Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_22/5/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Bodenausstellung Seite 5 — Mechanisierung, Rationalisierung. — Hektarertragssteigerung. Diese Entwicklung war von der Aussiedlung grosser Höfe in die Landwirtschaftszone be- gleitet. Dadurch rückten Randlagen, die frü- her extensiv bewirtschaftet worden waren, nä- her. Die letzten Jahrzehnte sind denn auch von einem beispiellosen Verlust von Mager- wiesen und Feuchtgebieten, die der Intensi- vierung der Landwirtschaft zum Opfer fielen, geprägt. Auswege aus der Sackgasse Die Landwirtschaft ist bekannterweise längst der freien Marktwirtschaft entzogen. Jährlich werden grosse Summen von staatlichen Sub- ventionen und Darlehen ausgeschüttet, Preise festgesetzt usw. In Zukunft müssen diese Gel- der nicht mehr zugunsten einer Ertragssteige- rung, sondern im Sinne der Erhaltung der Fruchtbarkeit des Bodens, einer artenreichen  Vegetation und vielfältigen Landschaft einge- 
setzt werden. Als solche Massnahmen dienen namentlich: — 
Unterstützungszahlung für die Umstellung auf biologischen Landbau. — 
Unterstützung des bodenschonenden An- baus. — 
Bewirtschaftungsbeiträge für Erhalt von Magerwiesen und andere extensiv bewirt- schaftetete Flächen (Acker-, Wiesen-, Weg- und Waldränder usw.). Bodenverlust durch Überbauung Jahrhundertelang sind unsere Vorfahren spar- sam mit dem Boden umgegangen. Die Sied- lungen sind entlang weniger Strassen gewach- sen. Erst in den letzten Jahrzehnten ist das Siedlungsgebiet explosionsartig und weit über den wirklichen Bedarf ausgedehnt worden. Heute bieten die Bauzonen bereits für mehr als 100 000 Einwohner Platz. Die Landschaft wird zersiedelt, landwirtschaftliche Nutzflä- 
che wird überbaut. Täglich gehen durch die Bautätigkeit 210 qm Boden verloren. Der Dorfzusammenhalt schwindet durch die Sied- lungsausdehnung, Strassen werden benötigt und bedecken den Boden, das Auto prägt das Dorfleben. Dem unwirtschaftlichen Bodenverbrauch soll- te ein Ende gesetzt werden: — 
Im Interesse der Erhaltung naturnaher Räume. — 
Im Interesse des ökologischen Gleichge- wichts im Naturhaushalt. — 
Im Interesse der Sicherung einer ausrei- chenden landwirtschaftlichen Eigenversor- gung (vgl. dazu den Beitrag von Mario 
F. Broggi in diesem Umweltbericht). Gewachsene Dorfkerne ... Spazieren wir durch das Mittel- und Oberdorf von Vaduz, beeindruckt uns der Bezug der Häuser zueinander. Der Dorfteil ist natürlich Fehlende Bodenschutzvorschriften Regierungschef-Stellvertreter Dr.Her- bert Wille hielt anlässlich der Eröffnung der Ausstellung «Boden — bedrohte Le- bensgrundlage?» der LGU eine Anspra- che, in welcher er auf gesetzliche Be- stimmungen zum Schutz des Bodens ein- ging. Wir zitieren daraus eine kurze Pas- sage. «Der Boden ist unter Umweltgesichts- punkten kaum geschützt. Es fehlen ent- sprechende gesetzliche Bestimmungen, wie sie beispielsweise im schweizeri- schen Umweltschutzgesetz enthalten sind. Unsere Böden sind quantitativen und qualitativen Beeinträchtigungen ausgesetzt. Quantitativ, indem die Ver- minderung der Kulturböden durch den Bau von Strassen, Bauten und Anlagen erfolgt. Qualitativ, indem der Boden durch vielerlei Arten von Schadstoffen belastet wird. Wir kennen noch keine Bodenschutzvorschriften. Solche sind gefordert. Ziel muss es sein, die Boden- fruchtbarkeit zu erhalten. Die neuesten Bodenuntersuchungen, die im Rahmen des Programms »Gesunder Wald« durchgeführt wurden, zeigen, dass es an der Zeit ist, dem Boden vermehrte Auf- merksamkeit zu schenken. Wir müssen uns auch vermehrt der Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Natur be- wusst werden. So ist es notwendig, dass sie den Erfordernissen einer ausgewoge- nen Ökologie des Bodens nachkommt. Das Problem der Überdüngung des Bo- dens und die dadurch verursachten schädlichen Auswirkungen im Zusam- menhang mit unseren Gewässern ist be- kannt. Man wird in Zukunft den Drang nach immer grösserem Ertrag des Bo- dens, der nur durch die Verwendung von Stoffen erzielt wird, die über die Nah- rungskette der Gesundheit des Men- schen und der Tiere schälen können, zügeln müssen.»
        

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