Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
25
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_25/4/
Seite 4 Liecht. Umweltbericht, Juni 1989 Liechtensteins Lärmquellen Lärm ist vor allem Lärm aus dem Strassenverkehr. Zu diesem Ergebnis gelangen Erhebungen in Liechtenstein ebenso wie in der Bundesrepu- blik Deutschland. Der Fortschritt, so scheint es, kommt lautstark daher. Man darf allerdings auch berechtigte Zweifel über die Qualität eines solchen Fortschritts hegen. Betrachtet man die exponentielle Zunahme des Motorfahrzeugbestandes während der letzten Jahrzehnte in Liechtenstein, erstaunt es nicht, dass der Strassenverkehr die Liste der Lärmverursacher anführt (s. Tabelle). An dieser Tatsache wird sich in den nächsten Jahrzehnten vermutlich nichts Grundlegendes ändern. Verkehrslärm ist ein Abfallprodukt der Zivilisation geworden, für das allerdings noch kein zufriedenstellendes Entsorgungssy- stem existiert. Ist es wohl charakteristisch für eines der wohl- habendsten, nicht aber unbedingt grössten Länder der Welt, dass das Baugewerbe die 
zweite Stelle und die Nachbarschaft knapp dahinter die dritte Stelle in dieser Liste der Lärmverursacher einnimmt? Liechtenstein durchläuft zur Zeit wieder einen eskalieren- den Bauboom. Müssig zu sagen, dass dort wo Häuser erstellt werden auch Garagen entste- hen. Es scheint tatsächlich nur noch den einen Tag im Dezember zu geben und an diesem einen Tag nur noch den Abend, an dem die geheimnisvolle Anziehungskraft einiger be- sinnlicher Stunden stärker wirkt als der Lock- ruf der Strasse. Höhere Lärmempfindlichkeit während der Nacht Da der Strassenverkehr die Lärmquelle Num- mer eins darstellt, erstrecken sich die Haupt- lärmzonen natürlich entlang den Hauptver- kehrsstrassen (vgl. untenstehende Abbil- dung). Wird der Mensch auf den Lärm auf- merksam gemacht, ist er sehr wohl in der Lage, den Schallpegel abzuschätzen, aller- dings nicht in Dezibel, sondern in Attributen wie «praktisch kein Lärm, manchmal etwas lärmig, ziemlich oft deutlicher Lärm oder ständig deutlicher Lärm». Ein Vergleich mit den vor Ort messbaren durchschnittlichen Dezibel-Werten erlaubt schliesslich die Um- rechnung von subjektiver in objektive bzw. von objektiver in subjektive Lärmeinschät- zung. Während sich laut Abbildung Befragung und Berechnung für die Tagwerte in hohem Masse decken, werden für die Nachtwerte zwischen subjektiver und objektiver Lärmeinschätzung deutliche Unterschiede feststellbar! Dies 
Lärm ist jener Schall, den wir zu ignorieren gelernt haben. kann dahingehend interpretiert werden, dass der Mensch nachts eben deutlich empfindli- cher auf Lärm reagiert als tagsüber. Zudem versteht der Befragte unter «nachts» vermut- lich nicht nur die Zeit zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr, sondern bereits auch die Zeitspan- ne nach Arbeitsschluss. In Tat und Wahrheit liegt die Reaktionsschwelle nachts bis zu 10 dB(A) tiefer (GRIEFAHN 1985). Eine höhere Lärmempfindlichkeit während der Nacht würde aber bedeuten, dass — restriktive Massnahmen wie Geschwindig- keitsreduktionen oder Fahrverbote in Wohngebieten vor allem abends und nachts greifen müssen, — Immissionsgrenzwerte für die Nacht deut- lich niedriger angesetzt werden müssen, als für den Tag, zumal die Erholungszeit in den Abend und in die Nacht fällt, — bewohnte Zonen um Gastbetriebe, Frei- zeitzentren, Abendschulen etc. erhöhten Lärmschutz brauchen. Zu hohe Schallwerte während der Nacht be- deuten aber auch, dass — viele Menschen nicht die Ruhepause erhal- ten, die sie eigentlich bräuchten, — viele Kinder dann schlafen müssen, wenn Erwachsene ihrer lärmintensiven Freizeit- beschäftigung nachgehen und dass — uns durch das Fehlen ruhiger Zeiten die Chance genommen wird, Stille überhaupt kennen und damit schätzen zu lernen! 
■
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.