Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_26/20/
Seite 20 
Liecht. Umweltbericht, Dezember 1989 tersuchung müssen wirtschaftlich vertretbar sein. Es ist jeweils zu berücksichtigen, dass das freilebende Tier jeweils ausschliesslich über die Qualität und Grösse des eigenen Biotops als Indikator fungiert. Das bedeutet, dass z.B. ein Regenwurm zumeist nur als Weiser 
für wenige Quadratmeter fungiert, während die Untersuchung von Rotwild doch über Le- bensräume von unter Umständen bis oder sogar über mehr als 10 000 ha Auskunft gibt. Direkte und indirekte Einflüsse Die Untersuchungen der Umweltbelastung durch das Forschungsinstitut für Wildtierkun- de erstrecken sich auf das gesamte Bundesge- biet. Aber auch in benachbarten Ländern wurden und werden von uns Untersuchungen durchgeführt: so z.B. in der BRD, in der Schweiz, in Liechtenstein, in Italien, in Jugos- lawien und in Ungarn. Bei den auf freilebende Tiere einwirkenden Umweltbedingungen muss hinsichtlich der Art ihrer Einwirkung zwischen direkten und indirekten Einflüssen unterschieden werden. Zu den direkten zählt man jene, unmittelbar auf das Tier einwirken, z.B. Spritzmittel oder Autoabgase, die unter Umständen nicht nur auf die Pflanze, sondern auch direkt auf den Körper des Tieres gelangen oder von diesem zumindest mit der Nahrung, dem Wasser oder der Luft aufgenommen werden. Überraschen- derweise ist die zumindest derzeit von uns festgestellte Belastungsintensität durch diese Art der Schädigung von weit geringerer Be- deutung, als wir vor der Durchführung exak- ter Untersuchungen angenommen haben. Schadstoffeinträge können Tod bewirken Zu einer für freilebende Tiere sehr nachtei- ligen Wirkung führt die Ausbringung von Prä- paraten auf landwirtschaftliche Flächen in all jenen Fällen, in denen die Aufnahme der damit behandelten Pflanzen für einen be- stimmten Zeitraum für Mensch und Tier ge- sundheitsgefährdend ist und deshalb verhin- dert werden muss. Freilebende Tiere gelan- gen aber unbehindert an diese Pflanzen, fres- sen sie, nehmen damit die schadstoffbelastete Nahrung auf und erleiden dadurch nachweis- lich Vergiftungen, die oftmals sogar zum Tod der Tiere führen. Andererseits gibt es Präparate, deren Ver- träglichkeit für Tiere vom Erzeuger viel zu hoch angegeben wird. Dies vor allem deshalb, weil die Toxizitätsprüfungen international im- mer nur an erwachsenen, absolut gesunden, gut ernährten, in vollklimatisierten Räumen gehaltenen Tieren durchgeführt werden. In freier Wildbahn werden aber mit dem Pro- dukt auch junge, gravide, kränkliche, hun- gernde, klimatischen und sozialen Stressoren ausgesetzte Tiere kontaminiert, die, wie wir in Exaktversuchen festgestellt haben, nur et- wa ein Zehntel der vom Hersteller angege- benen Dosierung ohne Schädigung vertragen. Doch nicht nur die Schadstoffeinträge bela- sten ein Ökosystem, sondern ebenso andere Faktoren wie räumliche Veränderungen, aku- stische Reize usw.. Durch die Messung der psychischen Belastungen der Tiere kann man unter anderem die Auswirkungen der Ver- bauung eines Gebietes durch Siedlungen, Verkehrswege, Flussregulierungen, aber auch die der Störeinflüsse des Tourismus auf den Funktionszustand eines Ökosystems prüfen. Auch die Auswirkungen der diversen land- und forstwirtschaftlichen Nutzungstechniken und die der Wildbewirtschaftung auf die Qua- lität und Grösse des effektiv nutzbaren Le- bensraumes für die freilebenden Tiere kön- nen mit Hilfe solcher Analysen sehr genau erfasst werden. 
Verschiebung des Nahrungsengpasses So konnte z. B. erst durch die Messung der Intensität des Gesamtstoffwechsels und der Energiereserven (Fett und Glykogen in der Leber) im Tierkörper der Nachweis erbracht werden, dass für das Niederwild in den Intensiv-Ackerbaugebieten der einst im Spät- winter gelegene Nahrungsengpass, der für die Tragfähigkeit eines Lebensraumes bestim- mend ist, nicht mehr wie einst im Winter, sondern nach dem Abernten der Hauptfrucht im Spätsommer liegt. Ebenso war es erst mit Hilfe dieser Untersuchungstechniken mög- lich, die körpereigenen Energiereserven zu messen. Diese Fähigkeit hat sich bei den ein- zelne Tierarten (z.B. Rot-, Reh-, Gamswild) erst im Zuge der Entwicklungsgeschichte im Interesse der Ackerhaltung im Laufe von Mil- lionen von Jahren entwickelt, um den Tieren die Chance zu geben, die nahrungs- (äsungs-) -arme Zeit zu überwinden. Durch die vom Menschen verursachten Stö- rungen kommt es beim Wild zu einer Erhö- hung des Energieverbrauches, wodurch die Energiedepots schon frühzeitig erschöpft wer- den, was zu einer gravierenden Minderung der Kondition und damit des Gesundheitszu- standes und in der weiteren Folge zu einer Erhöhung der Fallwildverluste führt. Änderungen in der Bodennutzung zulasten des Wildes Innerhalb der letzten 45 Jahre hat sich in Österreich die Bodennutzung entscheidend -verändert. Bezogen auf die .Gesamtwirt- schaftsfläche hat der Wald von 37 auf 40 Prozent zugenommen. Dies entspricht einer relativen Steigerung um etwa 8 Prozent. Auch der Anteil der verbauten und sonstigen land- wirtschaftlichen nicht genutzten Areale ist von 13 auf 18 Prozent angestiegen, was einem relativen Anstieg um 38 Prozent entspricht. Das Grünland und die ackerbaulich genutzte Fläche haben hingegen von 28 auf 24 (= eine relative Minderung um fast 9 Prozent) bzw. von 22 auf 18 Prozent (= relative Abnahme um 18 Prozent) abgenommen.
        

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