Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1988
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_23/13/
Neues Leben im Wingert Ein Umweltbericht über Vaduz wäre unvollständig, würde nicht ein typisches Landschaftselement dieses Dorfes, der Wingert, erwähnt. In den vergangenen Jahren wird vermehrt Wert auf einen umweltverträg- lichen Rebbau gelegt. Diese erfreuliche Entwicklung steht allerdings erst in den Anfängen. 
Liecht. Umweltbericht, März 1988 
Seite 13 zwischen sind rund 90% der Weinberge be- grünt. Nach Auskunft von Thaddäus Wachter aus Vaduz verhält es sich in den Wingerten von Vaduz ähnlich. Artenzunahme im Wingert Im Walenstadter Versuchsrebberg, in wel- chem auf den Einsatz von Herbizid verzichtet wurde, stellte ein Wädenswiler Forscherteam eine signifikante Zunahme von Tier- und Pflanzenarten fest, beispielsweise bei den Schmetterlingen. Sie stellten «nebst 22 'Aller- weltsarten' Arten wie Kleiner Fuchs und Ad- miral fest. Zum Vergleich: In der mit Herbi- zid behandelten Parzelle wurde eine einzige Art gefunden, nämlich der 'banale' Raps- weissling.» (Schweizer Naturschutz 7-8/87). Der gleiche Unterschied zeigte sich im Vor- kommen von Kleinstlebewesen (siehe Ka- sten). Nützlinge gegen Schädlinge Der neugewonnene Artenreichtum im Win- gert wirkt sich sehr vorteilhaft gegen Schäd- linge aus. Statt mit Insektiziden gegen die gemeine Spinnmilbe vorzugehen, erledigt ihr natürlicher Gegner, die Raubmilbe, dieses Geschäft. Ein anderer gefürchteter Schädling im Wingert ist der Sauerwurm, die Raupe der zweiten Generation des Traubenwicklers. Dessen natürlicher Feind ist die Erzwespe, die die Eier des Traubenwicklers parasitiert. Anstatt Nützlinge wie Schädlinge zu vernich- ten, achtet daher der umweltbewusste Winzer darauf, dass er die natürlichen Nützlinge in seinem Wingert am Leben erhält. Allfällige «unsere» Raubmilbe (Typhlodromus pyri) ca. 0,4 mm Spritzmittel werden daher nur sehr kontrol- liert eingesetzt. Es handelt sich dabei in erster Linie um Fungizide gegen den Mehltau. Be- sondere Vorsicht ist auch beim Mähen ange- bracht. Das Gras zwischen den Rebstöcken darf nur in jeder zweiten Zeile gemäht werden (alternierender Schnitt). So ist das Überleben der Nützlinge gesichert. Lebensraum Weinberg Der umweltbewusste Winzer pflegt daher sei- nen Wingert nicht nur mit der Giftspritze. Er beobachtet ihn genau, kümmert sich um die Nützlinge und deren Lebensraum, und greift nur im Notfall zu (umweltverträglichen) Pesti- ziden. Besonders erfreulich ist für den Winzer moderner Schule die Feststellung, dass die Umstellung vom herkömmlichen zum arten- reichen Wingert ohne nennenswerte Ertrags- einbussen erfolgt. Der nächste Schritt wird darin liegen, biologische Spritzmittel zu ent- decken. Denn bislang steht auch der umwelt- gerechte Winzer insbesondere dem Mehltau chancenlos gegenüber. Vielleicht ist das der Preis für die Weinsorten, die nicht unbedingt auf unser Klima abgestimmt sind? 
Der Wingert prägt das Ortsbild von Vaduz. (wm) Rebstöcke auf nackter Erde, das war bis vor wenigen Jahren die allgemein übliche Art des Weinbaus. Mit Fräsen und Herbiziden ist der Winzer gegen das Bodengrün im Wingert vorgegangen. Dieser Vernichtungszug gegen alles Lebendige hat im Weinbau lange Tradi- tion. Im Kampf gegen die Schädlinge der empfindlichen Rebstöcke sind die Nützlinge gleichermassen vernichtet worden. Der Win- gert ist somit zum Todesraum geworden, der einen immer höheren Einsatz von Pestiziden gegen Pilze, Insekten, Unkräuter nach sich gezogen hat. Denn aufkommende Schädlinge konnten sich in kürzester Zeit über den Win- 
gert verteilen, da deren natürliche Feinde nicht mehr vorhanden waren. Die Begrünung des Wingerts In einem Versuchsrebberg in Walenstadt ist ein neuer Weg eingeschlagen worden. Es soll- te erprobt werden, wie sich die Begrünung und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren auf den Rebbau auswirkt. Günstig wirkt sich die Begrünung zunächst auf die Bodenstruktur aus, da Erosion und Nährstoffentzug verhin- dert werden und eine Humusanreicherung stattfindet. Diese Massnahme hat sich denn auch in der Ostschweiz rasch verbreitet. In-
        

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