Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_26/3/
Liecht. Umweltbericht, Dezember 1989 
Seite 3 Flächen unterscheiden. Diese Anforderungen sind auf Flächen mit einem geringen Eutro- phierungsgrad und/oder im Falle dynamischer Landschaftsvorgänge gegeben. 
Die Verlust- bilanz solcher Lebensräume ist erschreckend. Die folgenden schweizerischen Daten mögen dies andeuten: — 
Seit 1800 verschwanden rund 90 % der Feuchtgebiete. — Der Rückgang der trockenen Blumen- wiesen liegt ebenfalls bei über 90%. Dieser Verlust trat weitgehend erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. — Zwischen 1951-1985 wurden in der Schweiz 2550 km Bäche korrigiert, in eini- gen Mittellandkantonen ist gar die Hälfte der Bäche verschwunden. — 
Der Anteil der naturnahen Uferzonen an der Ufergesamtlänge der grösseren Mittel- landseen beträgt heute weniger als 30 %. — 
In den letzten 20 Jahren dürften rund 30 % der Feldgehölze des Mittellandes beseitigt worden sein. — In den letzten 40 Jahren sind mehr als drei Viertel aller hochstämmigen Obstbäume gefällt worden, alleine zwischen 1961-81 fand gesamtschweizerisch eine Halbierung des Feldobstbestandes statt. 
— Der in den tieferen Lagen von Natur aus dominierende Laubwald hat sich als Folge- der Bewirtschaftung auf rund 40 Prozent seines Potentials vermindert. Ökologische Konsequenzen des Landschaftswandels Diese Vorgänge sind mit den folgenden be- deutsamen Veränderungen für die die Tier- und Pflanzenwelt verbunden: Verlust an Landschaftsdynamik Der Verlust an Landschaftsdynamik hat zur Folge, dass das natürliche Mosaik verschiede- ner Arten- und Lebensgemeinschaften-Abfol- gen mit ihrer jeweils charakteristischen Tier- und Pflanzenwelt in räumlicher und zeitlicher Dimension aufgebrochen wird. Eine, dem na- türlichen Abfolgen-Zyklus unterstellte Wan- derung der Tierarten ist nicht mehr möglich, weil die einzelnen naturnahen Flächen von- einander isoliert sind. Sollen der Charakter solcher Lebensgemeinschaften erhalten blei- ben, ist der Mensch gezwungen, pflegend ein- zugreifen. Die künstliche Stabilisierung der natürlichen Entwicklung muss sich auf jene Arten besonders negativ auswirken, die sich von Natur aus schnell ändernden Bedingun- 
gen gut anpassen können (Pioniere) oder de- ren Verbreitung massgeblich über die Ver- frachtung durch Wind und Wasser abläuft. Biotopverkleinerung und Biotopverinselung Der Prozess der Aufsplitterung, Schrumpfung und Isolation naturnaher Biotope in der in- tensiven Kulturlandschaft schafft mit Meeres- inseln bedingt vergleichbare Situationen. Die Beseitigung von Biotopen bzw. die Verkleine- rung der Inselflächen ziehen direkte Lebens- raumverluste nach sich und begrenzen das Ressourcenspektrum und den Energiehaus- halt. Zusätzlich zur Verkleinerung der Bio- tope verschlechtert sich als Folge der äusseren Einflüsse in vielen Fällen auch das qualitative Angebot (indirekter Lebensraumverlust). Die ansässigen, nur in einem engen Lebens- bereich vorkommenden (stenöken) Arten fin- den nur noch suboptimale Lebensbedingun- gen vor, wodurch ihre Konkurrenzkraft ge- schwächt wird. Auf der anderen Seite werden einzelne Biotope durch die Veränderung der Milieubedingungen auch für biotopfremde Arten erschlossen, da diese hier insgesamt ein günstigeres Angebot antreffen als in der in- tensiv genutzten Agrarlandschaft. Anziehung biotopfremder Arten durch die optimaleren Bedingungen auf den Biotopinseln und die Verdrängung der Kulturlandarten durch die intensive Nutzung verstärken sich so gegen- seitig und verschlechtern insgesamt die Kon- kurrenzsituation der ursprünglichen Biotop- bewohner. Beseitigung von Landschaftsstrukturen Die Beseitigung von Landschaftsstrukturen beraubt viele Arten ihres Lebensraumes oder eines Teils ihres Ressourcenangebotes. Der Strukturverlust in der Agrarlandschaft erhöht aber insbesondere den Isolationsgrad der ver- bliebenen Biotope. Die Zerstörung der natur- nahen Biotope findet in den Artenverlusten ihre Fortsetzung: So gelten für die Schweiz u. a. folgende Daten: — 47 Prozent der Brutvogelarten sind be- droht, 5% bereits ausgestorben. — 24 von insgesamt 101 Brutvogelarten des Waldes finden sich auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten, was bei gegebener statistischer Waldzunahme auf qualitative Defizite auch im Wald hinweist. — Nur 20% der Amphibien und Reptilien sind derzeit noch nicht gefährdet. — 39 Prozent der Tagfalter sind bedroht. Schmetterlingsfachleute schätzen, dass im Schweizer Mittelland rund hundertmal weniger Tagfalter fliegen als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. — 60 Prozent der Libellen sind gefährdet. — 33 Prozent der Gefässpflanzen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten und selte- nen Arten, im östl. Mittelland gar 56%. Mindestflächen und strukturelle Anforderungen Zur Erhaltung von Arten in ihren Biotopen sind Kenntnisse der Lebensraumansprüche unentbehrlich. Angaben zu Mindestflächen, zu maximal überbrückbaren Distanzen zwi- schen den Biotopen sowie qualitative Aussa- gen zur Ausstattung der Landschaft mit tier- ökologisch wertvollen Strukturelementen lie- gen derzeit nur fragmentarisch vor. Diese wä- ren aber als Entscheidungsgrundlagen für den Naturschutz-Alltag bedeutsam. Die in der einschlägigen Literatur vorhandenen Aussa-
        

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