Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
24
Erscheinungsjahr:
1988
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_24/5/
Liecht. Umweltbericht, September 1988 Seite 5 Der Tourist, der Pensionist aus Nah und Fern, sie alle haben eine Gaudi am Nulltarif. Der allfällige Umsteiger macht so Platz, den die bessere Ehehälfte, der Tourist, die 
Neuzulassungen  wieder einnehmen; der freie Raum induziert somit wieder neue Fahrten. Die Hö- he der externen Effekte wird nicht verringert, damit auch nicht die verkehrsbedingten Um- weltprobleme. Ein «schneller und billiger» im Verkehr erbringt somit Substitutionseffekte. Das wirtschaftswissenschaftliche Zentrum der Universität Basel meint hierzu, dass Massnah- men zur Förderung des öffentlichen Verkehrs mit dem Ziel, den Privatverkehr zu verrin- gern, wirkungslos bleiben, wenn beide Ver- kehrsträger für die Benutzer zu billig sind. Der private Verkehr bedingt steuerfinanzierte Zuschüsse, ganz abgesehen davon, dass auch er ja die Umwelt belastet. Das heisst, die Mobilität ist allgemein zu hoch, weil deren Preis zu tief ist. 'Nur Verkehrskosten beeinflussen das Verkehrsverhalten Will man die Gesamtmobilität verändern, scheint die Erhöhung der Zeitkosten durch Senkung der Durchschnittsgeschwindigkeiten (z.B. durch Verkehrsberuhigung) ein untaug- liches Mittel, wenn es auch Wesentliches zur Verkehrssicherheit und zur Besserung der Le- bensqualität beitragen kann. Ungleich wir- kungsvoller dürfte die Erhöhung der direkten monetären Kosten sein. Beim privaten Ver- kehr müsste dies in Richtung Deckung der externen Effekte gehen, wobei dann auch die Abdeckung der Kosten des öffentlichen Ver- kehrs proportional anwachsen kann. In Dis- kussion stehen hier eine Form von Sozial- kostensteuern oder die Differenzierung der Motorfahrzeugsteuern nach der Höhe der Emissionen der einzelnen Fahrzeugtypen (sie- he Beitrag «Öko-Bonus»; Red.). Was könnte damit erreicht werden? Kurzfristig wirksames vielleicht nicht allzuviel, da im Berufsalltag längst schon eine Trennung von Wohn- und Arbeitsort eingetreten ist. Die geringen Ko- sten der Mobilität haben ja im übrigen ganz wesentlich zum Wohnen im Grünen und da- mit zur Verzerrung des Siedlungsgebietes, sprich Zersiedelung und Kulturlandverlust, beigetragen. Diese Siedlungsstruktur bliebe kurzfristig starr, lediglich das Pendeln würde teurer, langfristig könnte aber die Siedlungs- struktur sicher verändert werden. Wohnen und Arbeiten kämen sich wieder näher. Die Entmischung  könnte gebremst, Unsinniges wie Shopping im Grünen, eher abgeblockt werden, wozu natürlich noch weitere flankie- rende Massnahmen greifen müssten. Auch die Fernerholung würde teurer und teils durch Naherholung oder ein Umsteigen auf öffentli- che Verkehrsmittel substituiert und damit vielleicht auch Ferien im eigenen Land wieder attraktiver gestaltet. Die meisten von uns keimen ja ohnehin die Mittelmeerküsten bes- ser als unseren unmittelbaren Nahbereich. Förderung des öffentlichen Verkehrs als zweitbeste Lösung Beim heutigen Verkehrswesen und seiner Or- ganisation wird ein Gut genutzt und teils ver- braucht, nämlich die Natur und Landschaft, welche nicht vermehrbar sind und auch ihren Preis haben müssten, die aber bisher prak- 
tisch unentgeltlich zur Verfügung standen. Wer Luft verschmutzt oder Lärm verursacht, brauchte bis jetzt für diese Kosten nicht auf- zukommen. Dies zu ändern scheint nicht leicht zu sein, denn Mobilität wurde bisher vom Staat zum günstigen Preis ja ermöglicht und in reichem Masse in Form der Infrastruk- turen zur Verfügung gestellt. Eine dringend notwendige Änderung dürfte politisch als zu «heisses Eisen» betrachtet werden. Darum auch überall der Versuch des Ausweichens auf die zweitbeste Lösung — die Förderung des öffentlichen Verkehrs. Sie wird uns aber ins- gesamt nicht helfen, die hohe räumliche Mo- bilität mit den damit verbundenen Umweltbe- lastungen abzubauen. Hierfür miss ein Paket von weiteren Massnahmen mithelfen. Wie wäre es beispielsweise mit einer quantitativen Beschränkung von Parkplätzen in den Zen- tren, wie dies derzeit einige Tessiner Orte ernsthaft diskutieren? Wie wäre es zum Bei- spiel mit der Abschaffung der Pflicht zur Er- stellung von Parkplätzen bei Hausbauten? Wie wäre es mit einem Parkverbot für Touri- stenbusse inmitten von Vaduz und Umwand- lung dieser hässlichen Blechlawinenstandorte in ein durchgrüntes Zentrum, in dem viel- leicht ein kleines Kongresszentrum, aber auch ein kleiner Busbahnhof, Platz hätten? Auch die Raumordnung ist gefordert, die wei- tere Zersiedelung einzubremsen und ein grei- fendes Bodenrecht hat die Raumplanung zu unterstützen. Gehört wirklich alles in die In- dustriezonen, was dort mit viel Kulturland- frass wie Pilze aus dem Boden schiesst und für unseren Themenbereich zur weiteren Entmi- schung von Wohnen und Arbeit führt? Es fehlt so, mit wenigen Beispielen angetönt, noch vieles für eine Folgerichtigkeit einer Verkehrspolitik, ohne die die Förderung des öffentlichen Verkehr nie das erbringt, was man sich davon erhoffte. Es bleibt somit weiter zu befürchten, dass ethische bzw. vernünftige Argumente und Appelle nur bei einer Minderheit zur Verhal- tensänderung führen. Der Sozialethiker Ruh sieht vor allem den Leidensdruck infolge Um- weltzerstörung, der uns allenfalls zu vernünf- tigem Handeln zwingt. Ist der homo sapiens wirklich nicht lernfähig und kann er sein Ver- halten, in diesem Fall den Abbau der Mobili- tät, nur über Öko-Katastrophen erlernen? Ist Mobilität stärker als Ethik oder kann der Mensch sich auf eine neue, in die Tiefe zielen- 
de Kultur konzentrieren und damit die Op- tion der scheinbar plausiblen horizontalen Er- weiterung aufgeben?   Leserinnenbrief Nulltarif Sehr geehrte Damen und Herren Grundsätzlich bin ich für den Nulltarif bzw. für die Aktion Postautofahren. Ich muss sa- gen, auch ich bin mit dieser Aktion aufgerufen worden, ab und zu, ja sogar sehr oft, mit dem Postauto zur Arbeit zu fahren — und das ist meiner Ansicht nach schon sehr viel, denn morgens, mittags und abends sind die. Auto- schlangen ja am längsten und wenn diese nicht bald verkürzt werden, haben -wir in einigen Jahren eine Autoschlange von Schaanwald bis nach Triesen, oder sogar durchs ganze Land. Nun zu dem was ich eigentlich sagen möchte. In den Zeitungen «Liechtensteiner Volksblatt und Vaterland» wird immer wieder aufgerufen «. . . mitfahren kostet nichts». Ich bin der Meinung, dass man nicht immer nur vom Null- tarif reden sollte, denn viele Leute glauben heute noch, dass es bei dieser Aktion nur ums Geld (gratis) gehe, in Wirklichkeit geht es ja aber um ganz etwas anderes. Man sollte in den Landeszeitungen auch von Verkürzung der Autoschlangen reden bzw. schreiben oder ir- gendwie etwas in dieser Art. Ich finde man sollte in dieser Richtung den Leuten dies noch - viel mehr einreden (und zwar weiter auf frei- williger Basis). Wir Menschen sind ja Ge- schöpfe, denen man alles zuerst x-mal vorre- den muss. Vielleicht würde dann der eine oder andere doch auch noch ab und zu aufs Postau- to umsteigen, weil er erst dann anfängt zu studieren, denn Geld spielt ja bei den meisten keine Rolle. Ich wollte meine Gedanken einfach mal be- kanntgeben und möchte nicht unerwähnt las- sen, dass auch mir die Motorfahrzeuge (seien es Auto, Motorrad, Motorboot, Flugzeug etc.) einfach ans Herz gewachsen sind und ich wür- de es schade finden, wenn uns das Benutzen dieser Fahrzeuge irgendwann verboten würde — also lieber jetzt freiwillig ein bisschen mittun. Es grüsst eine Liechtensteinerin.
        

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