Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
27
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_27/16/
Seite 16 Liecht. Umweltbericht, Mai 1990 holder (Juniperus comminus) sind es 40 Ar- ten, beim Juniperus chinesis nur eine. Bei den Weissdornen ist das Verhältnis 32:3 zugun- sten der heimischen zwei Arten (Crataegus monogyna und C. oxyacantha), die übrigens zu den wertvollsten Vogelschutzsträuchern gehören. Futterpflanzen für Schmetterlinge Der Lebenslauf der Schmetterlinge ist in vier klar getrennte Phasen unterteilt: Ei, Raupe, Puppe und Falter (Imago). Der auffällige, flugfähige Falter übernimmt dabei die Aufga- be der Fortpflanzung und Eiablage. Die Pup- pe stellt äusserlich ein Ruhestadium dar. In- nerhalb der Puppe laufen allerdings biochemi- sche Prozesse auf Hochtouren. Die Raupe ist das eigentliche Fressstadium in der Entwick- lung der Schmetterlinge. Viele Raupen sind auf ganz bestimmte Futter- pflanzen angewiesen (vgl. Tabelle). Das Tag- pfauenauge, der Distelfalter, der C-Falter, die Spanische Fahne, die Purpurglanzeule, die Messingeule und ein halbes Dutzend un- bekanntere «Eulen», die nicht einmal einen deutsche Namen haben, sowie verschiedene Zünsler, Spanner und Motten legen ihre Eier an den Blättern der Brennessel ab, und für den Kleinen Fuchs, das Landkärtchen und den Admiral ist sie sogar die ausschliessliche Raupennahrung. Wer sich eine Brennesselek- 
ke im Garten leistet, kann damit in guten Jahren theoretisch ein ganzes Quartier mit Schmetterlingen «versorgen». Die Raupe des Zitronenfalters lebt vom Faulbaum und Kreuzdorn, die des Segelfalters von Schwarz- dorn, Weissdorn und der Traubenkirsche, der beliebte Schwalbenschwanz braucht Wilde Möhren, Fenchel, Engelwurz und verwandte Pflanzen. Fehlen diese Pflanzen, so fehlen auch die davon lebenden Schmetterlinge. Zu viele Schmetterlinge sind in unserer Ge- gend rar geworden. Häufig kommen nur noch Weisslinge vor (sie leben in der Hauptsache von verschiedenen Kleearten, Kohl, Wicken, Ackersenf und Wiesenschaumkraut), viel sind stark gefährdet oder ausgestorben. Hauptursachen für Verschwinden von Schmetterlingen sind: a) Starke Düngung begünstigt schnellwüchsi- ge Pflanzen (Löwenzahn, Ampfer, Hah- nenfuss). Weisslinge, deren Raupen an stickstoffliebenden Kräutern leben ‚sind deshalb öfter zu beobachten, auch die Fal- ter der Nesselraupen (kleiner Fuchs, Tag- pfauenauge, Landkärtchen und C-Falter) gehören dazu. Pflanzen, die mageren Bo- den bevorzugen, (Margerite, Möhre, Wie- sensalbei, Skabiose, Witwenblume, Zitter- gras, Wundklee und viele andere Schmet- terlingsblütler) sind in stark gedüngten Wiesen nicht mehr konkurrenzfähig. Ge- 
rade auf solche Pflanzen aber sind viele Raupen angewiesen. b) Häufiges Mähen wird durch starke Dün- gung und das Einlagern von Silofutter er- möglicht. Die Artenvielfalt in der Wiese geht zurück, denn häufiger Schnitt wird nur von wenigen Arten ertragen. Es sind dies verschiedene Grasarten, Rotklee so- wie Kräuter, die schnell wachsen und für ihr Fortbestehen nicht auf alljährliches Blühen und Absamen angewiesen. sind. Das extremste Beispiel für öfteres Mähen ist der Rasen. Durch das wöchentliche Schneiden ensteht beinahe eine Monokul- tur. Auch ein über Jahre hinweg unregel- mässiger Schnittzeitpunkt ist für die mei- sten Pflanzen ungünstig. c) 'Das Ansäen von Kunstwiesen und -rasen auf weiten Flächen lässt die Lebensge- meinschaften verarmen. Kunstwiesen be- stehen aus wenigen, wirtschaftlich er- wünschten Arten. Manchmal finden sich darin sogar fremdländische Kräuter, die für die meisten einheimischen Tiere unbe- kömmlich sind. d) Die chemische oder mechanische Be-   kämpfung von «Unkräutern» (Wegerich, Thymian, Ackersenf, Brennessel, Distel, Ampfer und viele andere) gefährdet man-ch  Falterart, da gerade diese uner- wünschten Kräuter Futterpflanzen für vie- le Raupen sind. Futterpflanzen typischer Wiesenschmetterlinge Brennessel Admiral, Distelfalter, Kleiner Fuchs, Tag- pfauenauge, Weisses C, Landkärtchen, viele Eulen (19)* Ampfer Gemeines Grünwidderchen, Kleiner und Grosser Feuerfalter, Brauner Bär, Schwarzes C, viele Eulen (52) Knöterich Gemeine Graseule, Trauereule, Braunes Mo- derholz, Meldeneule (20) Wiesenschaumkraut Rapsweissling, Aurorafalter Wicken, Esparsette, Mager- wiesenkleearten Heufalter Ackersenf, Raps, Kresse Weisslinge Wegerich Schneckenfalter, Wegerichbär, Weissfleck- Widderchen, Schwarzes C (28) Lieschgras, Knäuelgras, Schaf- schwingel Schachbrett Disteln Distelfalter 
Wicken, Magerwiesenkleearten, Hauchechel Bläulinge Knäuchelgras, Pfeifengras, Rispengras, Wiesenlieschgras, Trespe Dickkopffalter, Augenfalter Skabiosen, Lichtnelken, Witwenblume Skabiosenschwärmer Weiden Schillerfalter, Trauermantel, Grosser Fuchs, viele Spinner und Spanner, diverse Eulen (101) Birken Kleines Nachtpfauenauge, Nierenfleck, Wei- denbohrer, Kleine Pappeleule, Eidechsen- sichler, Grünes Blatt (85) Hasel Weissdornspinner, 
Grosser Frostspanner, Mondfleck, Haseleule (19) Eiche Blausieb, Eichenzipfelfalter, Eichenspinner, Kleiner Frostspanner, Schneespanner, Eck- fleck, Rotschwanz, Kohleule, Gründe Eicheneule (69) 
Weissdorn Blausieb, Segelfalter, Kupferglucke, viele Spanner und Eulen (65) Schwarzdorn (Schlehe) Segelfalter, Baumweissling, Kleines Nacht- pfauenauge, Nachtschwalbenschwanz,. viele Spanner und Eulen (54) Liguster Kreuzflügel, Ligusterschwärmer (11) Geissblatt Kleiner Eisfalter, Spanner, Eulen (15) Brom- und Himbeere Brombeerzipfelfalter, Kleines Nachtpfauen- auge, diverse Spinner, Spanner und Eulen (34) zusammengestellt nach Carter und Hargrea- ves: Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. Paul Parey 1987 sowie einem Mitteilungsblatt des WWF: Futter- pflanzen von Schmetterlingen * Die Zahlen in Klammern geben die Anzahl Schmetterlingsarten wieder, welche von der entsprechenden Futterpflanze fressen.
        

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