Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
20
Erscheinungsjahr:
1986
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_20/6/
Aus der Arbeit der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA Die CIPRA wurde 1952 mit einem Grundsatzprogramm für den Schutz des Alpenraumes gegründet. Sie stützt sich in den sieben Alpenländern — Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Liechtenstein, Österreich und Schweiz — vorwiegend auf private Natur- und Landschaftsschutz-Organisationen und strebt eine Zusammenar- beit mit den Behörden und den Hochschulen an. Sie fördert den Erfahrungs- und Informationsaustausch über alpine Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes und setzt sich für konkrete entsprechende Anliegen im Alpenbogen ein. Die CIPRA veröffentlicht ein viertel- jährliches Informationsblatt (CIPRA-INFO) sowie eine CIPRA-Schrif- tenreihe. Der Sitz von CIPRA-International ist seit 1983 in Vaduz. 
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CIPRA September 1986 Soeben ist der Schlussbericht der CIPRA- Jahresfachtagung 1985 mit der CIPRA-De- klaration, den Referaten und weiteren schrift- lichen Beiträgen zum Tagungsthema sowie einer Bibliographie erschienen. Ziel der Ta- gung war es, einen Überblick über Zustand und Entwicklung des Bergwaldes in den Al- penländern sowie eingeleitete Massnahmen zu seiner Rettung zu geben. Auch aus dem Fürstentum Liechtenstein ist ein Beitrag von Landesforstmeister Dr. Felix Näscher be- rücksichtigt. Die vorliegende Schrift erlaubt somit erstmals einen Überblick über den Zu- stand des Bergwaldes in allen Alpenländern. Um die Übersicht möglichst aktuell zu erhal- ten, wurden im Anhang auch die Daten dieses Jahres berücksichtigt. Dieser 208 Seiten umfassende Band kann bei der CIPRA-Geschäftsstelle, Heiligkreuz 52, FL-9490 Vaduz, für Fr. 20.— bestellt werden. 
«Naturschutz contra Bürger? Schutzgebiete im 
Widerstreit mit den Nutzungsansprüchen der einheimischen Bevölkerung.» Vom 14.-16. September 1986 findet die CI- PRA-Jahresfachtagung in einer Skistation in der Tarantaise in Savoyen statt. In einem Grundsatzreferat sowie neun Fall- und Mo- dellbeispielen aus dem Alpenbogen wird das Tagungsthema durchleuchtet werden. Es konnten ausgezeichnete Experten als Refe- renten gewonnen werden, die uns teils auch Forschungsergebnisse unterbreiten werden, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden. Wir rechnen mit einer starken Beteiligung und erwarten auch eine liechtensteinische De- legation zu dieser Tagung. Das Tagungsthema hat für die Diskussionen um eine alpine Grossreservation Garselli-Zigerberg auch sei- ne aktuelle Bedeutung für Liechtenstein. Der Sport ist ein bedeutender wirtschaftlicher und politischer Machtfaktor in unserer Ge- sellschaft. Spitzensport wird zum Aushänge- schild der Nationen. Der Freilandsport muss es allerdings hinnehmen, dass seine Ansprü- che mit anderen gesellschaftlich anerkannten Zielen konkurrieren. Gerade beim Skisport erliegen wir offensichtlich einem gewissen Zwang an Machbarkeit, wobei sich die Be- dürfnisse nach dem jeweiligen Grad der Tech- nologie ausrichten. Der Pistenbau zählt heute zunehmend nicht mehr zum natürlichen An- gebot, sondern wird künstlich hergerichtet, Hindernisse werden wegplaniert. Ausgehend von einem überladenen Skiweltcup-Kalender, ist in Schneemangelzeiten ein vermehrter Ein- satz von sog. Schneekanonen (mit Beginn im Bormio) festzustellen. Mit ihnen wird eine Verlängerung der Skisaison, sowie eine gesi- cherte Talfahrt bis zu den Autoparkplätzen angestrebt. Allfällige Umweltauswirkungen (Energieverbrauch, Lärm, Wasserverbrauch, Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt) sindganz  offensichtlich his anhin nicht er- 
forscht. Dies bestätigt auch der kürzlich er- schienene Bericht einer Arbeitsgruppe Schnee-Erzeugungsanlagen des Departemen- tes des Innern und der Volkswirtschaft des Kantons Graubünden vom Mai 1986 fest. Nach Umfrage der CIPRA bestehen in den Alpenländern bis heute keine verbindlichen Grundsätze über einen allenfalls möglichen und sinnvollen Einsatz von Schneekanonen, sieht man vom erwähnten ersten Ansatz im Bündnerland ab. Offensichtliche Wettbe- werbsvorteile einzelner Skistationen würden zudem durch eine verstärkte Verbreitung die- ser Geräte wieder zunichte gemacht. Sie bele- ben den Konkurrenzkampf zwischen teilweise schlecht ausgelasteten Wintersportorten und schaffen selber wieder Überkapazitäten. Schneekanonen sind deshalb nach Meinung der CIPRA ein weiterer Versuch, die Umwelt den übertriebenen Ansprüchen des Menschen unterzuordnen, statt die Ansprüche des Men- schen der Umwelt anzupassen. Die Ableh- nung der Schnee-Erzeugungsgeräte durch die CIPRA ist grundsätzlicher Art und will sich bewusst weniger auf einzelne technische Da- ten abstützen. Die entscheidende Frage lautet aus der Sicht der CIPRA, ob die Schneekano- nen die Grenzen für unsere dauernde An- spruchsflut im Sinne einer Spirale ständig hin- aufschrauben, dies sowohl zeitlich wie räum- lich. 
«Damit erhöht sich die Gefahr, dass uns die Rechnung in einem Zeitpunkt und in einer Situation beschert wird, wo die Folgen nur noch schwer oder gar nicht mehr korrigierbar sind», meint die renomierte Stiftung für Land- schaftsschutz und Landschaftspflege in der Schweiz in ihrem Jahresbericht 1985 zum The- ma Schneekanonen. Auf das Gesamtsystem wirkt sich der Einsatz von Schneekanonen letztlich belastend aus, weil mehr Skifahrer mehr Verkehr bringen, höhere Transportkapazitäten bei Bahnen und Liften erfordern, was breitere und noch mehr planierte Pisten nach sich zieht. Aus diesem Teufelskreis kann man sich nach Meinung der CIPRA nicht mit technischen Einzelmassnah- men befreien. Es gilt vielmehr die von der Natur gestzten Grenzen zu respektieren 
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