Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
25
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_25/14/
Liecht. Umweltbericht, Juni 1989 
Seite 15 CIPRA - auf dem Weg zur Alpenkonvention Die Internationale Alpenschutz-Kommission (CIPRA) hat sich vor zwei Jahren zur Aufgabe gestellt, eine verbindliche Vereinbarung zwi- schen den Alpenstaaten über den Schutz der Alpen zu erwirken. Die Vorarbeiten zu dieser Alpenkonvention sind bereits weit fortge- schritten. (wm) Die Gefährdung des sensiblen Lebens- raumes Alpen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das, Präsidium der CIPRA hat daher im Frühjahr 1987 an ihrer Sitzung in Vaduz/Fürstentum Liechtenstein beschlossen, darauf hinzuwir- ken, dass ein völkerrechtsverbindlicher Ver- trag zum Schutz der Alpen erarbeitet wird, der von möglichst vielen Staaten unterzeich- net werden soll. Standortbestimmung In einem ersten Schritt wurde daraufhin eine Umfrage mittels Fragebogen bei Regierungs- stellen, Verbänden und Experten zur Bilanz der bisherigen Umweltpolitik im Alpenraum gemacht. 170 Rückmeldungen aus den sieben Alpenstaaten ermöglichten ein wahrheitsge- treues Abbild des heutigen Zustandes, der mit dem Satz «Viel Absichtserklärungen und wenig dahinter» zusammengefasst werden kann. Offensichtlich ist es bis heute nicht gelungen, grenzüberschreitende, wirksame Umweltschutzabkommen grösseren Stils ab- zuschliessen bzw. durchzusetzen. Lindauer Konferenz und Erklärung Um Bilanz zu ziehen und das weitere Vorge- hen zu diskutieren, hat die CIPRA im Juni 1989, gemeinsam mit dem Deutschen Natur- schutzring (DNR), eine Konferenz in Lindau organisiert. An der Tagung sollte die bisherige Umweltpolitik in den einzelnen Alpenstaaten kritisch durchleuchtet werden. Forstmeister Dr. Felix Näscher und LGU-Vizepräsident Dr. Jochen Hadermann berichteten an der Konferenz über die Situation in Liechten- stein. Die Konferenz endete mit der «Lindauer Er- klärung zur Umweltpolitik im Alpenraum». In der Erklärung werden u. a. die regionalen und nationalen Regierungen der Alpenländer aufgefordert zu prüfen, wie die für die Erhal- CIPRA-Sitz Vaduz? Die CIPRA arbeitet bis anhin mit einem be- scheidenen Budget und ohne feste Angestell- te. Dies soll sich nun ändern. Das Präsidium hat beschlossen, einen festen Geschäftssitz mit Personal einzurichten. Wunschstandort ist Liechtenstein in der Mitte des Alpenbogens. Die LGU als nationale Vertretung der CIPRA hat sich in der Folge bei privaten und öffentlichen Stellen nach Finanzierungsmög- lichkeiten umgesehen. Es ist damit zu rech- nen, dass die finanzielle Basis zum Aufbau der Geschäftsstelle der CIPRA vorerst einmal für eine Testphase von drei Jahren bereitge- stellt werden kann. Die LGU hat bereits für diesen Fall vorgesorgt, denn die neuen Büro- räumlichkeiten in Vaduz sind so bemessen, dass eine Bürogemeinschaft mit der CIPRA möglich wäre. 
tung der Umwelt im Alpenraum erforderli- chen grenzüberschreitenden Vereinbarungen durch die Verabschiedung einer Alpenkon- vention verbindlich gemacht werden können. Im Herbst 1989 veröffentlichte die CIPRA in ihrer Schrift Nr. 5 die Konferenzergebnisse. Die Schrift, von CIPRA-Vizepräsident Dr. Walter Danz redaktionell betreut, trägt den Titel «Umweltpolitik im Alpenraum». Sie bil- det die Grundlage für die weiteren Arbeiten an der Alpenkonvention «Liechtensteiner Kreis» Ende September setzte sich auf Einladung der CIPRA und der Internationalen Naturschutz- union (IUCN) eine Expertengruppe zusam- men, um die nächsten konkreten Schritte auf dem Weg zur Alpenkonvention zu bespre- chen. Dem sogenannten «Liechtensteiner Kreis», der Ende September 1988 in Vaduz tagte, gehörten neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten der CIPRA, Dr. Mario E Broggi und Dr. Walter Danz, 15 weitere Ex- perten an, darunter Dr. Wolfgang Burhenne, Präsident der Abteilung für Recht, Politik und Umweltverwaltung der IUCN, Dr. Alois Larcher, Ausschuss für Umwelt, Raumord- nung und Kommunalfragen beim Europarat, Dr. Jean Pierre Ribaut, Leiter der Umweltab- teilung beim Europarat, Dr. Karola Taschner, Europäisches Umweltbüro, Guy Corcelle, Generaldirektion Umwelt der EG ... Der Liechtensteiner Kreis erachtet die Verwirkli- chung einer Alpenkonvention für vordring- lich. Stein ins Rollen gebracht In der Zwischenzeit hat die CIPRA unter Federführung ihres Vizepräsidenten bereits ein Leitbild für eine Alpenkonvention ent- worfen. Es werden darin alle umweltrelevan- ten Sachbereiche — Raumordnung, Landwirt- schaft, Bergwald, Siedlung, Tourismus, Ver- Jahresfachtagung 1989 «Nationalparke: Ihre Funktion in vernetzten Systemen — Anspruch und Wirklichkeit» lau- tet das Thema der Jahresfachtagung 1989 der CIPRA vom 28. — 30. September 1989 in Grosskirchheim/Kärnten/Österreich. Das Ziel der Tagung ist es, Konkretes über Schutzgebietserfordernisse im Alpenraum zu erfahren. Als Referenten wirken Prof. G. Grabherr, Universität Wien, Prof. D. Rosen- kranz, Umweltbundesamt Berlin, Mag. P. Hasslacher, Österr. Alpenverein, Dipl. Ing. H. Slamanig, Nationalparkverwaltung Kärn- ten, R. Dryer, Naturfreunde Österreich, Dr. Zierl, Nationalpark Berchtesgaden und Dr. N. Roth-Tallies/Dr. H. Frey, WWF. Exkur- sionen in das Grossglocknergebiet runden die Tagung ab. 
Wer ist die CIPRA? Die Internationale Alpenschutzkommis- sion CIPRA, die Kurzform ist ihrem französischen Namen entlehnt, wurde 1952 aus der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur und der natürli- chen Hilfsquellen (IUCN) heraus als ei- genständige Organisation in Rottach- Egern, Bayern, gegründet. Die CIPRA ist ein Zusammenschluss von Organisa- tionen und Institutionen, die sich in den sieben Alpenländern — Deutschland, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Liech- tenstein, Österreich, Schweiz — mit Fra- gen des Natur- und Umweltschutzes, der Landschaftspfelge und der Raumord- nung beschäftigen. Die Liechtensteini- sche Gesellschaft für Umweltschutz (LGU) ist die nationale Trägerorganisa- tion in Liechtenstein. kehr, Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Luftreinhaltung, Abfallwirt- schaft, Forschung — angesprochen. Die Alpenkonvention wird bereits in höch- sten politischen Kreisen diskutiert. Der Um- weltminister der Bundesrepublik Deutsch- land, Klaus Töpfer, lädt seine Amtskollegen aus den Alpenstaaten im Herbst dieses Jahres nach Garmisch-Partenkirchen ein, um über die Alpenkonvention zu sprechen. Parlamen- tarische Vorstösse in nationalen und regiona- len Parlamenten häufen sich. Anfang Juni hat nun auch der österreichische Bundeskanzler, Franz Vranitzky, eine Initiative für eine Al- penschutzkonvention angekündigt. Sollte die CIPRA einen festen Geschäftssitz in Liechtenstein einrichten, kann vielleicht erwartet werden, dass die Konvention der- einst in Liechtenstein zur Unterzeichnung aufliegen könnte. 
■ CIPRA-Schrifttum. Bisher hat die CIPRA folgende Schriften ver- öffentlicht: CIPRA-Schriftenreihe: Band 1: Sanfter Tourismus, 342 S., 25.— Band 2: Ist der Bergwald noch zu retten? 208 S., 20.— Band 3: Naturschutz contra Bürger? 344 S., 30.— Band 4: Bodenschutz und Berglandwirt- schaft, 244 S., 20.— Band 5: Umweltpolitik im Alpenraum, 528 S., 40.— Band 6: Neue Alpentransversalen, 222 S., 25.- CIPRA — Kleine Schriften: Heft 1: Grenzen touristischer Entwicklung, 60 S., 5.— Heft 2: Bergwald-Dokumente, 84 S., 5.— Heft 3: Beschneiungsanlagen, 48 S., 4.— Daneben erscheint vierteljährlich ein Nach- richtenblatt, das CIPRA-Info. Die Schriften können bei der LGU bestellt werden.
        

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