Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
21
Erscheinungsjahr:
1987
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_21/13/
  Liechtensteiner Umweltbericht 
CIPRA Seite 13 Informationen über die CIPRA 
sind bei den  nationalen Trägerschaften. — in Liechtenstein bei der LGU — oder direkt bei der Geschäftsstelle CIPRA, Heilig- kreuz 52, FL-9490 Vaduz, erhältlich. Die CIPRA gibt einen Informations-   dienst heraus, der unentgeltlich von In- teressierten bezogen werden kann. bezüglich der Schutzbestimmungen, als auch bezüglich des Vollzugs dieser Schutzbestim- mungen. Alpines Schutzgebiet «Garselli»? -Mangels eigenen Nationalparks oder gross- räumigen Schutzgebietes entfiel ein Länder- bericht aus Liechtenstein. Allerdings sind die_ Tagungsergebnisse für Liechtenstein nicht un- erheblich, da ja die LGU und der Liechten- steiner Alpenverein ein «Alpines Schutzge- 
biet» im Raume Zigerberg-Garselli anstre- ben. Die Problematik dürfte am ehesten mit der Situation in der Schweiz vergleichbar sein. Auch in Liechtenstein ist die Sensibilisierung der Bevölkerung, im konkreten Fall insbeson- dere der Triesenberger Gemeindebürgerin- nen und -bürger, sowie der Behörden uner- lässlich. Eindruck von der Exkursion Die CIPRA-Tagungen beinhalten jeweils eine Exkursion, die die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer in die skitouristische Er- schliessung von Les Arc führte, welche trotz ihrer grossen Ausdehnung noch weiter ausge- baut werden soll. Der Rettungsversuch für die geschrumpfte Birkwildpopulation gerade in dieser Freizeitanlage hat dabei wenig Zustim- mung gefunden. Weit beachtenswerter ist das Ausmass des Nationalparks, an dessen Ein- gangspforten abschliessend zum wiederholten 
Male in französischer Pracht für das leibliche Wohl gesorgt wurde. Leider hat die Zeit für einen Besuch der Kernzone das National- parks nicht gereicht. Alpenschutzkonvention Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA hat anlässlich ihrer Präsidialsitzung am 7. 2. 1987 in Vaduz, Liechtenstein, über weitere Initiativen zur Verbesserung der Um- weltsituation im Alpenraum beraten. Die Vertreter der 7 CIPRA-Staaten Deutschland, Frankreich, Fürstentum Liechtenstein, Ita- lien, Yugoslawien, Österreich und Schweiz kamen zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Grundsätze, Ziele und Massnahmen zum Schutz des Alpenraumes zu keinem spürbaren Nachlassen der Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen geführt haben. Im Gegen- teil: Es sind in den letzten Jahren neue Bela- stungen entstanden (z. B. Sterben der Berg- wälder). Die CIPRA stellt fest, dass es in den Alpen- ländern an einem grenzüberschreitend abge- stimmten Vollzug der bereits vorhandenen rechtsverbindlichen Ziele und Massnahmen im Umweltbereich mangelt. Die Vorschriften müssen künftig besser befolgt werden. Das Präsidium der CIPRA hat deshalb be- schlossen, Vorarbeiten für eine Internationale Alpenschutzkonvention aufzunehmen. Als,   Beispiel können die bestehenden Vereinba- rungen zwischen den Anrainerstaaten des Rheins und der Nordsee dienen. Die CIPRA wird deshalb gemeinsam mit anderen Organi- . sationen zunächst eine Bilanz der bisherigen Bemühungen zur Verbesserung des Alpen- schutzes erstellen und sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge im Rahmen einer Konfe- renz vorlegen. Aufbauend auf dieser Bilanz sollen dann Vorschläge für die materiellen Inhalte einer Alpenschutzkonvention erarbei- tet werden, die den Alpenstaaten als Grund- lage einer rechtsverbindlichen Konvention dienen können. Die CIPRA will mit dieser Initiative die natio- nalen Bestrebungen zur Sicherung der Le- bensgrundlagen in den Alpen unterstützen und gleichzeitig einen Beitrag zum Europäi- schen Umweltjahr 1987/88 der Europäischen Gemeinschaft leisten. 
Deklaration von Les Arcs CIPRA-Jahresfachtagung 1986 «NATURSCHUTZ CONTRA BÜRGER?» Schutzgebiete im Widerstreit mit den Nutzungsansprüchen der einheimischen Bevölkerung Anlässlich des Jahresfachtagung Vom 14. bis 16. September 1986 in Les Arcs/Nationalpark Vanoise, Frankreich, hat sie die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Natur- und Landschaftsschutz und' den Nutzungs- ansprüchen der örtlichen Bevölkerung befasst. Aufgrund der Berichte aus den sieben _CIPRA-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Jugoslawien, Österreich und der Schweiz stellten die Delegierten fest, dass häufig Spannungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Zielen des Naturschutzes bestehen, die abgebaut oder besser von vorneherein vermieden werden sollen. Die CIPRA anerkennt das berechtigte Streben der einheimischen Bevölkerung nach einer selbstbestimmenden Gestaltung ihres Lebensraumes und damit die Notwendigkeit eines «Naturschutzes mit dem Bürger». Es liegt aber auch im Interesse der alpinen Regionen selbst, in Zukunft den Anliegen der Umweltvorsorge vermehrt Rechnung zu tragen. Angesichts der bestehenden Belastungen unterstützt die CIPRA alle Bestrebungen zu einer schonenderen Nutzung des Alpenraumes auf seiner ganzen Fläche und insbesondere zur Schaffung weiterer Schutzgebiete. Im einzelnen fordert die CIPRA von den zuständigen Stellen folgende Massnahmen: 1. Im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und den Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes müssen vermehrt die unterschiedlichen Entwicklungsvoraus- setzungen der Regionen des Alpenraumes beachtet werden. Deshalb ist es eine unabdingbare Voraussetzung, die Entwicklungsmöglichkeiten, die natürliche Ausstat- tung und die allfällig bestehenden Belastungen für jede Region festzustellen. 2. Im Rahmen integraler und langfristig orientierter Entwicklungsmassnahmen sind. Konzepte ausgewogener «kleiner Schritte» zu entwickeln. 3. Beim angestrebten Ausgleich zwischen den Schutzinteressen und dem Anspruch auf eine angemessene örtliche Entwicklung wird die besondere Betroffenheit der ansässi- gen Bevölkerung anerkannt. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass es überört- liche Schutzinteressen gibt. 4. Grundbedingung für eine Lösung der Probleme ist die frühzeitige Information und Beteiligung der ansässigen Bevölkerung bei der Planung von Schutzgebieten. Schutz- und Pflegemassnahmen müssen von ihr nicht nur akzeptiert, sondern mitgetragen werden. Weiters ist es notwendig, die Erholungssuchenden aus den städtischen Bal- lungsräumen auf die Gefahren einer Übernutzung von Schutzgebieten hinzuweisen. 5. Nutzungseinschränkungen, die sich als Folge von Schutzgebietsausweisungen ergeben, müssen angemessen ausgeglichen werden. Neben einem derartigen Ausgleich im Einzelfall sind auch auf regionaler und überregionaler Ebene Modelle dafür zu entwickeln. 6. Für eine langfristige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen genügen einzelne inselartig verstreute Schutzgebiete nicht. Es ist vielmehr gestützt auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen (z. B. Programm MAB) und deren ständiger Nach- führung ein Netz grosser und kleiner Gebiete mit unterschiedlichem  Schutzgrad und mit den nötigen Übergangszonen zu planen. Die CIPRA weist abschliessend darauf hin, dass in Zukunft der Einhaltung der Schutzbe- stimmungen und der Pflege der Schutzgebiete in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung grössere Aufmerksamkeit zu schenken ist. Les Arcs, den 16. September 1986
        

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