn inzwischen die Naturfarben bei der nicht gerade biofreundlichen Stiftung Waren- test regelmässig » Gut » bekommen — das ist gar nicht so leicht zu bekommen — dann ist an solchen Zweifeln einfach nichts dran. Haltbarkeit und Farbechtheit Auf dem Wetterstand hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Naturprodukte durchaus die gleichen Standzeiten aufweisen können, wie konventionelle Produkte, im Gegenteil, dass sie sogar dahingehend erhebliche Vorteile ha- ben, dass sie auf so gleichmässige Art und Weise abwittern, dass die Renovation nicht erst nach einer vollständigen Entfernung des Altanstriches erfolgen kann, sondern durch einfaches Überstreichen. Schliesslich sind auch die Vorwürfe bezüglich der Farbechtheit heute nicht mehr haltbar. Zugegeben wird dagegen, dass einige Naturfarben mehr Ge- duld und Arbeit benötigen.' Diese Nachteile können aber leicht in Kauf genommen wer- den, wenn dadurch die Gesundheit der Haus- 
bewohner und der Umwelt geschont wird. Auch Architekten und das Baugewerbe soll- ten sich vermehrt für die Anliegen der. Bau- biologie interessieren, denn schliesslich bauen sie für den Menschen und der verbringt den 
grössten Teil seines Lebens in den eigenen vier Wänden. Trotz des. Tobens und Zeterns und trotz der Verleumdungskampagnen der chemischen Industrie kann man sagen: es ge- hen immer mehr Verbraucher den Weg der gesunden Naturfarben für sich und die Um- welt. Vorsicht also vor den Pseudo-Naturfar-, ben, die vollgestopft sind mit Chemie. Es kann nur heissen: weg von der ökologischen Schminke, die nur an der Oberfläche ein che- misches Produkt maskiert, hin zu ehrlichen Produkten, dies vor allem im Bereich der Oberflächenbehandlung, mit denen die Be- wohner doch in unmittelbarem Kontakt ste- hen. Verlauf einer Krankheitsgeschichte Farben, Lacke, Lösungsmittel, aber auch Tapetenkleister können bei empfindlichen Leuten gesundheitliche Schädigungen hervorrufen. Wir haben uns mit einer Person, die nicht namentlich genannt werden möchte, über die gesundheitlichen Folgen einer Renovation unter- halten. Wie hat die ganze 
Sache angefangen? «Wegen verschiedener baulicher Änderungen wollten wir alle Zimmer neu tapezieren las- sen. In den meisten Zimmern haben wir Pa- piertapeten anbringen lassen. Nur im Esszim- mer und zwei weiteren Zimmern haben wir Textiltapeten gewählt.» Wann haben die Arbeiten stattgefunden? «Die Renovationen haben wir im Verlaufe der• letzten fünf Jahre ausgeführt. Die Zim- mer wurden dann im Oktober 1989 neu tape- ziert. IM Oktober ist alles normal gewesen. Im November habe ich dann aber schlimme Krankheitssymptome gezeigt.» Welche Symptome waren das? «Es hat mit Zungenbrennen angefangen: Sehr schnell habe ich dann Paradonthose bekom- men, das ist Zahnfleischentzündung und Zahnfleischschwund. Man hat 'das versucht zu 
behandeln. Im  Februar musste man mir dann 
aber doch fünf Zähne ziehen. Ferner habe ich im 
November noch Haarausfall 
bekommen. Dann sind mir auch noch innerhalb von einer Woche fünf bis sechs Fingernägel abgebro- chen.» Was war die Ursache für diese gesundheitlichen Schädigungen? «Im November ist es sehr kalt gewesen. Wir konnten darum nicht gut und lange lüften. In den Räumen haben sich darum die Dämpfe vom Tapetenkleister angesammelt. Dort wo wir Papiertapeten verwendet haben, war es gut. Bei den Textiltapeten dagegen ist ein anderer Kleister yerwendet worden. Dieser hat einen ganz intensiven Geruch verströmt, wie in einer Arztpraxis. Dieser Kleister hat mich offenbar gesundheitlich angegriffen.» Was sagen die Ärzte zu diesem Fall? «Ich war bei einer Ärztin, die sich auch in Naturheilkunde auskennt. Sie hat eine Aller- gie aufgrund von Bleispuren. 
 diagnostiziert. Der Taptenkleister hat offensichtlich diese 
Allergie ausgelöst. Ich war übrigens die einzi- ge Person, die allergisch reagiert hat. Das hängt mit einer Schilddrüsenüberfunktion zu- sammen, die ich seit vielen Jahren habe.» Was ist dann weiter passiert? Haben Sie die Tapeten entfernen lassen? «Der Dezember war dann wieder sehr Mild, wie der Oktober. Wir konnten das Haus wie- der gut lüften. Der Geruch ist dann wegge- gangen und die Symptome sind verschwun- den. Deswegen habe ich herausgefunden, dass das Tapezieren an meinem Zustand Schuld war. Wir lüften immer noch so gut es geht. Die Symptome sind seit dem Austrock- nen des Kleisters nicht mehr aufgetaucht.» Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem Vorfall? «Auf jeden Fall würde ich in Zukunft darauf achten, dass die Arbeiten in einer Jahreszeit gemacht werden, in welcher man das Haus gut auslüften kann. Ich habe mich auch über andere Kleisterprodukte erkundigt. Weil man aber bei «biologischen» Produkten nicht sa- gen wollte, welche Stoffe darin enthalten sind, habe ich die Zimmer nicht mehr neu tapezieren lassen. Inzwischen sind die Krank- heitssymptome ja sowieso wieder abgeklun- gen.» 
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