Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
25
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_25/11/
«Schall ist messbar, Lärm nicht» Wissen Sie, was ein Dezibel ist oder woher das Wort Lärm stammt? Auf diese und viele weitere Fragen zum Thema Lärm haben wir auf den folgenden zwei Seiten Wissenswertes zusammengetragen. Falls Sie sich noch genauer mit dem Phänomen Lärm beschäftigen wollen, haben wir am Schluss einige Literaturhinweise notiert. 
Seite 12 Liecht. Umweltbericht, Juni 1989 Was ist Lärm? Mit dem Begriff «Lärm» wird allgemein etwas Lautes und gleichzeitig Unangenehmes asso- ziiert. Er beinhaltet damit eine objektiv er- fassbare und eine subjektive Komponente. In den gängigen Lärmdefinitionen kommt diese Polarität denn auch zum Ausdruck: «Lärm ist ein negativ bewerteter und/oder die Gesund- heit schädigender Schall», schreibt Jansen (1967). Laut Klosterkoetter (1974) sind unter Lärm solche Geräusche zu verstehen, «die physiologische Funktionen des Organismus ungünstig beeinflussen, die den Menschen psychisch beeinflussen, also ihn stören, belä- stigen, ärgern, erschrecken oder die das Ge- hörorgan schädigen». Engelhardt (1977) schlägt eine ähnliche Definition vor: «Lärm ist unerwünschter Schall, das heisst jede Art von Schall (ob Ton, Klang, Geräusch oder Knall), der vom Menschen als störend, belä- stigend, unangenehm empfunden wird, der ihn erschreckt und seine Gesundheit gefähr- det oder schädigt». Mit einer knapperen Be- griffsbestimmung begnügt sich die TA-Lärm: «Lärm ist Schall (Geräusch), der Nachbarn oder Dritte stören (gefährden, erheblich be- nachteiligen oder erheblich belästigen) kann oder stören würde (Bethge und Meurers 1985).» Alle zitierten Definitionen erweitern das um- gangsprachliche Verständnis des Begriffs «Lärm» um zwei Gesichtspunkte: Einerseits fallen auch Geräusche mit niedriger Schallin- tensität unter die Erscheinung «Lärm», sofern sie störend wirken (zum Beispiel das Ticken eines Weckers oder der tropfende Wasser- hahn), andererseits aber auch Klänge, die vom Schallkonsumenten durchaus als ange- 
nehm empfunden werden, deren Schallpegel aber ein bestimmtes Mass überschreitet und damit gesundheitsschädlich wird oder Dritte stören würde, wenn sie den Schall hören könnten (z.B. laute Musik, Motorengeheul). Mit anderen Worten: Schall kann gemessen werden, Lärm hingegen nicht. Die subjektive Empfindlichkeit Tatsächlich tauchen in Lärmdefinitionen praktisch nie konkrete Schallpegelwerte auf. Dies ist verständlich, da die subjektive Emp- findlichkeit für Störungen stark vom Gesund- heitszustand (physisch, psychisch), von der Tätigkeit während der Geräuscheinwirkung, der Gewöhnung und der Einstellung zum Ge- räuscherzeuger, von der Auffälligkeit, der Ortsüblichkeit, der Art und Betriebsweise der Geräuschquelle (Bethge und Meurers 1985), vom Lebensalter, ja auch vom Geschlecht der betroffenen Person (Griefahn 1985) abhängt. «Die individuellen Empfindungen können sehr unterschiedlich sein. Daher können bei gleicher Geräuscheinwirkung auf mehrere Nachbarn nicht selten sehr verschiedene Re- aktionen beobachtet werden; auch kann die Reaktion des Einzelnen zeitlich erheblichen Änderungen unterliegen (Bethge und Meu- rers 1985)». Die physikalischen Parameter Viele Faktoren beeinflussen den objektiv er- fassbaren Schallpegel, so zum Beispiel die Intensität des Geräusches, seine Dauer und Frequenzzusammensetzung, Reflexionen und Überlagerungen von Tönen, die Häufigkeit und Tageszeit des Auftretens und so fort. In 
Tabelle 1 sind einige Parameter aufgelistet, welche die Intensität von Strassenverkehrs- lärm, der dominanten Lärmquelle in Liech- tenstein beeinflussen. Erfreulicherweise könnten die meisten Faktoren unter Kontrol- le gebracht werden. Das Dezibel — Die Masseinheit für Schall Die Masseinheit für die Lautstärke von Ge- räuschen heisst «Dezibel» (1/10 Bel) und wird mit «dB» abgekürzt. Das (A) in dB(A) be- deutet eine bestimmte Filtereinstellung am Messgerät. Dieser Korrekturfilter ist deshalb nötig, weil das menschliche Ohr Töne ver- schiedener Frequenz mit gleichem Schall- druck nicht gleich laut wahrnimmt (Abb. 1). Zur Korrektur bzw. Nachahmung dieser Eigenart des menschlichen Ohres wird bei der Schallmessung ein Filter zwischengeschaltet, das eine Dämpfung des Schalldrucks in niede- ren und hohen Frequenzbereichen bewirkt und damit dem menschlichen Hörempfinden angepasste Schallwerte erbringt. Damit wir ein Lärmquelle als doppelt so laut empfinden wie eine andere, muss der Schall- pegel um 10 Dezibel ansteigen (Tab. 2). Bei einer Zu- oder Abnahme um 3 Dezibel ist der Unterschied gerade wahrnehmbar. Nehmen wir also an, ein Fahrzeug produziere einen Schallpegel von 70 Dezibel, dann erzeugen zwei Fahrzeuge nicht etwa 140 Dezibel, son- dern erst 73 Dezibel. Eine Verdoppelung der Verkehrsfrequenz bewirkt also rein rechne- risch und unter Vernachlässigung der Rand- bedingungen eine Zunahme um etwa 3 De- zibel. Lärm kommt von all'arme: Zu den Waffen! Das Wort «Lärm» leitet sich vermutlich vom romanischen Schlachtruf «zu den Waffen» ab. Diese Aufforderung geschah gewöhnlich in Verbindung mit Lautäusserungen wie Trom- meln, Pfeifen oder Ähnlichem (Grimm und   Grimm 1984). Im Unterschied zum Sehsinn stellt der Gehörsinn eine dauernd empfangs- bereite Warnanlage unseres Körpers dar, also auch im Schlaf. Das Ohr hat sich aber im Verlauf der Entwicklungsgeschichte an die Geräuschwelt einer natürlichen Umgebung angepasst. Die durch den technischen Fort- schritt bedingten neuen Schallquellen produ- zieren ohne weiteres Lärmpegel, die einer 1000fachen oder gar höheren Schallintensität entsprechen (Tab. 2). Dadurch werden für unser Ohr ständig Fehlalarme erzeugt, die vom Körper verarbeitet werden müssen. Die
        

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