Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
27
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_27/8/
Seite 8 
Liecht. Umweltbericht, Mai 1990 Die Wiese In den vergangenen Jahrzehnten hat der englische Rasen zunehmend als Vorbild für die Gestaltung der Anlagen rund ums Haus gedient. Heute ist die Tendenz erfreulicherweise umgekehrt. Die Blumenwiese stellt das Ziel mancher Wünsche dar. Doch oftmals macht sich Enttäu- schung breit, wenn sich der. Erfolg nicht gleich einstellt. (wms) Der Erfolg stellt sich dann nicht ein, wenn jemand auf einer Wanderung eine ar- tenreiche Bergwiese bewundert hat, und nun eine solche Wiese im eigenen Garten haben möchte. Oder wenn eine Samenmischung in den jahrelang intensiv gepflegten und gedüng- ten Rasen eingesät wird, und erwartet wird, dass sich die Blumenpracht nun plötzlich über Jahre weiterentwickeln wird. Für die Ausprä- gung eines bestimmten Wiesentyps sind die Pflege (Mahd, Düngung), die Klimaverhält- nisse (Licht, Schatten, Süd-, Nordexposition, Niederschläge usw.), vor allem aber auch die Bodenverhältnisse (Säuregrad, Nährstoffge- halt, Wasserdurchlässigkeit usw.) entschei- dend. Standort entscheidend Über die Pflanzenarten, die im eigenen Gar- ten vorkommen können, entscheidet mit an- deren Worten in erster Linie der Standort. An einem kühlen, schattigen, feuchten Ort wird nun einmal keine sonnenhungrige Blume wachsen. Ebenso gedeiht die Sumpfdotterblu- me nicht an einer sonnigen Böschung. Und manche Blumen, die nur basische Kalkböden ertragen, können natürlich auf saurem Boden nicht existieren. Es ist daher ratsam, die Be- schaffenheit, das Klima, Hangneigung, Dicke der Humusschicht usw. des Bodens einzukal- kulieren, um keine falschen Erwartungen zu wecken. Die Vegetation in der näheren Um- gebung gibt meistens schon einen Hinweis auf diejenigen Pflanzen, die grundsätzlich vor- kommen können und lassen somit Rück- schlüsse auf die Bodenbeschafffenheit zu. Gu- te Beobachtung leistet manchen Dienst! Gestaltung von Wiesenflächen Ein bestimmter vorgefundener Standort muss — vor allem bei einem Neubau und einer Neu- anlage — nicht ohne weiteres hingenommen werden. Mit dem Aushub, Steinen und Hu- 
mus lässt sich eine Anlage auch gezielt gestal- ten. Lehmiger Untergrund in einer Senke schafft eine Grundlange für Feuchtpflanzen, eine steinige, gewölbte und südexponierte Unterlage dagegen sorgt eher für einen trok- kenen Standort. Wenn er dann noch starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, kann sich eine Magerwiese entwickeln, während im er- sten Fall Nährstoffe angeschwemmt werden und eher ein fetter Boden entsteht. (s. Abb.) Bestehende Rasen umwandeln Mit geeigneten pflegerischen Massnahmen und viel Geduld lässt sich mancher bestehen- de Rasen in eine artenreiche Wiese umwan- deln. Zunächst wird auf jede Düngerzugabe und Unkrautvertilger verzichtet. Das Gras wird regelmässig kurz geschnitten und das Mähgut abgetragen, um dem Boden Nähr- stoffe zu entziehen. Die Artenvielfalt nimmt schnell zu, auch wenn sich vielleicht noch nicht die Blumenwiese unserer Träume ein- stellt. In den folgenden Jahren wird immer seltener gemäht, am besten nach Bedarf, wenn z.B. ein Teil des Rasens zum Spielen benützt wer- den soll oder um Futter für Haustiere zu bekommen. Der Rhythmus beträgt rund 4 — 6 Wochen. Es stellen sich bald der Löwenzahn, Magerite, Gänseblümchen, Günsel und Wie- senschaumkraut ein. Wenn dann der Schnitt noch seltener erfolgt, muss zur Sense gegriffen werden. Flache Stücke werden noch dreimal, Hänge nur noch zweimal pro Jahr gemäht. Die Artenvielfalt sollte auf diese Weise weiter zunehmen. In den folgenden Jahren werden Fettwiesen drei- bis viermal pro Jahr geschnitten (Mai- - September), Magerwiesen ein- bis zweimal (Juni — September). Der Rhythus sollte jedes Jahr gleich bleiben. Um das Überleben der ansässigen Kleintiere zu sichern, sollte aber nicht die ganze Wiese in einem Zug gemäht werden, sondern etwas gestaffelt. 
Bitte nicht die Geduld verlieren. Fette Böden brauchen mitunter sehr lange, um abzuma- gern. Sind sie ungünstig gelegen, kann es passieren, dass immer wieder neue Nährstoffe angeschwemmt werden. Auf solchen Standor- ten wird es kaum möglich sein, eine trockene Magerwiese zu bekommen. Freuen Sie sich dennoch daran, wie sich Ihre Wiese entwic kelt. Im Naturgarten sollen ja die Gesetzmäs- sigkeiten der Natur akzeptiert werden! Aktive Unterstützung der Wiese Die Entwicklung des Rasens zur Blumenwie- se, die Eignung des Standortes vorausgesetzt, kann durch direkte Einwirkung beschleunigt werden. Es kann beispielsweise ein Teil der Humusdecke abgetragen und an einen Ort verfrachtet werden, wo mehr Humus gefragt ist (z. B. in Hecken oder unter Obstbäumen). Der Boden kann auch durch Sandzugaben abgemagert werden. Einzelne Pflanzen kön- nen direkt eingesetzt werden, sei es, in sie als Setzlinge gepflanzt werden, sei es, indem einzelne Flächen von 2-4 Quadratmetern Grösse umgebrochen, mit Sand durchmischt und angesät werden. Es ist jedoch schwierig, im Handel geeignete Saatmischungen zu fin- den. Besser eigenen sich Samen aus Wiesen mit ähnlichen Standortbedingungen. Vor der Saat muss der Boden vorbereitet werden, da- mit er eine feine Krümelstruktur aufweist. Grosse Unebenheiten werden ausgeglichen, um das spätere Arbeiten mit der Sense zu erleichtern. Steine und Wurzeln werden für einen Lesesteinhaufen in der Hecke ver- wendet. Die Aussaat erfolgt Anfang Mai bis Ende Juni (nach den letzten Frösten) oder von Mitte August bis Mitte September (sobald das Wet- ter etwas abkühlt). 2 bis 5 Gramm Saatgut pro Quadratmeter genügen. Das Saatgut kreuz- weise aussäen, leicht einarbeiten und leicht anklopfen. Während der Keimzeit darf die Saat nicht austrocknen, weshalb genügend an- gefeuchtet werden muss. Etwas Häckselgut verbessert das Feuchtigkeitsklima. Vor gefräs- sigen Vögeln schützt man die Saat mit Schreckbändern  oder Vogelscheuchen. Wussten Sie, dass • 
auf einer Naturwiese viermal mehr Vogel- arten vorkommen als auf einem intensiv gepflegten Rasen? • Raupen und Schmetterlinge auf gepflegten Rasen praktisch nicht vorkommen? • 
auf einer Naturwiese sich bald einmal Kä- fer, Wanzen, Fliegen, Einsiedlerbienen, Hummeln, Grabwespen und andere Insek- ten einfinden? • sich Igel, Blindschleichen, Erdkröte, Spitz- mäuse und andere Kleintiere über dieses Nahrungsangebot freuen werden? Literatur Lebensraum Trockenrasen — Vielfalt aus ma- gerem Boden. Hg. Schweizerischer Bund für Naturschutz. Sondernummer 4/84 (Neuaufla- ge 1988). 26 Seiten. Fr. 3.—. Zu beziehen bei: SBN, Pf., 4020 Basel Einschlägige Kapitel in «Das Naturgarten- Handbuch für Praktiker», «Arbeitsbuch Na- turgarten» und «Der Naturgarten» (siehe Li- teraturempfehlungen auf Seite 19)
        

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