Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
27
Erscheinungsjahr:
1990
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_27/15/
Dr. Dietmar Possner Studierte Biologie und Biochemie an der Universität Zürich. Nach dem Dok- torat folgte ein Forschungsaufenthalt in den USA. Er ist heute Lehrer für Biolo- gie und Chemie am Liechtensteinischen Gymnasium. Dietmar Possner ist 'Vize- Präsident der LGU. angewiesen. Am Beispiel der Blütenökologie sollen einige Zusammenhänge aufgezeigt werden. Kurzrüsselige Insektenarten (Käfer, Wanzen, Zweiflügler, einige Hautflügler) erreichen auf natürliche Art nur den Nektar von kurzen oder offenen Blütenkelchen (Apfel, Birne, Brombeere, Himbeere, Weissdorn, Schnee- ball, Pfaffenhütchen, Kornelkirche, Felsen- birne, Liguster, Berberitze): Aasfressende In- 
Liecht. Umweltbericht, Mai 1990 
Seite 15 Ökologische Funktion einheimischer Gartenpflanzen Jeder Gartenbesitzer verwaltet ein Stück Natur, dem heute eine andere Bedeutung zukommt als früher. Er wäre auf Unverständnis gestossen, hätte er innerhalb seines Gartens eine Blumenwiese angelegt. Davon gab es rundherum ja um Übernuss. Also pflegte man vorwiegend «nützliche», schöne, auch seltene Blumen. Gemüse, Kräuter und exoti- sche Mitbringsel weitgereister Leute. Damit war der Garten, innerhalb der noch anders bewirschafteten Umgebung, eine Insel, wo der Mensch der Natur eine besonders künstliche Ordnung gab und damit aufs Ganze gesehen die kulturelle Vielfalt der Landschaft erhöhte. Heute liegen die Dinge jedoch anders. Dietmar Possner, Gamprin 
  Die «Roten Listen» dokumentieren den dro- 
henden Untergang von rund einem Drittel unseer Wildpflanzen. Auch eine stattliche Anzahl von Säugetieren, Vögeln, Kriechtie- ren und Lurchen, dazu nicht wenige Insekten, vor allem Schmetterlinge, verlängern diese Listen. Der bedauernswerte Artenschwund kann durch ein paar Wildsträucher mehr oder weniger im Garten sicher nicht wieder rück- gängig gemacht werden. Dafür sind unsere Gärten und Grünanlagen viel zu klein. An- derseits wird der Einfluss der Gartenbesitzer aber auch leicht unterschätzt. Garten als Refugium Die unzähligen Hobbygärtner bebauen näm- lich, alle zusammengenommen, ein respekta- bles Stück Land, welches bei geschickter Ge- staltung nach dem Vorbild der Natur dazu, 
  beitragen könnte, das bestehende Ungleich- gewicht zwischen Gepflanztem und Gewach- senem, Künstlichem und Natürlichem, Neu- em und Alten, Kräutern und «Un«kräutern  etwas einzupendeln.  Ein Naturgarten kann eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren beherbergen, die je län- ger je mehr aus den intensiv genutzten umlie- genden Flächen verdrängt werden. Den priva- ten Gärten kommt heute eine wichtige Funk- tion als ökologische Ausgleichsflächen zu. Solche Ausgleichsflächen haben die Aufgabe, zwischen den eigentlichen Naturschutzgebie- ten zu vermitteln, Verbindungspunkte zu bil- den, derart, dass ein möglichst dichtes Netz an «Trittsteinen», «Brücken» bzw. Refugien entsteht, welches verhindert, dass die eigentli- chen Naturschutzgebiete zu stark «verinseln». Man muss sich also bewusst sein, dass die ökologische Bedeutung eines Gartens weit über den Gartenzaun hinausreicht. Wildsträucher als Nahrung für viele Tiere Tier- und Pflanzenwelt haben sich während einer langen Entwicklungsgeschichte aufein- ander abgestimmt. Viele Tiere leben von Blättern (Raupen, Käfer), Blüten (Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Käfer), Früchten (Vögel, 
Mäuse, Käfer), vom Saft, Trieb oder Holz (Läuse, Zikaden, Wanzen, Schmetter- linge, Käfer) ganz bestimmter Pflanzen und nicht wenige Pflanzen sind ihrerseits zur Be- stäubung und Verbreitung auf gewisse Tiere 
sekten werden besonders durch den Aasge- ruch von Holunder, Traubenkirsche oder Weissdorn angezogen, den sog. Fliegenblu- men. Insekten mit längerem Rüssel (viele Hautflügler, Schmetterlinge) kommen auch als Besucher von längeren und engeren Blü- tenkelchen in Frage (Alpenrose, Seidelbast). Langkelchige oder speziell konstruierte Blü- ten (Ginster, Heckenkirsche, Geissblatt) wer- den dagegen allein von langrüsseligen Insek- ten (wenige Hautflügler, viele Schmetterlin- ge) genutzt. Einige Insekten, die so nicht an den Nektar im Blütenboden herankommen, fressen die ganze Blüte (Blatthornkäfer) oder öffnen sie sogar seitlich (Hummeln, Wespen). Darüber hinaus dienen Blüten bei bestimm- ten Arten sogar als Brutort (Bohrfliegen, Himbeerblütenstecher, Blütenspanner). Die Blüten von Ziersträuchern sind nicht sel- ten für die einheimischen Insekten wertlos. Es handelt sich um spezielle Formen, die häufig ganz bestimmte Bestäuber benötigen, die bei uns nicht vorkommen (Fledermausblumen, Vogelblumen, besondere Insektenblumen; Witt 1983). So erstaunt es nicht dass jene Baum- und Straucharten die meisten Tiere beherbergen, die schon lange im betreffenden Gebiet vorkommen («Einheimische») und die im Gebiet häufig sind bzw. es lange waren. Die einheimische Eberesche (Sorbus aucupa- ria) zum Beispiel wird von über 50 Singvoge- larten angeflogen, ihe exotisches Gegenstück, die Bastard-Eberesche (Sorbus hybrida) nur von vier Arten. Beim einheimischen Wach-
        

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