Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_22/4/
Seite 4 
Bodenausstellung Oktober 1987 eine direkte oder indirekte Störung auf. Dabei sticht eine hohe bis zu hohe Stick- stoffversorgung, kombiniert mit unter- schiedlichem Kali-, Phosphor- und Magne- siummangel hervor. Es gibt aber auch Standorte mit Magnesiumüberschuss. — Bezüglich der Bodenversauerung erweisen sich nur 23 % der Standorte als günstig, 67 % als gestört, 10 % als geschädigt oder stark geschädigt. — Der Humusgehalt ist in 55 % der Fälle gün- stig, bei 43 % ungünstig, bei 2 % sehr un- günstig. — Die Kationenkombination am Sorptions- komplex ist bei 15 % der untersuchten Waldstandorte günstig, bei 60 % ungünstig, bei 25 % sehr ungünstig. — Bezüglich der Schwermetalle wurden keine Extrembelastungen gefunden, jedoch deut- liche Hinweise auf Werte, die über allen natürlichen Werten liegen. Hier ist der Nachweis von Chrom, Blei, Cadmium, Nik- kel und Quecksilber im Wald auffällig. Schutzwald auf geschädigtem Standort Auf den geschädigten Böden soll der infolge Luftverschmutzung geschädigte Wald seine Schutzfunktion ausüben. Die Bedeutung des Waldes als Schutz vor Erosionen und Rut- schungen ergibt sich nicht zuletzt aus der Ver- flechtung der Bodenschicht mit dem tiefgrei- fenden Wurzelwerk. Wenn diese Verflechtung zerstört wird, hat dies weitreichende Folgen für die Wohnsiedlungen. Die liechtensteinische Landschaft ist durch aussergewöhnliche Steillagen und durch mächtige, zum Teil aus unbeständigem Kalk- stein aufgebaute Felsmassive charakterisiert. Bei den vorliegenden geologischen und topo- graphischen Verhältnissen hat der Wald nicht nur Holz zu produzieren, sondern in erster Linie wichtige Funktionen zum Schutz der Landschaft zu erfüllen. Ohne Wald wäre das 
Fürstentum nie im heutigen Ausmasse be- wohnbar. Die Wälder, die die Steilhänge be- stocken, sind daher die wichtigsten Vorausset- zung zur Erhaltung und Sicherung des menschlichen Lebensraumes. Bodenerosion in Steillagen Zur Schaffung landwirtschaftlicher Bodenflä- chen wurden die Waldrodungen schon vor Jahrhunderten weit in die Steilhänge hinein- getragen. Dieser Raubbau an der natürlichen Vegetation sollte sich jedoch bald einmal rä- chen. Auf den vom Wald entblössten, steilen Hanglagen stellen sich nun in zunehmendem Masse Bodenerosionen, Verrüfungen und Rutschungen ein. Diese brachliegenden Steil- hänge sollten daher wiederbewaldet werden, wofür in den meisten Fällen technische Ver- bauungen mit beträchtlichen finanziellen Auf- wendungen notwendig sind. Am Fusse der steilen Bergflanken haben sich im Laufe der Zeit gewaltige Schuttmassen   angehäuft, die durch Wildwasser leicht in Be- wegung gebracht werden können. In den liechtensteinischen Tallagen liegen jedoch ge- ballt die Siedlungsräume, sodass eine Auflan- dung mit Verwitterungsschutt katastrophale Auswirkungen hätte. Wenn wir daran den- ken, dass ein dichtes Pflanzenkleid den Ab- trag von Lockermaterial nahezu zum Still- stand bringt, wird uns die Leistung, die eine dichte Waldbestockung erbringt, erst so rich- tig bewusst. Ehemals bewaldete Steillagen, deren Bestok- kung im Laufe der vergangenen Jahrhunderte zur Gewinnung von Weidflächen aufgelockert wurde, werden oft zu gefährlichen Lawinen- anrissgebieten. Durch die Schneebewegungen werden die noch verbliebenen Bestandesreste weiter reduziert und die aufkommende Baum- und Strauchverjüngung samt dem Wurzelwerk und dem Erdmaterial ausge- rissen. 
Landwirtschaft: Parzellierung und Rationalisierung Die bei uns übliche Erbteilung führte zu einer übermässig starken Parzellierung, welche sich für die Landwirtschaft arbeitstechnisch sehr nachteilig auswirkt. Negative Folgen davon sind: — Zum Teil sehr weite Anfahrtswege auf das Feld. — Keine geregelte Fruchtfolge möglich. — Erschwerte Bewirtschaftung durch immer wechselnde Bodenverhältnisse. — Der Landwirt ist in zunehmendem Masse Pächter und nicht Besitzer des landwirt- schaftlichen Bodens. Im Verlaufe der letzten Jahrzehnte hat sich die Zahl der Betriebe stark verringert, wobei die verbleibenden Betriebe ihre Nutzfläche ausdehnen konnten. Unter dem wirtschaftli- chen Druck der Existenzsicherung waren die Landwirte gezwungen, die Produktion zu ra- tionalisieren und zu intensivieren, was zu ei- ner erhöhten Belastung des Bodens führt. Intensivierung und Bodenbelastung Die Landwirte sind gezwungen, immer mehr zu produzieren, um mit der Einkommensent- wicklung anderer Berufe Schritt halten zu können. Ein Kaufkraftvergleich verdeutlicht, in welchem Ausmass die Landwirte ihre Pro- duktion zur Einkommenssicherung steigern mussten: 1955 musste der Landwirt 7,5 kg Milch oder 4,6 kg Weizen verkaufen, um den Stundenlohn eines Bauarbeiters auszuglei- chen. 1985 waren es 20,3 kg Milch (270 %) oder 17,2 kg Weizen (370 %). Diese Preisschere konnte bei schrumpfender landwirtschaftlicher Nutzfläche nur ausgegli- chen werden durch: — Rückläufige Zahl der Betriebe — Zunahme der Ertragsfläche der einzelnen Betriebe.
        

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