Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_26/2/
Seite 2 Liecht. Umweltbericht, Dezember 1989 Mindestbedarf an naturnahen Flächen in der Kulturlandschaft — dargestellt am Beispiel des schweizerischen Mittellandes Aufgabe des Arten- und Biotopschutzes ist die Gewährleistung des Weiterbestandes unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Nachdem die meisten naturnahen Räume in den landwirtschaftlichen Gunstlagen hart bedrängt und teils weiträumig verschwunden sind, müssen daher in imperativer Form Mindestforderungen an die Ausstattung der Land- schaft gestellt werden. Mario F. Broggi, Vaduz Im Rahmen des schweizerischen National- fonds, Programm «Boden» (Bericht Nr. 31, Nov. 1989), erhielt der Autor die Aufgabe übertragen, den Mindestbedarf an naturna- hen Flächen in den landwirtschaftlichen Gunstlagen zu ermitteln. Das Ermitteln der ökologischen Ansprüche der einzelnen Arten an ihre Lebensräume stellt eine komplexe Aufgabe der Grund- lagenforschung dar, die erst in jüngerer Zeit an die.Hand genommen wurde. Gestützt hier- auf werden auch konzeptionelle Ansätze für den Naturschutz entworfen, die allerdings nur zögernd den Weg zum Anwender finden. Hier will die erwähnte Studie einen Beitrag leisten, indem sie versucht, den Forschungs- stand nachzuzeichnen und die Fülle des vor- liegenden, aber weit verstreuten Datenmate- rials, zu bündeln. Es war zu erwarten, dass diese Aufgabe nicht für alle naturnahen Bio- toptypen mit derselben Aussagekraft zu erfül- len ist und dass vor allem im Wissensstand Lücken bestehen, die eine in allen Teilen wissenschaftlich breit abgestützte Darstellung nicht zulassen. Die vorgelegten Aussagen sind daher mit einem holzschnittartigen Bild zu vergleichen, das zwar Details generalisiert, die Situation aber dennoch einzufangen vermag. Literatur: Mario F. Broggi / Heiner Schlegel: Mindestbedarf an naturnahen Flächen in der Kulturlandschaft; Bericht 31 des Nationalen Forschungsprogramms «Boden»; Liebefeld- Bern, 1989 
In Mitteleuropa ist es meist der klare Wille des Gesetzgebers (vgl. div. Naturschutzgeset- ze), weitere Naturraum- und Artenverluste zu vermeiden. Trotzdem wird Naturschutz noch kaum als eine weitere Form der Landschafts- nutzung wahrgenommen, die auch Platz be- nötigt. Gerade weil die räumlichen Verhält- nisse enger geworden sind, muss dieser An- spruch deutlich angemeldet werden. Dessen Grössenordnung aufzuzeigen, ist das Ziel die- ser Studie. Der Landschaftswandel Nach dem Zweiten Weltkrieg und markant verstärkt ab 
den 1960er Jahren hat sich das Bild der Landschaft unter dem Einfluss der allgemeinen Nutzungsintensivierung, dem ausufernden Siedlungsbau und dem Ausbau der Infrastruktur entscheidend gewandelt. Als Folge davon sind beispielsweise in der Schweiz seit 1952 rund 150 000 ha landwirt- schaftlicher Nutzfläche verloren gegangen. Der Siedlungs- und Infrastrukturausbau übt über die Beanspruchung des landwirtschaftli- chen Produktionsfaktors «Boden» einen Druck auf die Landwirtschaft aus, den diese über die Intensivierung teilweise auf die bis- her eher extensiv genutzten, naturnahen Flä- chen überträgt. Die Bautätigkeit ist somit, neben der direkten Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, über den Flächenver- schleiss indirekt auch stark an der qualitativen Veränderung der Landschaft beteiligt. Ausge- löst durch diesen Nutzungsdruck sowie den landwirtschaftlichen Strukturwandel (z. B. Zunahme des zugekauften Düngers, gemes- sen in Reinstickstoff, von 1951/60-1976/80 um mehr als das Vierfache) wurde die Land- wirtschaft durch ihr flächiges Wirken zum 
grössten Verursacher des Artenrückgangs der einheimischen, wildlebenden Pflanzen- und Tierwelt. Von der Vielfalt zur Restnatur Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit sind die naturnahen Flächen in der intensiv genutzten Landschaft. 
Als naturnah gelten Biotoptypen, die sich durch eine höhe- re Artenvielfalt und/oder das Vorkommen seltener Arten von den intensiv  genutzten
        

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