Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
26
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_26/17/
Liecht. Umweltbericht, Dezember 1989 
Seite 17 eine ähnliche Artenzahl entfällt auf andere wirbellose Tiere, wobei mehr als die Hälfte dieser Arten in Fliessgewässern vorkommt. Das Artenspektrum von Aufwuchsalgen und anderen Mikroorganismen ist noch viel reich- haltiger. Neben der überaus grossen Formen- fülle dieser Organismengruppe bewirken aus- serordentlich grosse Unterschiede in der Indi- viduenhäufigkeit bzw. im relativen Anteil ein- zelner Organismenarten an der. Gesamtbiozö- nose eine weitere Vielfalt in der tatsächlichen Zusammensetzung der Fliessgewässer-Le- bensgemeinschaften. Vor allem aber bedin- gen räumliche und zeitliche Veränderungen der physikalischen. chemischen und biologi- schen Umweltfaktoren und das ganz spezifi- sche Reagieren der einzelnen Organismenar- ten auf gewisse Milieubedigungen und Mileu- veränderungen eine überaus grosse Komple- xität der Fliessgewässer-Ökosysteme. Fischregionen Wesentlich für die spezifische Lebewelt eines Gewässers sind die Temperatur- und Strö- mungsverhältnisse, aber auch das Substrat so- wie Altwasser, Ausstände und Überschwem- mungsräume mit ihrer Wechselwirkung zum Gewässer (JUNGWIRTH, 1980). Vom Oberlauf eines Flusses bis zum Unter- lauf ändern sich für Fische und andere im Wasser lebende Organismen neben den Sub- stratverhältnissen und morphometrischen Strukturen weitere Lebensbedingungen, wie Temperatur, Sauerstoffgehalt, Gehalt an Nährstoffen oder Laichmöglichkeiten. Häufig werden zu Zonierungsversuchen der Fliess- gewässer vorherrschende Fischarten verwen- det. Während in Gebirgsflüssen Forellen und Äschen angetroffen werden, sind es in Niede- rungsgewässern vor allem in der Barben- region Flussbarbe, Näsling und Huchen. Die- se benötigen vor allem klares Wasser und Kiesflächen als Laichplätze. In der sogenann- ten Brachsenregion leben bei höheren Was- sertemperaturen sowie geringerer Strömung neben der Brachse auch Karpfen, Schleie, Rotauge, Rotfeder, Hecht, Barsch und Zander. Gewässerbegleitende Land- Tierwelt Die gewässerbegleitende Tierwelt umfasst u.a. Vögel, Fliegen, Wespen, Falter, Spin- nen, Käfer, Kleinsäuger, Reptilien, Fische, Schnecken, Würmer, Larven, Schalentiere. Während bei Wirbellosen oft eine starke Ab- 
hängigkeit von bestimmten Pflanzenarten ty- pisch ist, spielen bei Wirbeltieren, insbeson- dere Warmblütern, Struktureigenschaften der Vegetation eine entscheidende Rolle, damit diese als Lebensraum akzeptiert wird. Für viele Arten ist der Gewässer-Ufer-Be- reich Reproduktions- (A), Nahrungs- (B) und Rückzugsraum (C) und erfordert damit oft ganz spezielle Strukturen des Ufers. Abbil- dung 10 zeigt den Lebensraum eines Eisvogels nach WOLF (Erscheinungsjahr 
 unbekannt). Für zahlreiche Wildtierarten bilden Hiess- gewässer mit ihrer Saumvegetation in einer oft «ausgeräumten» Landschaft bevorzugte Nist- und Setzeinstände oder dienen als Wechsel- und Wanderrouten. Gewässerumbau und Gewässerrevitalisierung Unter Gewässerumbau sind alle physischen Massnahmen an und in Gewässern zu verste- hen. Gewässerumbau kann u. a. zum Ziel haben: • 
Neubau von Wasserkraftanlagen • 
Umbau von Wasserkraftanlagen, z.B. zur Änderung der Restwasserdurchflüsse, zur 
Auerhaltung, durch Einbau von Fischtreppen u.a. • Umbau von Fliessgewässern zur Verbesse- rung des Hochwasserschutzes, z.B. zur Ver- grösserung des fliessenden Hochwasserrrück- haltes, zur Sohlstabilisierung, als letztmalige Massnahme nach Aufgaben eines Mühlen- wasserrechtes u. a. • Anlegen von Speichern z.B. zur Verände- rung des Hochwasserabflusses oder der Nied- rigwasserabflüsse • Verbesserung der ökologischen Leistungs- fähigkeit eines Gewässers oder einer Land- schaft, z.B. durch bewusste Einbeziehung von Gewässern als Teil  einer Biotopvernet- zung oder die Öffnung einer Verrohrungs- strecke, die Entfernung von Pflasterungen u. a . • Verbesserung des Landschafts- oder Orts- bildes und der Erholungsfunktion eines Ge- wässers. Gewässerumbau kann den derzeitigen Zu- stand des Gewässers hinsichtlich • Gewässergüte, • Linienführung, • 
Morphologie, • 
Dynamik, • Durchflüsse, Geschiebe- und Schwebstoff- haushalt, • Grundwasserbeeinflussung (z. B. Grund- wasserspiegelschwankungen), • Bewuchs und hinsichtlich der • Vernetzung mit dem Umland verändern. Hat der Gewässerumbau die Wirkung, dass ein Zustand des Gewässers hervorgerufen wird, der dem ehemaligen natürlichen Zu- stand des Gewässers näherkommt als der der- zeitige oder dass der neue Zustand ökologisch oder aus der Sicht des Landschaftsbildes bzw. Ortsbildes höher als der derzeitige Zustand zu bewerten ist, dann kann von Revitalisierung eines Gewässers gesprochen werden. Der Wert einer Revitalisierung wird derzeit aber wahrscheinlich in Zukunft noch mehr, aus ökologischer Sicht hergeleitet werden (KAUPA, 1989).
        

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