Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_22/9/
Schwimmen uns die Böden davon? (Quelle: Tagesanzeiger vom 7. 8. 1987) 
Liechtensteiner Umweltbericht 
Waldböden 
Seite 9 Der Wind als auslösender Faktor erreicht bei uns besonders während der kritischen Zeit im Frühjahr und Herbst (= schwache Bodenbe- deckung) Windgeschwindigkeiten, welche über der Erosionsstartschwelle von 18 km/h  liegen. In den Monaten April, Mai, Juni, Oktober und November wird im Mittel der Jahre während rund 25 % der Tage eine Windstärke von 18 km/h erreicht oder über- schritten und während rund 4 % der Tage (ca. 6 Tage) Geschwindigkeiten von über 30 km/h erreicht. Vereinzelte Föhnstürme verstärken die Erosionsgefahr zusätzlich. 
Aufgrund dieser Zahlen muss man die Ver- mutung anstellen, dass in Liechtenstein infol- ge Winderosion jährlich wertvoller Oberbo- den abgetragen wird und so die Bodenfrucht- barkeit abnimmt. Weil die Winderosion nur sehr schleichend abläuft, ist sie optisch sehr schwer zu erkennen und wird deshalb kaum beachtet. Um präzisere Aussagen über die Bodenero- sionsprobleme in Liechtenstein machen zu können, sind umfangreiche Untersuchungen nötig. Zusammenfassend kann gesagt wer- den, dass es bei der Erosion um die Suche 
nach tauglichen Lösungen geht; die Erarbei- tung von soliden Grundlagen über Ausmass, Ursachen und Vorbeugungsmassnahmen der Bodenerosion ist deshalb unumgänglich. Die Beratung muss in dieser Hinsicht vieles nach- holen, denn sie hat die Bauern zu lange im Ungewissen gelassen. Empfehlungen zur Verhinderung von Winderosionsschäden Zu den klassischen Massnahmen zur Verhin- derung der Winerosion aus pflanzenbaulicher Sicht gehört die Anlage von Windschutzhek- ken. Dies wurde bei uns schon in den vierzi- ger Jarhen erkannt. Nur schon aus diesem Grund rechtfertigt sich die umfangreiche Heckenpflanzung, welche in den letzten dreis- sig Jahren durchgeführt wurde. Weitere anbautechnische Vorbeugemass-   nahmen: — Bodenstruktur verbessern (häufiger Kunst- wiesen in der Fruchtfolge, Einsatz organi- scher Dünger) — Pfluglose Bodenbearbeitung (Belassen der Ernterückstände auf dem Feld) — Keine zu feine Saatbeetvorbereitung — Flächendeckende Einsaaten in Mais und Reben — 
Unterteilung grosser Schläge 
■ Waldböden in schlechtem Zustand Die liechtensteinischen Waldböden befinden sich in einem bedenk- lichen Zustand. Dieses Ergebnis förderte eine breitangelegte Untersu- chung unter der Leitung des Wiener Prof. Georg Husz zutage. Die Ergebnisse wurden im Mai der Presse vorgestellt. Wir zitieren aus dem Liecht. Volksblatt vom 9. Mai 1987. Nach Auskunft von Forstmeister Dr. Felix Näscher und Prof. Georg Husz stechen dabei einige Ergebnisse besonders hervor. Der Hu- mushaushalt präsentierte sich in 55 Prozent der untersuchten Waldflächen als günstig (Grünflächen: 100 Prozent), während er im Ausmass von 43 Prozent bereits geschädigt ist, in 2 Prozent sogar stark geschädigt. Starke Bodenversauerung Die Bodenversauerung ist bereits weit fortge- schritten. Nach der Studie sind 20 Prozent der untersuchten Waldflächen stark geschädigt, bei den Grünflächen sind es 5 Prozent starke Schädigungen. Nicht weniger als 67 Prozent der Waldflächen sind durch Bodenversaue- rungen gefährdet oder geschädigt, und nur bei 23 Prozent der Waldflächen ergaben sich güngstige Werte. Als günstig werden beim Grünland 64 Prozent der Bodenfläche in be- zug auf die Versauerung eingestuft, als ge- schädigt oder gefährdet werden 31 Prozent bezeichnet. Problematische Mineralstoffversorgung 86 Prozent aller untersuchten Waldstandorte und 75 Prozent der untersuchten Grünland- standorte weisen eine direkte oder indirekte Störung auf. Dabei sticht im Wald hohe bis zu hohe Stickstoffversorgung kombiniert mit un- terschiedlichem Kali-, Phosphor- und Magne- 
siummangel hervor. Es gibt aber auch Stand- orte mit Magnesiumüberschuss. Bei Grünland ist Mangel und Überschuss zu finden (beides unerwünscht für Futterqua- lität). Die Schwermetallbelastung Es wurden keine Extrembelastungen gefun- den, jedoch deutliche Hinweise auf Werte, die über allen natürlichen Werten liegen. Hier ist beim Wald Chrom, Blei, Cadmium, Nickel und Quecksilber auffällig. Bei Grünland tauchen überhöhte Werte bei Kupfer, Nickel, Chrom und Cadmium häufi- ger auf. Nach deutschen und österreichischen Richt- werten gibt es keine Überschreitungen. Nach Schweizer Grenzwerten gibt es solche für Blei und Cadmium. Ernst zu nehmende Schäden Aufgrund der Studie kommt man zu dem Schluss, dass je nach Beurteilungskriterium 45 bis 65 Prozent der untersuchten Böden starke und daher ernst zu nehmende Schäden bzw. Störungen aufweisen. Nur 15 bis 20 Prozent können als völlig problemlos angesehen werden. Nach Meinung des untersuchenden Institutes sind die meisten Schäden noch reversiebel (reparabel), wobei Massnahmepakete zur standorts-indivduellen Sanierung ausgearbei- tet werden müssten. Diese Massnahmen be- 
deuten keine «Chemisierung» — ja nicht ein- mal «Düngung» — des Waldes, sondern müss- ten in einer Regenerierung d. h. einer Art Wiederherstellung eines «ursprünglichen» Bodenzustandes bestehen. Revitalisierung des Waldes Man kann dann eine generelle Revitalisierung des Waldes, insbesondere eine Verbesserung seiner Verjüngung und eine Erhöhung seines Widerstandes gegen den Schadstoffeintrag aus der Luft und anderer Störfaktoren er- warten. Es dürfte auch die einzige Chance sein, den Wald über die Zeit hinwegzuretten, welche die Wirtschaft zur Umstellung der schadstoff- ausstossenden Techniken und Verfahren be- nötigt. Gezielte Waldrettungsaktion Doch empfiehlt die Studie in ihrem «Aus- blick» schon jetzt eine gezielte Waldrettungs- aktion mit folgenden Effekten: • Beendigung der Degradationsentwicklung der Böden • Beseitigung der Säure und des schädlichen Aluminiums bis zum notwendigen Aus- mass • Verbesserung des Mineralstoffangebotes für den Bestand • Rekonsolidierung des Humushaushaltes • Reaktivierung des Jungaufwuchses • Beendigung der Kronenauslichtung • Erholung der Systemstabilität (Verbesse- rung der Resistenz gegen Trockenheit, Krankheiten, Imissionsschädigungen etc.) • Überbrückung der nächsten 30 bis 40 Jahre bis zu welcher Zeit die heutigen Luftschad- stoffe vermutlich nur noch 15 bis 20 Pro- zent des derzeitigen Standes betragen werden. • Erhöhung der Standortsproduktivität und damit wenigstens teilweise Rückgewin- nung der Sanierungskosten. 
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