Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
24
Erscheinungsjahr:
1988
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_24/16/
Seite 16 
Liecht. Umweltbericht, September 1988 aus den Hausfeuerungen, 10 % dagegen aus der Verwendung von Lösemitteln in den Haushalten. Von dem kleinen 3%igen Anteil ans den Hausfeuerungen sind übrigens mehr als 2 % auf die Verbrennung von Holz zurück- zuführen. Das HC-Problem kann als gelöst bezeichnet werden, soweit es aus den Haus- feuerungen stammt. Das neue Problem: Kohlendioxid Zusammenfassend ist festzuhalten, dass von den drei Schadstoffen aus den Hausfeuerun- gen, die nach dem heutigen Stand des Wissens am Waldsterben beteiligt sind, das Schwefel- dioxid und die Kohlenwasserstoffe bereits im Griff und die Stickoxide ebenfalls weitgehend beherrscht sind. Inzwischen beginnt sich aber das Interesse der Wissenschaft und der Öffent- lichkeit auf die Emission eines anderen Stoffes zu verlagern, der bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas) unvermeidbar produziert wird: Kohlendioxid (CO2). Dieses harmlose Gas, das uns beispiels- weise aus jedem Glas Mineralwasser, Limona- de oder Bier appetitlich in die Nase steigt, wird nicht als Schadstoff betrachtet. Dementspre- chend hat sich das Bundesamt in seiner Studie über die Entwicklung der Schadstoff-Emissio- nen seit 1950 nicht mit dem CO2  befasst. Dennoch beschäftigen sich inzwischen immer mehr Wissenschaftler und Kommissionen un- ter den Stichworten «Treibhaus-Effekt» und «Klimakatastrophe» mit dem CO2. Man glaubt nämlich, dass der CO2-Anteil 
in der Erdatmosphäre in den letzten 30 Jahren um rund 20 % angestiegen sei. Und angeblich hat sich dieser Anstieg in den letzten Jahr- zehnten noch rapide beschleunigt. Allerdings halten andere Wisenschaftler diesen Anstieg für unbedenklich. Sie berufen sich auf Luft- einschlüsse in 40 000 Jahre altem Eis, in de- nen man einen etwa gleich hohen CO2-Gehalt wie heute festgestellt hat. Der heute wohl überwiegende Teil der Wis- senschaftler, welcher den Anstieg für bedenk- lich hält, befürchtet eine verstärkte Reflexion der von der Erde abgestrahlten Wärme durch den höheren Gehalt der Atmosphäre an CO2 und wärmeisolierenden Spurengasen (bei- spielsweise aus unseren Spraydosen, aus der 
Kunststoffproduktion und aus Kältemaschi- nen). Dieser «Treibhaus-Effekt» könnte zu einem Anstieg der mittleren Erdtemperatur führen. Allerdings gehen die Prognosen weit auseinander. Ein Anstieg um nur 0,2 Grad Celsius innerhalb der nächsten 50 bis 100 Jah- re wird genauso vorausgesagt wie ein Anstieg   um 9 Grad. Zum Vergleich: Seit, der letzten Eiszeit ist die mittlere Erdtemperatur nur um etwa 3 Grad Celsius angestiegen. Kritiker dieser Anstiegs-Prognosen warfen ih- ren Kollegen vor, dass viele Faktoren nicht genügend bekannt und berechenbar seien. Genannt werden z. B. die Wolkenbildung, die einen wesentlichen Einfluss auf die Entwick- lung des Klimas hat, die Niederschläge (also der Wasserkreislauf) und die Meereszirkula- tion. Die Zusammenhänge seien komplexer' als der gewaltigste Computer berechnen und simulieren könne. Diese Kritiker bezeichnen den «Treibhaus-Effekt» als eine Prophezei- ung, die dem Ansehen der Wissenschaft scha- den könne. «Wo alles unklar ist, blüht der ideologische Weizen», schrieb vor einiger zeit eine bekannte deutsche Wochenzeitung. Kommt es zur Klimakatastrophe? Angesichts der Argumente und Gegenargu- mente kann man sich heute kaum ein zuver- lässiges Urteil bilde, ob es zu dem «Treibhaus- Effekt» und einem entsprechenden Tempera- turanstieg kommen wird. Umso sicherer wä- ren allerdings die katastrophalen Folgen eines solchen Temperaturanstiegs: Die Bezeich- nung «Klimakatastrophe» wäre sicher keine Übertreibung. Das Abschmelzen der polaren Eismassen würde zu einem Anstieg der Meere und verheerenden Folgen für alle Küstenre- gionen führen. Die Wüsten und Trockenge- biete der Erde würden sich in grossem Um- fang ausdehnen. Das ganze Ökosystem der Erde würde umgewälzt. Die Folgen für die Vegetation wären unabsehbar. Solche Aussichten müssen jeden verantwor- tungsvoll denkenden Menschen beunruhigen. Niemand' kann ihm heute verlässlich sagen, ob diese Prognosen falsch oder richtig sind. Also sollte man alles tun, um das Risiko eines «Treibhaus-Effektes» vorsorglich zu verrin- gern. Kann man die Emission von CO2  sen- ken? Ein grosser Teil davon entsteht aus der Rodung der -tropischen Wälder. Dass dieser 
Raubbau gestoppt werden müsste, ist heute - auch aus anderen Gründen — nicht mehr um- stritten. Allerdings ist es ein weiter Weg von dieser Erkenntnis zu ihrer Durchsetzung in der Wirklichkeit. Noch grösser sind die Mengen an CO2, die durch die Verbrennung von Erdölprodukten in Heizungen und Motoren, von Erdgas und von Kohle entstehen. Ein Ausfiltern des CO2   aus den Verbrennungsgasen ist nach dem heu- tigen Stand von Wissenschaft und Technik nicht denkbar: Die Bindung und Endlagerung würde mindestens soviel Energie benötigen wie zuvor die Verbrennung selbst. Bei der Verbrennung von Öl und Gas strebt man sogar nach einem möglichst hohen CO2- Gehalt der Abgase. Denn je höher dieser. 
  Anteil ist, umso «sauberer» und sparsamer ist die Verbrennung. «Sauber» bedeutet, dass möglichst wenig CO, HC und Russ produziert werden. Als Mittel zur Verringerung der CO2-Emis- sion bieten sich theoretisch zwei Möglichkei- ten an: Der Ersatz von fossilen Brennstoffen bleibt bis auf weiteres Theorie. Zwar wäre es technisch jederzeit möglich, den Anteil der Kernenergie zu steigern. Aber der ideologi- sierte Streit um die Kernenergie macht dies heute in der Schweiz wie in einem Teil der benachbarten Länder unmöglich. Und ein Er- satz von fossilen Brennstoffen durch erneuer- bare Energiequellen (Sonnenenergie, Wind- energie, Wasserkraft) hat leider allzu enge Grenzen. Mit der heute und in der absehba- ren Zukunft zur Verfügung stehenden Tech- nologie können nur etwa 10 % des Energiebe- darfs aus erneuerbaren Energiequellen ge- deckt werden. An neuen Technologien, z.B. Gewinnung und Verbrennung von Wasser- stoff, wird mit leider noch ungewissem 
 Aus- gang gearbeitet. Wenn der Ersatz der fossilen Brennstoffe als Möglichkeit weitgehend wegfällt, bleibt also nur der möglichst sparsame Umgang mit Erd- öl, Erdgas, Holz und Kohle. Und dazu kann heute praktisch jeder einen wichtigen Beitrag leisten. Der heutige Energieverbrauch liesse sich ohne grosse Änderung der Lebensge- wohnheiten um ca. 30 % verringern! Bei den Hausfeuerungen durch sparsameres Heizen, durch bessere Isolation und vor allem durch die Modernisierung technisch überholter Heizeinrichtungen. (Im Verkehr durch weni- ger Autofahren und duch den Einsatz kleine- rer, sparsamerer Motoren). Das Schlüssel- wort zur Verminderung der CO2-Emission: Energie sparen! Dieses Motto muss bei der Heizung auch jetzt gelten, obwohl der aktuelle Heizölpreis im Moment keinen grossen Anreiz bietet. Wel- ches Sparpotential die Hausfeuerungen heute und in der Zukunft bieten, beweisen neue Zahlen aus der Bundesrepublik Deutschland. Nach Berechnungen des dortigen Baumini- sters beträgt  der durchschnittliche jährliche Heizölverbrauch pro Quadratmeter bei den bestehenden Mehrfamilienhäusern noch 22 Liter und bei den bestehenden Einfamilien- häusern noch 28 Liter. Bei Gebäuden und Heizungsanlagen, die den heute in Deutsch- land geltenden Energiesparvorschriften ent- sprechen, liegt der Verbrauch nur zwischen 12 und 18 Litern. Und Neubauten der Zukunft sollen nach den Ergebnissen von Versuchs- häusern noch 6 bis 9 Liter benötigen! Es ist für jeden Leser eine leichte Rechnung, seinen eigenen Öl-Verbrauch mit diesen Zahlen zu vergleichen.
        

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