Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
22
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_22/2/
Leitbild Landwirtschaft Die bisherige Steuerungsrichtung der Landwirtschaft bewegt sich in eine Sackgasse. Bekannte Stichworte erhellen die Stossrichtung der heutigen Landwirtschaft: Ertragssteigerung, Kulturlandverlust, Chemi- sierung, Hormonbehandlung von Tieren, Mechanisierung, Intensivie- rung, Überdüngung. Die landwirtschaftliche Produktion könnte ebensogut im Einklang mit der Natur erfolgen. Die LGU wird in einer eigenen Publikation ausführlich auf die Möglichkeiten zur Neuorientie- rung in der Landwirtschaftspolitik zu sprechen kommen. Der nachste- hende Beitrag fasst einige wesentliche Punkte zusammen. 
Leitbild Landwirtschaft Oktober 1987 
Seite 2 Die Europaratskampagne Landleben, die in den Jahren 1987/1988 durchgeführt wird, wird von der 
LGU unter dem Motto «Für eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur» mitgetragen. Die Kampagne fällt in eine Zeit, Wilfried Marxer in welcher die landwirtschaftliche Produktion mit den gehabten Mitteln an Grenzen stösst. Die landwirtschaftliche Ertragsfläche ist in Liechtenstein ebenso an den Grenzen ange- langt wie die Möglichkeiten der Mechanisie- rung, Düngung usw. Weitere Ertragssteige- rungen und damit die Existenzsicherung unse- rer Landwirte sind kaum mehr möglich, ohne den Boden nachhaltig in seiner Qualität anzu- greifen. Es ist daher der richtige Zeitpunkt, um mit Erfolgsaussichten eine neue Landwirt- schaftspolitik einzuleiten. Das hat auch der Gesetzgeber in Liechtenstein erkannt. Der Landtag hat ein Postulat an die Regierung überwiesen, das die Erarbeitung eines land- wirtschaftlichen Leitbildes fordert. Die LGU ist mit einem Vertreter in der neugebildeten Kommission dabei. Erfolglose Vergangenheit Die bisherigen Versuche der LGU, eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zu fördern, sind mehrheitlich erfolglos verlau- fen. Am gravierendsten erweist sich der Kul- turlandverlust, der einer ungehemmten Bau- tätigkeit geschuldet ist. Aber auch das ver- bliebene Landwirtschaftsland hat unzählige Veränderungen erfahren. So sind die soge- nannten Meliorationen in der Regel mit ei- nem Verlust an Naturwerten verbunden. Der Verlust feuchtigkeitsliebender Pflanzenarten ist gleichzeitig der Verlust eines Lebensrau- mes für Tierarten. Rote Listen von ausgestro- benen und gefährdeten Arten beweisen, dass die moderne Landwirtschaft eine Hauptbe- drohung für sensible Arten darstellt. Gefähr- det sind beispielsweise die sogenannten Ackerunkräuter, die in der Zeit der maschi- nellen Bodenbearbeitung und der Chemisie- rung der Landwirtschaft keine Überlebens- chance mehr haben. Gefährdet sind Pflanzen- und Tierarten der Feuchtgebiete, die der Ent- wässerung und Nutzbarmachung des Bodens zum Opfer fallen. Gefährdet sind insbesonde- re auch Arten der Halbtrockenstandorte (Ma- gerwiesen), die der Düngung und Ertragsstei- gerung weichen müssen. Die 
Warnungen_ und Forderungen  der LGU  auf 
all diesen Ebenen sind mehrheitlich unter- gegangen. Lediglich einzelne Nischen konn- ten der landwirtschaftlichen Intensivnutzung abgetrotzt und gesetzlich geschützt werden. Dazu zählen beispielsweise das Naturschutz- gebiet Ruggeller Riet oder der Rheindamm, in welchen die landwirtschaftliche Nutzung nur unter Einhaltung bestimmter Auflagen erfolgen darf. Zielsetzung der Landwirtschaftspolitik Ausgehend von den Erfahrungen der Vergan- genheit und in Fortsetzung der bisherigen Haltung der LGU zur Förderung einer Land- wirtschaft im Einklang mit der Natur können die Ziele der Landwirtschaftspolitik aus der Sicht des Natur- und Umweltschutzes grob wie folgt umrissen werden: — Erhaltung einer artenreichen, überlebens- fähigen Flora und Fauna durch Sicherung der erforderlichen Lebensräume — Schutz des Bodens zur Sicherung seiner nachhaltigen Fruchtbarkeit und seines bio- logischen Gleichgewichtes — Schutz des Grundwassers vor Verunreini- gung — Erhaltung des Bauernstandes durch geziel- te Unterstützungsmassnahmen, die eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur fördern — Erhaltung des Kulturlandes im heutigen Ausmass Biotopschutz Der Artenverlust kann durch einen ausgebau- ten Biotopschutz verhindert werden. Es ist notwendig, weitere Schutzgebiete, in welchen die landwirtschaftliche Nutzung mit Auflagen verbunden ist, auszuweisen. 'Schutzbedürftig sind heute vor allem die Feuchtgebiete, Au- enwälder und Magerwiesen. Ferner sollte das alpine Gebiet Garselli-Zigerberg unter Schutz gestellt werden. Fliessgewässer müssen renaturiert werden. Dieser Punkt beinhaltet die Bewässerung aus- getrockneter Bäche ebenso wie das Aufreis- sen eingedolter Bäche. Selbst die kleinsten Lebensräume sind wertvoll: Ackerränder, Waldränder, Tümpel, Hecken, Gräben usw. Durch die Vernetzung all dieser kleinen Biot- ope kann ein grosser Lebensraum imitiert werden. Die Aufwertung der Lebensräume von bedrohten Pflanzen- und Tierarten lässt sich ohne grossen Verlust an landwirtschaftli- 
cher Nutzfläche bewerkstelligen. Eine detail- lierte Planung müsste jedoch erfolgen und umgesetzt werden. Schutz von Boden und Grundwasser Der Boden stellt ein sehr empfindliches Öko- system dar, insbesondere in Hanglagen. Ein- seitige Ackerbaukulturen, Nassbearbeitung mit schweren Maschinen, unsachgemässe Entwässerung, lange vegetationslose Zeit, übertriebener Einsatz von Düngemitteln je- der Art können zu nachhaltigen Schäden für den Boden führen. Eine eingehende Orientie- rung der Landwirte, kombiniert mit Anbau- empfehlungen, Richtlinien und gegebenen- falls Verboten könnte zum Schutz des Bodens beitragen. Das Grundwasser, das zu mehr als der Hälfte unser Trinkwasser speist, ist speziell zu schüt- zen. Eine Grundwasserschutzzone, wie sie seit 10 Jahren im Gesetz vorgesehen ist, sollte endlich gesetzlich verankert werden. Das Ge- biet entlang der Grundwasserpumpstationen sollte vor Schadstoffeinträgen jeglicher Arte geschützt werden. Erhaltung des Bauernstandes Die Landwirte leisten unersetzliche Arbeit zur Erhaltung einer traditionsreichen Kultur- landschaft. Ohne Landwirte gehen Magerwie- sen und Streuegebiete verloren. Die Preisent- wicklung hat die Landwirte jedoch in der Ver- gangenheit zu einer intensiveren Nutzung des Bodens gezwungen. Die Subventionspolitik des Staates hat die Entwicklung zur Ertrags- steigerung bisher unterstützt. Es ist allerhöch- ste Zeit, dass sich die unterstützende Tätig- keit des Staates an den ökologischen Erfor- dernissen unserer Zeit orientiert. Die Erhal- tung des Bauernstandes kann auch auf ande- ren Wegen erfolgen, als wie sie bisher be- schritten wurden (übrigens sind im Verlaufe der vergangenen drei Jahrzehnte rund zwei Drittel der Landwirtschaftsbetriebe einge- gangen). Geeignete Massnahmen sind beispielsweise Flächenbeiträge für die Erhaltung von Ried- und Magerwiesen, Prämien für die Umstel- lung auf biologischen Landbau, Subvention der biologischen Schädlingsbekämpfung usw. Landesweite Landwirtschaftszone Eine vorrangige Forderung ist zweifelsfrei die gesetzliche Verankerung einer landesweiten Landwirtschaftszone. Die Erhaltung der land- wirtschaftlich nutzbaren Fläche ist eine Vor- aussetzung für die Erhaltung eines überle- bensfähigen Bauernstandes. Nicht zuletzt liegt die Kulturlandsicherung auch im Interes- se einer möglichst weitgehenden Eigenversor- gung Liechtensteins mit Nahrungsmitteln. Die LGU setzt sich für diese kurz skizzierten Ziele in der Kommission zur Erarbeitung ei- nes landwirtschaftlichen Leitbildes ein. Eine ausführliche Fassung der Position der LGU zur Landwirtschaftspolitik wird in der LGU- Schriftenreihe erscheinen. 
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