Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
25
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_25/2/
Lärmmessungen haben gezeigt, dass Liechtenstein kaum mehr Gebiete ohne Lärmbelastung aufweist. Zu diesem Ergebnis gelangte sowohl eine von der Regierung in Auftrag gegebene Expertise, wie auch eine grossangelegte Umfrage einer Schulklasse des Liechtensteinischen Gymnasiums. 
Seite 2 Liecht. Umweltbericht, Juni 1989 Die nebenstehende Lärmkarte Liechtensteins entstand in den Jahren 1987/88 in Zusammen- arbeit mit Schülern des Liechtensteinischen Gymnasiums. Sie beruht einerseits auf einfa- chen Schallpegelmessungen an etwa 100 ver- schiedenen Stellen vorwiegend in unbewohn- ten Zonen des Talraumes und angrenzender Hanglagen, andererseits aber auch auf der persönlichen Einschätzung des Schallpegels von nahezu 700 Bewohnern. Die Lärmkarte veranschaulicht die durchschnittliche Schall- belastung während des Tages. Die einzelnen Zonengrenzen wurden ähnlich wie die Isoba- ren einer Wetterkarte gezogen. Aus dieser Karte ist ersichtlich, dass nur weni- ge (unbewohnte) Gebiete Liechtensteins an- nähernd frei von anthropogenen Schallimmis-   sionen  sind. Diese Gebiete wurden als 
B-Zone  bezeichnet: 
das untere Saminatal, das Valorschtal, der Osthang der Alp Gam perdona, das obere Valünatal und das obere Lawenatal. Vor Lärm der Kleinaviatik (Heli- kopter, Sportflugzeuge) ist man allerdings auch dort nicht sicher. 
B-Zonen sind Gebiete mit geringer Lärmbelastung, also einige Wald- und Riedflächen im Talraum, die rheintalseitigen Hanglagen des- Gebirges, das Malbuntal, das untere Valünatal und das obe- re Saminatal. In diesen Zonen sind je nach Aktivitäten 
und Witterungsverhältnissen Störgeräusche von fernem Strassenverkehr, Lautsprechern, Schiesslärm, Motorsägen, Traktoren und/oder Unterhaltsarbeiten an Strassen oder Gebäuden zu erwarten. Ein Schallpegel von 45 dB(A) wird allerdings sel- ten überschritten. Als 
C-Zonen wurden Ge- biete abgegrenzt, die bereits deutlich unter dem Einfluss des Strassenverkehrs stehen. Der mittlere Schallpegel bewegt sich hier tagsüber in der Regel zwischen 45 und 65 dB (A). Damit ist die mittlere Schallintensität bereits 100 bis 1000 mal höher als in den A- Zonen. Zu den 
D-Zonen zählen vorwiegend 
lärmige Durchgangsstrassen. Der Schallpegel überschreitet häufig 65 dB(A) und kann an besonders verkehrsintensiven Stellen Werte über 70 dB(A) erreichen, was im Vergleich zu den Naturgeräuschen der A-Zone einer etwa 10 000 mal höheren Schallintensität ent- spricht. Viel Lärm in Wohngebieten Zonen, die von Bewohnern als 
besonders lär- mig eingestuft wurden, sind in der Abbildung umkreist. Versucht man abzuschätzen, wie hoch der prozentuale Anteil der vier Lärmzonen A bis D an der bewohnten Fläche Liechtensteins ist, ergibt sich folgendes Bild: A-Zonen wer- den nicht bewohnt, B-Zonen nehmen 10% der bewohnten Fläche ein, C-Zonen 55 % und D-Zonen die verbleibenden 35 %. Für die Nacht, die übrigens laut internationalen Ver- einbarungen von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr dau- ert, verschieben sich die Werte zu Gunsten der ruhigeren Zonen. Trotzdem bleiben 5 bis 10 % in der D-Zone. Diese Zahl mag gering erscheinen, für die Betroffenen stellt die Be- lastung trotzdem ein Problem dar. Lärmim- missionen, die einen Wert von 65 Dezibel erreichen, müssen schon tagsüber als kritisch bezeichnet werden (Eidg. Kommission 1979). Während der Nacht stellt dieser Pegel fraglos einen Alarmwert dar (CH Lärmschutzverord- nung 1986). 
Lärm vor 100 Jahren Der Philosoph Arthur Schopenhauer pole- misiert bereits vor über hundert Jahren gegen die allzu grosse Toleranz gegenüber Lärm und ihren Verursachern. Was uns heute als Verkehrslärm beglückt — Moto- rengeräusche, Abrollgeräusche, Auspuff- knallen, Türenknallen —, das empfand der Philosoph zu seiner Zeit im Peitschenknal- len der Fiaker und Fuhrwerke. «Nunmehr aber habe ich, als den unverantwortlich- sten und schändlichsten Lärm, das wahr- haft infernale Peitschenklatschen, in den hallenden Gassen der Städte, zu denunzie- ren, welches dem Leben alle Ruhe und alle Sinnigkeit benimmt. Nichts gibt mir von dem Stumpfsinn und der Gedankenlosig- keit der Menschen einen so deutlichen Be- griff, wie das Erlaubtsein des Peitschenklat- schens. Dieser plötzliche, scharfe, hirnläh- mende, alle Besinnung zerschneidende und gedankenmörderische Knall muss von jedem, der nur irgend etwas, einem Ge- danken Ähnliches im Kopfe herumträgt, schmerzlich empfunden werden; jeder sol- che Knall muss daher Hunderte in ihrer geistigen Tätigkeit, so niedriger Gattung sie auch immer sein mag, stören: Dem Denker aber fährt er durch seine Meditatio- nen so schmerzlich und verderblich, wie das Richtschwert zwischen Kopf und Rumpf» (entnommen aus LIEDTKE 1988). Die Lärmbelastung des Liechtensteiners Laut einer repräsentativen Umfrage im Jahre 1987 bei mehr als 1400 Erwachsenen in Liech- tenstein 
(s. Tab.) fühlen sich 47,5 % der Be- fragten häufig durch Lärm belästigt, 24 % vor allem tagsüber, 8 % hauptsächlich in der Nacht und 15,5 % sowohl tagsüber als auch während der Nacht. Die Hauptlärmquelle ist der Strassenverkehr. (Siehe dazu «Liechten- steins Lärmquellen» Seite 4). Die genannten Zahlen liegen-  bedenklich hoch, vor allem wenn berücksichtigt wird, dass zweifellos weit mehr Personen dem Lärm ausgesetzt sind, ihn aber nicht bewusst wahr- nehmen (wollen)! Der Gewöhnungsprozess an einen ständig erhöhten Lärmpegel spielt hier sicherlich eine bedeutende Rolle; ebenso aber eine unter Umständen fehlende Ver- gleichsmöglichkeit. Letzteres gilt insbesonde- re für unsere Kinder, die gewiss am Lärm, dem sie in ihrer Kindheit ausgesetzt waren, Mass nehmen werden. In Liechtenstein gibt es nur zwei Gemeinden, die — bedingt durch ihre geographische Lage - bezüglich Lärmimmission in einer beneidens- werten Situation sind: Schellenberg und Plan- ken. Allerdings bleiben auch diese beiden Gemeinden nicht vollständig verschont vom fernen Verkehrslärm der Rheintalautobahn. Ruggell hat bereits eine Menge Durchgangs- verkehr zu verkraften, die nicht unterschätzt werden sollte, auch wenn dies aus der Tabelle nicht hervorgeht. Auf der anderen Seite der Skala liegen erwar- tungsgemäss Vaduz, Triesen, Schaan und Bal- zers, interessanterweise aber auch Eschen, dessen Einwohner sich zunehmend durch den ständig ansteigenden Verkehrslärm auf der Hauptstrasse Richtung Bendern (Anschluss an die N 13) gestört fühlen dürften. Der inter- essierte Leser möge sich anhand der Tabelle selbst weiter orientieren. 
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Dietmar Possner, Gamprin
        

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