Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_26/18/
Seite 18 Liecht. Umweltbericht, Dezember 1989 Grundsätze Wichtig erscheint, dass im naturnahen Was- serbau nicht nur die Baustoffe gewechselt werden, sondern vor allem aktive Wasserwirt- schaft betrieben werden muss. Das soll heis- sen, dass die scheinbar billigen Ressourcen Wasser, 
Wasserkraft und Überschwem- mungsgebiete im Rahmen einer sinnvollen Raumordnung, einer ernsthaften Natur- schutzpolitik, einer gesprächsbereiten Ener- giepolitik und einer konsequenten Umwelt- schutzpolitik behandelt werden. Und zwar entsprechend ihrer tatsächlichen Bedeutung für die Trinkwasserversorgung, Abwasserent- sorgung und für die Erhaltung der noch vor- handenen Pflanzen- und Tierarten. Das heisst auch, dass offen diskutiert werden muss, welche Gewässerstrecken nicht durch Gewässerausbau beeinträchtigt werden dür- fen bzw. wo noch Eingriffe möglich erschei- nen. Man wird sich an die Null-Varianten da oder dort gewöhnen müssen. Gewässeraus- bau nach konventionellen, d.h. naturfernen Kriterien entspricht nicht mehr dem Stand des Wissens und dem Stand der Technik und ist daher abzulehnen. Dort wo Gewässerausbau erforderlich ist, müssen folgende allgemeine Grundsätze be- folgt werden: • Gewässerausbau sollte mit dem geringst- möglichen Ausmass an Eingriffen auskommen, • eine Änderung des Gewässers sollte unter Einbeziehung naturräumlicher Gegebenhei- ten (Auen, Altarme, Altwässer) sowie von Ausgleichsflächen erfolgen. Wenn z. B. durch räumliche Begrenztheit eine Anlehnung der Linienführung an den unverbauten Fluss ver- hindert wird, bzw. natürliches Mäandrieren unmöglich ist, sollten alte Flussschleifen be- lassen und in das neue Gerinne integriert werden. Die Möglichkeit, durch Altarm- gestaltung Ausgleichsmassnahmen zu setzen, sollte genutzt werden. Allerdings müssen Ausgleichsflächen für ver- lorengegangene ökologisch relevante Flächen auch wieder für diesen Zweck und nicht für andere Nutzungen, z.B. Erholung, gewidmet werden. Weiters: • Fragen des Restwassers und von Bagger- gutdeponien, der Veränderung der Wasser- qualität und des Grundwasserregimes sind bei der Planung mitzubehandeln. • Jede Massnahme sollte so gestaltet wer- den, dass sich nach einiger Zeit ein der ur- sprünglichen Charakteristik des Gewässers ähnlicher Zustand einstellen kann. • Wichtig ist es, vielfältige Strukturen zu er- halten oder direkt zu initiieren. Wechselnde Gerinnebreiten und -tiefen, unterschiedliche Substratbeschaffenheiten, Kolke und Flach- wasserzonen, Inseln und standortgerechter Bewuchs begünstigen die Entwicklung von Artenvielfalt im und am Gewässer. • Der Verwendung lebender einheimischer Pflanzen als Baustoff kommt unter Bedacht- nahme auf Standort, Klima und Wahrung der Artenvielfalt besondere ökologische Bedeu- tung zu. Geeignete Standorte sollten auch einer natürlichen Sukzession mit geringfügi- gen steuernden Pflegemassnahmen überlas- sen werden. Im besonderen führen Flussstaue durch die Zerstückelung von Fliessgewässern und Ver- änderungen der Fliessverhältnisse zu tiefen Eingriffen für die limnische Lebewelt. Ökolo- 
gische Gesichtspunkte müssen bei der Pla- nung solcher Anlagen daher besonders beach- ten und z.B. Fischaufstiege angeordnet wer- den, wie es z. B. an der Salzach versucht wurde. Wie eine Reihe von Flussstauen zeigt, können in den Stauwurzelbereichen von solchen An- lagen durch entsprechende Geländegestal- tung Inseln und Verlandungszonen mit Röh- richt- und Weichholzstandorten geschaffen werden. Damit wird die wasserbautechnische Funktion nicht gestört, zusätzlich aber ökolo- gische Ausgleichsflächen, z. B. als Brut- und Rastplatz für Wat- und Wasservögel, gewon- nen. Auch können an südseitigen Dammflä- chen trockenwarme Standorte als Lebens- raum oft bereits gefährdeter Insektenarten angeboten werden. Andere Dammteile kön- nen bei entsprechender Dimensionierung und Gestaltung standortgerecht aufgeforstet wer- den und so Ausgleich für verlorengegangene Gehölzbestände bieten, auch wenn es sich nicht mehr um Austandorte handelt. Der mit naturnahem Wasserbau verbundene Mehr- aufwand an Mitteln und die erhöhte Grund- beanspruchung müssen heute einkalkuliert werden, um zweckmässige und der notwendi- gen Mehrfachnutzung entsprechende Anla- gen zu gewährleisten. Um naturräumliche Gegebenheiten in Pla- nungen einbeziehen zu können, sind umfas- sende Aufnahmen des Geländes, der Grund- wasser-, Abfluss- und Lebensraumverhältnis- se erforderlich. Durch die komplexen Fakto- renverflechtungen lassen Planungen für na- turnahen Wasserbau nur dann Erfolge erwar- ten, wenn von Anfang an Limnologen, Land- schaftsökologen und Wasserbauer eng zusam- menarbeiten. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ent- spricht aber der besonderen Problematik auch deshalb, weil jeder Abschnitt eines Fliessge- wässers individuell zu sehen ist und daher jeweils darauf zugeschnittene Lösungen erfor- dert. Pauschallösungen können diesem An- spruch nicht gerecht werden. Schliesslich sind 
alle aufgerufen, noch vorhandene Fronten, die sinnvolle Lösungen verhindern, abzubau- en. Denn schliesslich geht es nicht um den Wasserbau an sich, sondern darum, was mit den Massnahmen des Wasserbaues an positi- ven Werten für unsere Gesellschaft geschaf- fen — aber auch erhalten werden kann. 
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