Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
23
Erscheinungsjahr:
1988
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_23/11/
Liecht. Umweltbericht, März 1988 
Seite 11 entnahmen bewirken überdies, dass ein Fünf- tel aller Fliessgewässer ganzjährig 
ausgetrocknet  sind, weitere 29 % gelten zumindest zweit- weise als ausgetrocknet (vgl. etwa Vaduzer Kleiner Kanal). Demnach besitzen nur mehr die Hälfte unserer Fliessgewässer überhaupt eine gründliche Wasserführung. Auch Vaduz macht hier keine Ausnahme. Von den 15 170 kartierten Laufmetern im Hoheitsgebiet von Vaduz sind 40 % nur periodisch wasserfüh- rend, fast alle aber kanalisiert und damit ver- baut. Wer einen naturnahen Bach im Talraum noch sehen will, kann dies demnach nicht mehr in Liechtenstein. Ein Spaziergang im benachbar- ten St. Galler Rheintal zwischen Trübbach und Sevelen, z. B. im Bereich der «Heuwie- se», gibt uns allerdings noch die Möglichkeit, «Erinnerungsbäche», wie sie auch bei uns einst waren, zu bewundern. Wie weiter?.  Das Schlagwort der «Revitalisierung» oder der «Rückbau» von Bächen ist in vieler Munde. Zunehmend wird auch als erstes ein- gesehen, dass ein Bach ganzjährig Wasser füh- ren sollte (was noch jüngst dem Lawenabach noch nicht zugestanden wurde). Demgemäss werden auch erfreulicherweise verschiedener- orts wieder Bewässerungen verwirklicht. Was bei derartigen Beurteilungen und Aktionen noch zur Gänze fehlt, sind naturkundliche Betrachtungen des Fliessgewässers. Einem Kanal kann allenfalls ein halbwegs anspre- chendes Aussehen vermittelt werden, wie weit nähert man sich aber wieder dem ur- sprünglichen Zustand des Fliessgewässers? Wer nimmt eine objektiv wissenschaftliche Untersuchung einer Bachfauna vor und wer beurteilt ein allfälliges Verbauungsergebnis nach biologischen Kriterien, die über ein sub- jektives Schönheitskriterium hinaus gehen? Die objektive Beurteilung setzt allerdings Kenntnis der Arten voraus und selbst Biolo- gen kennen häufig vor lauter Computer und Rasterelektronenmikroskope keine Arten mehr. Deshalb sollten bei jedem Wasserbau- Vorhaben im frühesten Planungstadium Kon- takte mit Fliesswasser-Biologen (Limnolo- gen) erfolgen und mit ihnen gemeinsam die Planung ausgearbeitet werden (um Missver- ständnissen vorzubeugen, der Schreibende zählt sich nicht dazu, er zieht derartige Exper- ten bei). Und in Vaduz? Mit einer interdisziplinären Betrachtungswei- se könnte auch in Vaduz einiges wieder ver- bessert werden: Als erstes wäre der Kleine Kanal wieder ganzjährig zu bewässern. Muss im übrigen ein Fliessgewässer immer und ewig kanalartig geführt werden? Sind Vorstellun- gen absolut utopisch, dass dort, wo die öffent- liche Hand Land zur Verfügung hat, wieder eine geschwungene Linienführung, ev. gar mit Berücksichtigung von Altarmen, erstellt werden. Dies wäre mindestens am Beispiel des Kleinen Kanals prüfenswert. Wasser ist Leben. Wo könnte dies eindrücklicher als ge- rade im Siedlungsbild dargestellt werden? Der Giessen wäre aufzuwerten und in seiner Bettstruktur zu verbessern. Soll man sich der einst vielen Bäche im Siedlungsbereich nur noch über die Flurnamen erinnern (vgl. Al- tenbach)? Könnte nicht allenfalls geprüft wer- 
den, einen einst verrohrten Bach wieder zu öffnen, um das Siedlungsgebiet freundlicher zu gestalten? Der ganze Problemkatalog «fliessendes Wasser» wäre eine reizvolle Auf- gabe für eine Gemeindekommission. Macht hier Vaduz als Hauptort des Landes den An- fang? 
Vaduz, vom Wasser geprägt (wm) Vaduz ist seit alters her eng mit dem Wasser verbunden. Vielleicht hat das Wasser Vaduz sogar den Namen ge- geben. Eine der Möglichkeiten des Na- mens Vaduz leitet sich von «Aquaeduc- tus» (Wasserführung) her. Nach Aus- kunft von Landesarchivar Dr. Alois Ospelt ist diese Namensherkunft nicht auszuschliessen. Indizien dafür sind vor- handen. Zur Zeit der ersten urkundli- chen Erwähnung von Schaan («Scana») im 9. Jahrhundert hat Vaduz noch nicht bestanden. Die ebendort erwähnte Fäh- re und Mühle dürfte sehr wahrscheinlich im heutigen Mühleholzgebiet gelegen haben, welches somit der ursprüngliche Ortsteil von Vaduz sein könnte. Der Name «Aquaeductus» könnte sich dem- zufolge auf den Wasserlauf in jenem Dorfteil beziehen. Zweifellos hatte das Wasser für die ehe- malige Siedlungsstruktur von Vaduz hervorragende Bedeutung. Der Kern al- ter Vaduzer Ortsteile liegt jeweils in der Nähe von Wasservorkommen. Vom Norden nach Süden sind dies der Bach im Mühleholz, der Quadretscha-/Alten- bach und der Spaniabach. Dort teilten sich jeweils genossenschaftlich verbun- dene Bauern Brunnen und Wasser, oder es siedelten sich die unterschiedlichsten Gewerbe an, die fliessendes Wasser brauchten. Regelmässig und intensiv sprudelt bis heute der Mühleholzbach. Sein Wasser zog daher schon seit Urzeiten viele Nut- zer an. Eine Mühle ist bereits im 9. Jahr- hundert erwähnt. Später folgten Gips- mühlen, Hanfstampfereien , Sägereien. Mehr als zehn gleichzeitige Nutzniesser dieser reichen Wasserquelle können nachgewiesen werden. Über die Wasser- kontingente wurde aufmerksam ge- wacht. Im zweiten Drittel des 19. Jhts. kam die grösste Nutzerin, die Spinnerei Jenni-Spoerry dazu. Dieser Industriebe- trieb baute beim Wildschloss eine Was- serfassung mit einem Zuleitungsrohr zur Fabrik zum Zweck der Stromproduk- tion. Nach Gebrauch musste das Wasser in die Ausgeleichsbecken im oberen Mühleholz, die bis heute bestehen, wei- tergeleitet werden, damit die nachfol- genden Nutzer keine Einbussen in Kauf nehmen mussten. Von der damaligen Bedeutung des Was- sers ist nichts mehr zu 
 spüren. Das Trinkwasser für Vaduz stammt aus dem Malbun. Der Mühlebach ist bis auf einen kleinen Abschnitt unterhalb der Landstrasse eingedolt. Der Altenbach wird unterhalb des neu errichteten Brunnens unterirdisch bis in den Gies- sen abgeleitet. Der Spaniabach fliesst im Rüfebett bis zur Landstrasse, erinnert beim Spaniahof (Mühlsteinbrunnen) an seine Existenz, wird dann unterirdisch in den Giessen abgeleitet. Das Quellauf- stossgebiet in der Au ist entwässert wor- den und dient heute als Baugebiet.
        

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