Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_21/2/
Hausbegrünung April 1987 Seite 2 Hausbegrünung als Beitrag ökologischen Bauens Wir brauchen die Natur — die Natur aber braucht uns nicht! Heinz Frick Bauen als menschliches Grundbedürfnis ist immer ein Eingriff in die Natur. Um von diesem Eingriff 
in die Natur zu einem Bauen mit der Natur zu kommen, müssen wir uns bewusst werden über die Beziehungen und Abhängigkeiten zwischen der Natur, uns und unserer Umwelt und müssen die vorherr- schende Meinung aufgeben, ökologische Sy- steme liessen sich mit technischen Mitteln sta- bilisieren. Die Verdichtung der alten Siedlungszentren und ihre Ausdehnung zu immer grösseren Siedlungsräumen führt letztlich auch im Für- stentum Liechtenstein zu einer Verstädte- rung, welche die natürlichen Lebensgrundla- gen immer mehr verschlechtert. Die ökologi- schen Gleichgewichte werden nachhaltig ge- stört. Die Elemente einer grünen Umwelt wie Wie- sen, Äcker, Felder und Wälder werden durch die überbordende Bauwut zurückgedrängt. Gesetzliche Vorschriften und geologisch-hy- drologische Bedingungen begünstigen den ebenerdigen Keller und das Wohnen im ersten Stockwerk. Das Nicht-erdgebunden-sein führt zu einem Nicht-begreifen der natür- lichen Umwelt. Wiesen werden zu Abstands- grün (Rasen) und die Gehölze und Gebüsch- hecken degenerieren zu einzelnen exotischen Ausstellungsstücken wie Blautannen, Magno- lien oder Cotoneaster. Unsere Umwelt ver- armt zusehends. Was bewirken Pflanzen am Bau? Pflanzen an Gebäuden hatten früher vorwie- gend architektonisch-gestalterische Gründe. Pflanzen können markieren oder kaschieren, betonen oder abschwächen. Heute werden Pflanzen für unsere durch Zersiedlung verwü- stete Landschaft benötigt. (Ein Arzt kann seine Fehler begraben, ein Architekt kann seinen Bauherrn nur bitten, Efeu zu pflanzen!) Pflanzen bieten die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand eine unpersönliche techni- sche Gebäudehülle persönlich und individuell zu gestalten. Pflanzen können der Luft Kohlendioxyd ent- ziehen und sie mit Sauerstoff anreichern (Photosynthese). Um den Sauerstoffbedarf eines Menschen zu decken, werden etwa 150 m2  Blattoberfläche benötigt, was z. B. er- reicht werden kann durch eine junge Buche mit 5 m Kronendurchmesser, 20 m2  Rasenflä- che 3-5 cm hoch, 1,5 m2  Grasdach mit 30- 40 cm hohen Gräsern oder 2,5 m2  einer 25 cm dicken Efeufassade. Pflanzen können Staub- und Schmutzpartikel aus der Luft filtern. Die Partikel bleiben an der Oberfläche von Blättern und Zweigen haften und werden in der Regel vom Regen in den Boden gespült. Daneben können Pflan- zen aber auch gasförmige Schadstoffe und Aerosole absorbieren. 
Bewachsene Dächer vermindern das Aufhei- zen der Dachflächen erheblich. Über Gras- dächern entsteht keine Thermik. Die an Fas- saden aufsteigende Luft, deren Geschwindig- keit noch wesentlich grösser sein kann, als die vertikale Luftbewegung über Dächern und die grosse Menge von Schmutzpartikeln mit sich trägt (und bei geöffneten Fenstern ins Hausinnere bringt), wird bei einer begrünten Fassade durch Turbulenzenerzeugung ge- bremst. Durch die Verdunstung von Wasser, durch die Photosynthese und durch die Wärmespeicher- fähigkeit des in der Pflanze befindlichen Was- sers entzieht die Pflanze ihrer Umgebung Wärme. Dieser Kühleffekt ist besonders an heissen, trockenen Sommertagen spürbar. 
Während Pflanzen an warmen Sommertagen kühlen, erzeugen sie nachts und im Winter Wärme. Dies beruht auf der Freisetzung von Wärmeenergie beim Atmungsprozess, der wie die umgekehrte Photosynthese verläuft. Pflanzen können die Windströmung ablenken und die Windenergie durch Umwandlung in kinetische Energie (Bewegungsenergie) und Wärme abbauen. Begrünte Fassaden und Dä- cher verringern die Windbeanspruchung von Gebäuden und erhöhen die Fugendichtigkeit von Wänden, Fenstern und Türen. Pflanzenpolster an Fassaden und Dächern ha- ben eine hohe Wärmedämmwirkung, die bei einem stehenden Luftpolster von 5 cm eine k-Wert-Verbesserung von 10-25% mit sich bringen. Gernot Minke und Gottfried Witter fassen in ihrem Buch «Häuser mit grünem Pelz» die positiven Wirkungen einer dichten Fassadenbegrünung wie folgt zusammen: — Wärmedämmung durch Luftpolsterbildung. — Verringerung des Wärmeverlustes des Gebäudes durch Abhalten des Windes von der Fassade. — Verringerung des Wärmeverlustes des Gebäudes durch Reflexion und Absorption eines Teils der langwelligen, vom Gebäude nach aussen dringenden Wärmestrahlung. — Verringerung des Wärmeverlustes infolge der durch nächtliche Kondenswasserbildung (Tau) entstehenden Wärmerückgewinnung. — Umwandlung der Windenergie in Wärme. — Kühlwirkung bei Sonneneinstrahlung durch Wärmeverbrauch für die Verdunstung, Strahlenabsorption für die Photosynthese und Strahlungsreflexion. — Verringerung der Schmutzaufwirbelung durch mechanische und thermische Bremsung der vertikalen Luftbewegung. — Reinigung der Luft von Schmutzpartikeln. Anreicherung der Luft mit Sauerstoff. — Anreicherung der Luft mit Feuchtigkeit. — Schallschutz durch Schallreflexion und -absorption, sowie Minderung der subjektiven Lärmwahrnehmung durch windbedingte Rausch- und Raschelgeräusche in den Blät- tern. — Erhöhung der Fugendichtigkeit vor Wänden, Fenstern und Türen durch Verringerung des Winddruckes. — Schutz von Anstrichen, Putz und Mauerwerk von starken Temperaturschwankungen, UV-Strahlen und Schlagregen. — Anlocken von Singvögeln, die im Pflanzenpolster Nistplätze und Nahrung finden.
        

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