Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1988
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_23/14/
Seite 14 Liecht. Umweltbericht, März 1988 Auch in Vaduz spriesst es grün . . . Erfreulich zu verzeichnen ist, dass sich auf dem teuren Vaduzer Pflaster auch sanftes Grün einzustellen vermochte. Zu berichten ist hier über zwei kleine ökologisch orientierte Modelle, den Reinagarten und den Naturlada. Werner Hasler, Planken - Der Kommerzplatz Vaduz, wo alles Wichtige auf engem Raum Platz für sich in Anspruch nimmt, vermag auch zwei kleinen, mehr auf ideellem als finanziellem Boden gründenden Modellen Heimstätte sein. Das spricht für Vaduz, das übrigens nicht nur in diesem Bereich Innovationskräfte an den Tag gebracht hat, welche eine einseitige Ent- wicklung (siehe Beitrag: Vaduz — Führungsan- spruch und Wirklichkeit) korrigieren möchten. Neue Bewegungen in Vaduz Aus dem sozialen Spektrum herausgegriffen sei beispielsweise ein überaus aktiver Vaduzer Frauenverein, der im Anonymisierungstrend ein neues Netzwerk von Gemeinschaft und Verbindung schafft. Oder die rührige Initiati- ve «In unserer Gemeinde soll niemand allein sein», welche schon im Titel auf das Ziel verweist. Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang ferner auf die Kommunalpolitik. Die Bürge- rinnen und Bürger von Vaduz haben bei den letzten Wahlen eine dritte Kraft ins Rathaus gewählt und dies unerwartet deutlich. Ein neuer Wind also auch hier und ein Fingerzeig" des Bürgers. Die nun zu besprechenden beiden ökologi- schen Modelle Reinagarten und Naturlada streben ein neues Beziehungsverhältnis von Mensch und Natur an. Ihren gemeinsamen Brennpunkt finden sie in der Produktion (Reina), resp. im Vertrieb (Naturlada) von hochwertigen biologischen Lebensmitteln. Der Bedeutung dieser beiden — voneinander 
übrigens unabhängigen — Projekte tut es dabei keinen Abbruch, dass sie auch von Menschen getragen und benützt werden, die gleichzeitig auf dem Kommerzplatz Vaduz recht gut zu- hause sind. Reinagarten — gesundes Gemüse und Gemeinschaft Ein halbes Hektar Land in der Nähe vom Sportplatz Vaduz wird seit nun 16 Jahren auf biologischer Grundlage bebaut. Eine wach- sende Gemeinschaft von Familien und Einzel- personen hat über diese Jahre mitgewirkt, wobei sich — ein harter Kern ausgenommen — der Teilnehmerkreis immer wieder .verändert hat. Der Boden ist in .Privatbesitz Und wird der Gemeinschaft für diesen Zweck gratis zur Verfügung gestellt; die Hauptarbeit leisten die Gärnter/innen (momentan zwei Gärtne- rinnen), die von der Gemeinschaft angestellt werden, zusammen mit einem Stab von Mitar- beitern/innen, welche wöchentlich einen Nachmittag im Garten mithelfen. Die Kun- den verpflichten sich zu einer minimalen Mit- arbeit von 12 Stunden über das Gartenjahr. Dieses dauert, was die Erträge anbelangt, von Mitte/Ende April bis etwa Mitte Oktober, je nach Witterung. In dieser Zeit erhalten die Teilnehmer einmal wöchentlich ein reiches Gemüsepaket mit den aktuellen, jahreszeitbe- dingten Gemüsesorten, Beeren und Kräuter. Sie holen es am Mittwochmorgen, frisch ge- erntet, im Garten ab. Dadurch ist der wö- chentliche Bezug aller Teilnehmer zur Ge- meinschaft gegeben.   Im vergangenen Jahr wurden gegen 60 Sorten an Gemüse, Beeren und Kräuter angepflanzt; 
das Saatgut von biologischen Produzenten wurde in der Regel selbst aufgezogen. Mitge- macht haben gegen 60 Familien und Einzel- personen. Lebensmittel, nicht nur Nahrungsmittel Die Prinzipien des biologischen Landbaus werden heute zunehmend anerkannt und auch von politischer Seite als ein notwendiger Ausweg aus der bestehenden Boden- und Landwirtschaftskrise noch zaghaft, aber zu- nehmend gefördert (z.B.Europarat). Was vor 16 Jahren noch eine Sache von einigen «Spin- nern» war, beginnt sich als ein substanzieller Beitrag zur Lebensqualität herauszustellen: Hochwertige Lebensmittel, ohne Kunstdün- ger künstlich aufgetrieben, ohne chemische Pflanzenschutzmittel und Wachstumsregula- toren in der Substanz verändert, unter gleich- zeitiger Werterhaltung von Natur und Boden. Im Zeitalter des «fast food» aus der Kühltru- he resp. der Büchse und der Mikrowellenbe- geisterung ist dies vieleicht eine Neubesin- nung darauf, dass «Lebens»-Mittel uns zuvor- derst «lebendig» machen wollen (und nicht nur die Bäuche füllen). Das Umdenken hier ist auch deshalb notwendig, weil die ernäh- rungsbedingten Krankheiten stark angestie- gen sind. Ein Vorbild für viele Die Bedeutung des Reinagartens liegt nicht nur in seiner Pionierrolle bezüglich der Förde- rung des biologischen Landbaus in unserem Land — zusammen mit einigen verwegenen Hobbygärtnern — sondern auch in seinem Mo- dell als einem Gemeinschaftsunternehmen, dem man auch heute noch selten begegnet. Dadurch war und ist der Reinagarten eine Brücke zu Gemeinschaft und Kontakt, zum Gedankenaustausch und zu Anregungen für den eigenen Hausgarten. Viele Teilnehmer haben aus den Erfahrungen und Impulsen im Reinagarten später einen eigenen biologi- schen Garten angelegt. Andererseits konnte dieses Unternehmen - das nie als «Unternehmen» geführt wurde - über diese vielen Jahre nur Bestand halten durch die ausserordentliche Grosszügigkeit des Besitzers, welcher immer wieder Defizite abdeckte und notwendige Investitionen aus dem eigenen Sack bezahlt hat, gleichzeitig aber immer den Reinagarten in den Händen und in der Eigenverantwortung der Beteilig- ten beliess. Naturlada — biologische Produkte An der Herrengasse in Vaduz gibt es seit bald drei Jahren einen neuen Laden, den man rasch nach Eintreten als einen «anderen» La- den erlebt: der Naturlada. Man wird nicht durch randvolle, jeden Platz nutzende Regale zur Kassa durchgeschleust, um möglichst rasch möglichst vollbepackt wieder draussen zu landen. Es hat Platz hier, Platz nicht nur für Kinder, die sich beim Spie- len verweilen, sondern auch Platz, dass man gerne bei einem Schwatz sich aufhält. Feine Gerüche rufen Erinnerungen wach. Man darf auch probieren, beispielsweise den vorzügli- chen Tilsiter aus silofreier und unpasteurisier- ter Milch, mit Meersalz hergestellt, oder die Aprikosen in Wildfruchtqualität.
        

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